Die Mitglieder des Berliner Senats sind schwer beschäftigt: In ihrer Funktion als Regierender Bürgermeister, als Senatorin oder Senator, als Staatssekretärin oder Staatssekretär sind sie in zahlreichen Aufsichtsräten, Vorständen, Kuratorien oder Stiftungen vertreten. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bringt es auf 19 Nebentätigkeiten, Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) sogar auf 46 und Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) auf 33 Nebenjobs. Zu viel, kritisieren die Grünen.Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) meldet elf Nebenjobs, Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sieben. Unter den Staatssekretären sticht Kultur-Staatssekretär André Schmitz mit 24 Nebentätigkeiten hervor, in neun der Fälle ist er sogar der Vorsitzende eines Aufsichts- oder Stiftungsrats. Bescheiden gibt sich nur eine: Die Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, Kerstin Liebich (Linke) meldet keine Funktion in einem Aufsichtsrat oder einer Stiftung."Die Senatoren können sich bei der Fülle dieser Aufgaben gar nicht mehr auf ihren eigentlichen Job konzentrieren", sagt die Grünen-Abgeordnete Lisa Paus. Sie hatte die Anfrage an den Senat gestellt, nun liegt die aktualisierte Liste vom April dieses Jahres vor. Nach Ansicht der Grünen sollte jeder Senator nicht mehr als fünf Mandate wahrnehmen, andernfalls sei nicht sicher gestellt, dass auch wirklich eine Kontrolle - beispielsweise in einem Aufsichtsrat oder einem Vorstand - stattfinde. "Ich erinnere nur an die Bankgesellschaft Berlin und deren Krise", sagt Paus.Viel Geld bringen die Nebentätigkeit den Senatsmitgliedern nicht ein. Nach Auskunft der Senatskanzlei liegen die Vergütungen für die Tätigkeiten - die vom Senat genehmigt werden müssen - in den meisten Fällen unter dem erlaubten Bruttobetrag von 6 135,50 Euro pro Jahr. Bekommen sie für ihre Aufgabe in einem Vorstand oder Aufsichtsrat mehr Geld, müssen sie die Summe, die über 6 135,50 Euro liegt, an den Landeshaushalt abführen. Eine Staatssekretärin zahlte aus ihren Nebentätigkeiten im letzten Jahr 42,50 Euro ein, ein Senator führte 4 144,06 Euro an die Landeskasse ab. Um wen es sich handelte, verrät der Senat nicht.Die Grünen-Abgeordnete Paus fordert dennoch mehr Transparenz. "Auch Geschäftsführer von landeseigenen Unternehmen müssen ihren Verdienst offen legen", sagte sie. Es stünde den Senatsmitgliedern deshalb gut an, über ihre Vergütungen Auskunft zu geben.------------------------------Was noch so anfälltDie Senatsmitglieder sind in zahlreichen Gremien, Aufsichtsräten und Stiftungen tätig. Eine Auswahl der wichtigsten Jobs:Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), 19 Nebentätigkeiten: Aufsichtsratsvorsitzender Flughafen Berlin Schönefeld GmbH; Vorsitz im Stiftungsrat der Deutschen Klassenlotterie, der Stiftung Preußische Seehandlung, der Stiftung Oper in Berlin, der Stiftung Berliner Philharmoniker, der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek; Vorsitz im Kuratorium 300 Jahre Wissenschaftsstadt Berlin; Mitglied im Kuratorium Berliner Aids-Hilfe, Aids-Gala.Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), 33 Nebentätigkeiten: Aufsichtsratsvorsitzender der Charité; Mitglied in Vollversammlung und Verwaltungskommission des Wissenschaftsrats; Vorsitz im Kuratorium der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege, im Lette-Verein, im Pestalozzi-Fröbel-Haus; Mitglied im Kuratorium fast aller Universitäten und Fachhochschulen in Berlin; stellvertretender Vorsitz im Kuratorium des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung.Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), 46 Nebentätigkeiten: Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Immobilien Holding GmbH, der Berliner Immobilienmanagement GmbH, der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG); Vorsitzender der Gewährträgerversamm- lung bei den Berliner Bäderbetrieben, BVG, Berliner Wasserbetrieben, Berliner Stadtreinigung (BSR); Mitglied im Aufsichtsrat der Charité, des Klinikkonzern Vivantes, der Berlinwasser Holding AG, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung; Mitglied im Verwaltungsrat der Investitionsbank Berlin (IBB).Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke), elf Nebentätigkeiten: Mitglied im Aufsichtsrat von Vivantes, der BSR; Mitglied im Stiftungsrat Deutsches Herzzentrum, des Lette-Vereins; Mitglied im Sanierungsbeirat der City BKK.Innensenator Ehrhart Körting (SPD), sieben Nebentätigkeiten: Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Bäderbetriebe; stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Immobilien Holding GmbH, der Berlin Organising Committee BOC 2009 GmbH für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft; Mitglied im Kuratorium der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege (FHVR).Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD), zwei Nebentätigkeiten: Mitglied im Lottobeirat; Mitglied im Kuratorium der FHVR.Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), sechs Nebentätigkeiten: Mitglied im Kuratorium Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas; Mitglied im Stiftungsrat Preußischer Kulturbesitz; Mitglied im Verwaltungsrat der Investitionsbank Berlin, im Eisenbahninfrastrukturbeirat.Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke), 22 Nebentätigkeiten: Aufsichtsratsvorsitzender BSR, der Berliner Wasserbetriebe, der Berlinwasser Holding AG; stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Berlin Partner GmbH, der Messe Berlin; Mitglied im Aufsichtsrat der Technologiestiftung Innovationsagentur Berlin GmbH; Vorsitzender des Verwaltungsrats der IBB; Mitglied der Gewährträgerversammlung BVG, BSR, Berliner Wasserbetriebe.------------------------------Foto: Wie viel Zeit bleibt bis zum nächsten Termin? Kein Senatsmitglied hat so viele Nebenjobs wie Finanzsenator Thilo Sarrazin.