BERLIN. Christian Arbeit hat da so eine Vermutung. "Lockerheit gegen Kater", so vermutete der Sprecher des 1. FC Union Berlin, könnte das Motto für das bedeutungslose Drittligaspiel am Dienstag beim FC Erzgebirge Aue lauten. Die einen sind quasi gerettet, die anderen haben übers Wochenende kräftig gefeiert. Zwar warnt Sportdirektor Christian Beeck vor einer solchen Einstellung, er selbst habe als Profi des FC Energie Cottbus einmal erlebt, wie mies das Gefühl sei, wenn man mit drei Niederlagen in die Sommerpause gehe - doch im Grunde kreisen drei Spieltage vor dem Saisonende doch längst alle Gedanken in Köpenick um die Zukunft: die Zweite Bundesliga.Auch wenn Spieler wie Torhüter Jan Glinker demonstrativ betonen, sie hätten sich noch nicht einmal mit den künftigen Gegnern beschäftigt - der Trainer hat es freilich schon getan. "Der Aufstieg war schon hart", sagte Uwe Neuhaus, der Trainer, "aber wer Zweite Liga guckt, der weiß: Was vor uns liegt, wird noch ein ganzes Stück schwieriger." Beeck vermutet sogar, die Eisernen "benötigen Nerven wie Drahtseile", wenn sie den Klassenerhalt in der ausgeglichenen Spielklasse schaffen wollen. Eines, immerhin, könnte zur Beruhigung beitragen: Finanziell droht kein Ungemach aus der Ecke des größten Gläubigers.Michael Kölmel, der mit seinem Kinowelt-Geld, rund 15 Millionen Euro, einst Union Berlin vor dem Kollaps bewahrte und Investitionen möglich machte, war Gast bei der Aufstiegsfeier. Das 2:0 gegen Jahn Regensburg hatte er als Tribünengast im Jahnsportpark an der Seite von Klubpräsident Dirk Zingler verfolgt. Noch immer steht der Klub bei ihm mit 4,8 Millionen Euro in der Kreide, eigentlich würde der Betrag bereits 2010 fällig. Aber Kölmel betont: "Ach, das Geld zurück zu bekommen, ist für mich gar kein Thema. Ich will doch hier nichts kaputt machen."Er deutete an, dass sich die Auszahlung der Summe "von Jahr zu Jahr nach hinten verschiebt", per Rangrücktritt. Bis Union in der ersten Liga sei, erwarte er im Grunde gar nichts von dem Verein. "Als Aufsteiger bekommt man nicht so viel Fernsehgeld wie die anderen", genau genommen sind es 3,7 Millionen Euro, zeigt sich Kölmel verständnisvoll: "Die Unioner sollen sich erst einmal in der Zweiten Liga stabilisieren. Ich will dabei nicht zum Problem werden."So freundschaftlich ging der Gönner, der einst mit seiner "Sportwelt" die Vermarktungsrechte an zahlreichen Klubs hielt, mit anderen Vereinen nicht um. Teilweise, wie bei Dynamo Dresden, gab es sogar juristische Auseinandersetzungen. Bei den Eisernen ist das anders. "Union ist mir ganz klar der sympathischste Verein", sagt der gebürtige Badener mit Firmensitz Leipzig, "der Verein ist zu einem Vorzeigemodell geworden." Beeindruckt hat ihn vor allem der Stadionumbau durch die Anhänger. Wer so viel Einsatz zeige, so Michael Kölmel, habe auch noch mehr Geduld vom Gläubiger verdient. "Wenn ich jetzt hier Geld rausziehen würde, geriete doch das Wachstum ins Stocken."Bis zu fünf ZugängeDie nächsten Wochen werden in jedem Fall zeigen, wie sehr der 1. FC Union - mit rund 5 500 Mitgliedern der größte Sportverein Ostdeutschlands - tatsächlich wächst. "Wir sind interessant geworden für Sponsoren, das merkt man bereits", sagte Oskar Kosche, der Geschäftsführer, "wir werden sehen, inwiefern sich das Interesse auch in Verträgen niederschlägt."Davon, wie viele Sponsoren noch hinzukommen, will der Klub auch die Aktivitäten auf dem Transfermarkt teilweise abhängig machen. Mittlerweile spricht Präsident Dirk Zingler schon von bis zu fünf Zugängen. Mit dem Belgier Bernd Rauw steht ein Neuer bereits fest. Offensichtlich erfüllt der Innenverteidiger aus Emden das Anforderungsprofil des Klubs. Sportdirektor Christian Beeck beschreibt das so: "Die müssen uns in den Gesprächen vor allem ganz klar das Gefühl geben, dass sie sich mit Union Berlin identifizieren und für diesen Verein Vollgas geben."------------------------------Foto: "Wenn ich jetzt hier Geld rausziehen würde, geriete doch das Wachstum ins Stocken." Michael Kölmel------------------------------Foto: Reise in eine andere Liga: Anhänger des 1. FC Union testen schon einmal eine mögliche Mitfahrgelegenheit.