Foto: Die Führungsdame: Die Leidenschaft für Warenhäuser lässt Gaby Reynolds auch in ihrer Freizeit nicht los. Während ihrer Reisen in die großen Städte der Welt steht bei der 45-Jährigen stets auch der Besuch in einem Kaufhaus auf dem Programm: Saks in New York, Takashimaya in Tokio, das sind Häuser mit klangvollen Namen. Doch sie sagt: "Das KaDeWe steht weltweit in nichts nach." Gaby Reynolds ist "Führungsdame" im KaDeWe. Sie führt Gruppen - Touristen oder Geschäftsleute - durch das Kaufhaus und auch durch seine Geschichte. Und sie begleitet einzelne Gäste beim Einkauf, so den US-Schauspieler Jerry Lewis vor einem Jahr: "Er hat Koffer von Louis Vuitton gekauft." Seit zwölf Jahren schon macht sie diesen Job. Gaby Reynolds, die mit einem Engländer verheiratet ist, spricht Französisch, Spanisch und Englisch und war bei einer Fluggesellschaft tätig, bevor sie ins KaDeWe ging. Das Kaufhaus kennt sie seit ihrer Kindheit in Dahlem. "Für meine Eltern gab's nichts anderes." (tt.)------------------------------Foto: Der Gepäckträger: Im KaDeWe muss kein Kunde schleppen. Dafür gibt es Gepäckträger wie den 37-jährigen Carsten Möllenbrock. "Wenn ein Gast Porzellan oder auch Champagner in großen Mengen kauft, werde ich von den Kassiererinnen angerufen. Dann komme ich mit meiner Sackkarre und bringe das Gepäck zum Parkhaus in der Passauer Straße oder zum Taxi", sagt er. Manchen ist sogar schon ein Buch zu schwer. "Auch dann kann sich der Kunde bei mir melden", sagt er. Auch Franziska van Almsick hat er schon mal eine Kaffeemaschine zum Auto getragen. Andere Kunden wollen dem Gepäckträger wiederum beim Tragen helfen. Aber das hat Carsten Möllenbrock in seinen drei Jahren im KaDeWe noch nie zugelassen. "Da bin ich eigen." Möllenbrock sagt, er habe eigentlich nur "glückliche Gäste". "Die haben eingekauft. Das stimmt positiv. Da kommt leicht ein Gespräch zustande." Er sei auch eher der kommunikative Typ, sagt der gebürtige Schöneberger. (tt.)------------------------------Foto: Die Konditorin: Das Projekt 1,3-Tonnen-Torte nimmt Chefkonditorin Sabine Femfert seit Anfang Januar in Anspruch. Die Riesentorte soll am Donnerstag zum 100. Bestehen des KaDeWe angeschnitten werden. Schon seit gestern Abend bauen Femfert und ihre Mitarbeiter das 6,50 Meter hohe Gebilde aus Sachertorte und Sandkuchen im Lichthof im Erdgeschoss auf: "Sahne konnten wir nicht nehmen, sagt die 37-Jährige. "Die Torte würde zusammenfallen." Um das zu vermeiden, hat die Konditorin sich mit einem Statiker getroffen. Sie machten Zeichnungen, rechneten aus, wie viel die Zutaten wiegen und bauten ein Holzgestell, um der Torte Halt zu geben. Etwa 400 Torten und Kuchen backen Sabine Femfert und ihre 35 Mitarbeiter jeden Tag ab morgens um fünf. Sie werden überwiegend nach den Rezepten des französischen Konditors Le Notre hergestellt. Femfert ist seit 22 Jahren im KaDeWe, aber ihre eigenen Torten mag sie immer noch nicht: "Ich bin eher für das Herzhafte." (tt.)------------------------------Foto: Der Sommelier: Der Raritätenkeller ist das Reich von Denis Knecht. Hier lagern tausende Flaschen Wein. Der Sommelier zieht einen Eltville aus dem Jahr 1864 aus dem Regal. "Das ist unser Ältester", sagt er. Ob der noch schmeckt? "Wahrscheinlich nicht mehr", sagt der Elsässer. "Gute Weine kann man vielleicht 50 Jahre aufheben. Viel länger eigentlich nicht." Der 34 Jahre alte Sommelier ist für die Auswahl der Weine verantwortlich. Er besucht Weingüter, Weinmessen, immer auf der Suche nach neuen Jahrgängen und Sorten. An manchen Tagen probiert er bis zu 70 Weine. "Ich spucke alles wieder aus. Sonst würde man schnell zum Alkoholiker werden." Den größten Umsatz macht das KaDeWe mit älteren Jahrgängen. Die Kunden kaufen meistens nur eine Flasche. Die teuerste kostet 5 500 Euro. Doch es gibt im KaDeWe auch Weine für fünf Euro. Seit Knecht vor sechs Jahren nach Berlin kam, trinkt er weniger Wein. "In Restaurants bestelle ich Bier, weil die Qualität der Weine schlecht ist." (tt.)------------------------------Foto: Die Kindergärtnerin: Es kommt Kundschaft. "Hallo Andreea", begrüßt die Erzieherin Sabine Elbalouky das kleine Mädchen. Die Mutter des zweijährigen rumänischen Mädchens ist Stammkundin im KaDeWe. "Entweder geht sie zur Maniküre oder sie kauft ein", sagt Sabine Elbalouky. Damit die Kundin ihr Geld in Ruhe ausgeben kann, gibt sie ihre Tochter in dieser Zeit im "Kid's Corner" im dritten Stock ab. Dort werden Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren von Erzieherinnen betreut. Drei Stunden lang sind kostenlos. In dem Raum gibt es ein Spielhaus, eine Autorennbahn, einen Lerncomputer. Ein Mann aus den Niederlanden holt seine drei Söhne ab. Verständigen konnte sich die Erzieherin nicht mit ihnen. "Aber das ist kein Problem. Wir haben viele Kinder aus China oder Japan hier. Das geht alles mit Zeichensprache." Jetzt ist nur noch die kleine Andreea da. 24 Kinder können maximal aufgenommen werden. "An Samstagen ist es rappelvoll", sagt die 38-jährige Neuköllnerin Elbalouky. (tt.)