Zugegeben, die folgende Nachricht hat nur für eine Minderheit praktische Bedeutung: Ferrari nimmt die Handschaltung aus dem Angebot. Wen soll das kümmern, abgesehen von weltweit ungefähr sechs- bis siebentausend Ferrari-Käufern pro Jahr? Nun ja, eigentlich berührt es die am allerwenigs-ten. Schließlich sind sie selbst schuld, weil sie so gut wie keine manuellen Getriebe mehr bestellen. Dabei ist die Handschaltung von Ferrari ein Klassiker, eine Legende fast, mit dem schlichten runden Knauf und der offenen Edelstahlkulisse. Doch damit ist es vorbei. Geschaltet wird zukünftig nur noch mit Lenkrad-Paddeln und ohne Kupplungspedal.Einst galt das eigenhändige Rühren im Getriebe als wesentliches Element sportlichen Fahrens. Ein Pkw mit automatischem Getriebe konnte kein sogenanntes "Driver's Car", kein "Fahrer-Auto" sein. Schließlich ging es auch darum, das Fahrzeug zu beherrschen, wofür man Geschick und mechanisches Einfühlungsvermögen brauchte.Das klingt heute altmodisch und ein wenig machohaft. Als müsste man einen wilden Hengst zureiten. Und wer will das schon, wenn das Autofahrerleben überwiegend aus Rotphasen, Staus oder eintönigen Autobahn-etappen besteht.Kein Wunder also, dass die Entwicklung, weg vom Handschalter, sich auch in Segmenten zeigt, die nicht nur für ein paar Tausend Menschen relevant sind, in der Kompaktklasse etwa.Trotzdem wird das manuelle Getriebe auch langfristig wohl immer noch den größten Marktanteil behalten. Von etwa 50 Prozent, geht man beim deutschen Getriebehersteller ZF aus, der unter anderem für das Doppelkupplungsgetriebe von Porsche verantwortlich ist. Der Konkurrent Getrag (u.a. Ferrari, Ford und BMW) rechnet sogar mit 70 Prozent. Doch die Verhältnisse verschieben sich. Zwar nicht weltweit, weil in automobilen Entwicklungsländern wie China vor allem kleine, günstige Autos zulegen werden und die Handschaltung zurzeit noch unschlagbar billig ist. In einem Automatik-Entwicklungsland wie Deutschland aber, wo der Anteil automatisierter Getriebe nur ein Fünftel beträgt, werden die Handschalter weniger. Auch wenn Verhältnisse wie in den USA oder Japan noch in weiter Ferne liegen dürften. Dort lassen traditionell 85 bis 90 Prozent der Autofahrer lieber die Technik schalten. Weil es komfortabler ist.Das Argument sprach auch hierzulande immer für die klassische Automatik -und trug zum Rentnerimage derart ausgestatteter Autos bei. Aber die Technik hat sich weiterentwickelt. Vor allem Volkswagen hat mit seinem Doppelkupplungsgetriebe DSG dafür gesorgt, dass automatisch schalten auch jenseits der Oberklasse salonfähig wurde -und sogar als sportlich gilt.Wobei die Getriebediskussion vor allem auch eine Umweltdiskussion ist. Denn Doppelkupplungsgetriebe sind sparsamer als Handschalter und reduzieren den CO2-Ausstoß. Auch deswegen werden vom Passat Variant mittlerweile gut 28 Prozent mit automatischem Getriebe ausgeliefert. Beim Golf, der nicht ins traditionelle Automatik-Segment gehört, sind es schon zwölf Prozent. Vor DSG waren es nur fünf Prozent.Auch die herkömmliche Wandlerautomatik, die früher als Spritfresser und als behäbig galt, ist das schon lange nicht mehr. Mit der Achtgangautomatik, die im neuen 5-er GT von BMW erstmals zum Einsatz kommt, sei man beim Verbrauch schon nah dran an der Doppelkupplung, so der Hersteller ZF, bei den Schaltzeiten auf Augenhöhe.Doch es lässt sich nicht leugnen, das Auto wird zunehmend anders definiert. Immer mehr gilt es als ein Gegenstand, der Mobilität möglich macht, bei dem Mobilität aber nicht Selbstzweck ist. Da entscheidet dann eben nicht primär der Fahrer über die Fahrweise, sondern der gewählte Getriebemodus legt fest, ob man sportlich oder gemütlich unterwegs ist. Im manuellen Betrieb kann es passieren, dass die Technik den Gangwechsel verweigert. Einen Schaltvorgang zu vermasseln, ist so unmöglich.Das ist eigentlich ganz prima. Und ein bisschen langweilig.------------------------------BEDROHTE ARTENNur zwei Automatikvarianten werden nach Einschätzung der Getriebehersteller ZF und Getrag zukünftig den Markt beherrschen: das Doppelkupplungsgetriebe und die Wandlerautomatik.Das stufenlose Getriebe hingegen, das unendlich viele Getriebeübersetzungen mit nur einem Gang darstellen kann, wird wohl schon bald aussterben. Mercedes bietet derzeit für die A-Klasse ein solches Getriebe an.Der automatisierten Handschaltung dürfte ein ähnliches Schicksal blühen. Dabei wird ein normales manuelles Getriebe durch eine elektronisch-mechanische Einheit ergänzt, die das Schalten übernimmt.------------------------------Foto: Wie einst bei Ferrari: Im Audi R8 darf noch per Hand geschaltet werden.