In Berlin hatten große Industrie- unternehmen zahlreiche, inzwischen fast vergessene Zwangsarbeiterlager eingerichtet darunter Siemens, Krupp und Daimler. In den jetzt veröffentlichten Listen des American Jewish Committee (AJC) tauchen diese Berliner Unternehmen nicht auf. "Wer sich bereit erklärt hat, bei der Stiftung Deutsche Wirtschaft mitzumachen und Entschädigungen zu zahlen, ist gestrichen worden", bestätigt die designierte Leiterin des Berliner Büros, Deidre Berger. Von Neukölln bis Reinickendorf So existierte in Neukölln seit 1944 ein Außenlager des KZ Sachsenhausen, in dem schätzungsweise rund 500 jüdische Frauen aus Polen leben mussten. Die Frauen wurden zur Zwangsarbeit in die damalige Braunauer Straße (heute: Sonnenallee) Thiemannstraße und Weserstraße geholt. Die Inhaftierten stellten täglich zwölf Stunden für Krupp Munition und Flugzeugteile her. Das von der SS bewachte und stacheldrahtumzäunte Lager bestand aus mindestens drei Häftlingsbaracken und konnte von Bewohnern angrenzender Häuser eingesehen werden.Bekannt ist auch die Existenz eines Lagers in Reinickendorf an der S-Bahn in Borsigwalde und in Tegel-Süd in der Bernauer Straße. Der Rüstungsbetrieb Borsig verbot während der Arbeit den sowjetischen Zwangsarbeiter jeglichen Kontakt mit Deutschen. Wegen mangelnder medizinischer Versorgung und Unterernährung starben die in den Lagern geborenen Kinder meistens. Auf dem russischen Friedhof in der Wittestraße sind sie beerdigt worden. Weitere Zwangsarbeiterlager soll es in der Flottenstraße in der Nähe der ehemaligen Argus-Motorenwerke gegeben haben. Darüberhinaus wurden viele der 800 Frauen aus dem KZ Oranienburg in einem Haus in der Markstraße eingesperrt.Ein weiteres Lager gab es an der Straße 473 (heute: Nahmitzer Damm). Großunternehmen aus Tempelhof holten sich die Gefangenen als Arbeitskräfte. Der erste Häftlingstransport bestand aus 150 Männern, ein zweiter aus mindestens 400 sowjetischen Gefangenen und ein dritter aus polnischen Gefangenen. Der ehemalige Häftling Henryk Ciermachewski erinnerte sich später an einen Luftangriff 1943: "Dabei kamen ungefähr 36 Menschen ums Leben, wobei meiner Meinung nach ... über 20 Personen an den Folgen der Schüsse durch die Belegschaftsmitglieder des Lagers gestorben sind." Auch die Fritz Werner AG setzte für die Kriegsproduktion Zwangsarbeiter aus einem lager an der Daimler-/Ecke Benzstraße. "Auffällige" wurden in Zellen gesperrt, die an einem unterirdischen Gang unter der Daimlerstraße lagen. Auf den damals noch unbebauten Flächen an der Marienfelder Chausse in Buckow waren ab 1944 weitere Barackenlagern aufgestellt worden.ZWANGSARBEITER Ausgebeutet // Zur Zwangsarbeit wurden vor allem Gefangene aus Polen, der Sowjetunion, aus Frankreich und Italien eingesetzt besonders ab 1943/44.Viele Lager mit meist mehreren hundert Inhaftierten waren über ganz Berlin verteilt. Einige Betriebe wie Borsig hatten eigene Lager eingerichtet. Die Gesamtzahl der ausgebeuteten Zwangsarbeiter vermutlich etliche Tausende ist unbekannt.Die KZ Oranienburg und Sachenhausen hatten Außenlager in verschiedenenen Bezirken aufgebaut. Bei der SS konnten Industriebetriebe billige Arbeitskräfte "bestellen. "