Der Umbau ist beendet, die Bühne ist gefegt, bei Sonnenuntergang werden die Instrumente gestimmt, dann ist es soweit: Die Freilichtbühne in der Köpenicker Wuhlheide wird heute Abend mit einem Konzert der Brandenburger Philharmoniker wiedereröffnet.Kultursenator Peter Radunski wird anwesend sein, um der frisch renovierten Arena ein paar offizielle Worte mitzugeben. Wenn die letzten Töne von Ravels "Bolero" verklungen sind, mündet der Abend in ein Feuerwerk. Nach diesem spektakulären Auftakt folgt am Sonnabend mit "Wuhlrock 97" das erste Rockfestival. Und am letzten der drei Eröffnungstage, am Sonntag, hält auch noch die leichte Muse Einzug: Von Andy Borg bis Jürgen Drews ist alles dabei, was Herz auf Schmerz reimen kann.Die drei Veranstaltungen markieren das Spektrum, das die Freilichtbühne in den nächsten Jahren anbieten will. Bei einer Kapazität von 16 000 Zuschauern wird von populärer Klassik bis Schlager alles gespielt, was Open-air-tauglich ist. Damit dringt die Arena, die fortan offiziell Parkbühne Wuhlheide heißen wird, allerdings ins Feld der etablierten Waldbühne vor."Unser Programm wird sich von dem der Waldbühne nicht gravierend unterscheiden", sagt dazu Norbert Döpp, Geschäftsführer der Wuhlheide Veranstaltungs GmbH. "Aber eine richtige Konkurrenz können wir nicht sein, weil die Wuhlheide etwa 6 000 Zuschauer weniger faßt. Ich würde eher sagen, wir sind eine sinnvolle Ergänzung zur Waldbühne."Das klingt ziemlich harmlos nach Arbeitsteilung und guter Zusammenarbeit. Hintergrund der Wuhlheide-Eröffnung ist jedoch ein jahrelanger Zwist zweier Berliner Konzertveranstalter. Peter Schwenkow hatte einst mit seiner Firma Concert Concept die jahrelang im Dornröschenschlaf versunkene Waldbühne wieder in Betrieb genommen. Seitdem nutzt er die Waldbühne überwiegend für seine eigenen Konzerte, zahlt aber auch eine beachtliche Miete (im Jahr 1996 laut eigenen Angaben 1 651 000 Mark).Die Konkurrenzfirma Downtown, deren Geschäfte vom jetzigen Wuhlheide-Chef Norbert Döpp geführt werden, kritisiert die Vergabe an Schwenkow seit Jahren als Monopolisierung und hat 1992 sogar dagegen geklagt.Aber die Klage wurde abgewiesen, Schwenkow betreibt noch immer die Waldbühne. Gern beklagt er, daß Döpp und sein Partner Matthias Hoffmann für die Wuhlheide nur eine niedrige, dazu auf zehn Jahre festgesetzte Miete an die Stadt zu zahlen haben, während seine Miete für die Waldbühne sich bereits verdreifacht habe. "Schwenkow beklagt sich immer, damit er beim nächsten Mal eines seiner anderen Projekte durchsetzen kann", sagt Döpp, der die Höhe seiner eigenen Miete nicht nennen will. "Erstens wird sich unsere Miete in zehn Jahren auch verdreifacht haben. Und zweitens vergißt Herr Schwenkow, daß wir acht Millionen Mark in die Renovierung der Wuhlheide investiert haben. Ich muß im Jahr zehn bis zwölf Veranstaltungen ausverkaufen, um dieses Geld wieder hereinzubekommen."Festzuhalten bleibt dennoch, daß sich mit der Übernahme der Wuhlheide durch Döpp/Hoffmann in gewisser Weise der Vorgang wiederholt, der die Waldbühne damals in Peter Schwenkows Hand gebracht hat. Zu DDR-Zeiten fanden in der Wuhlheide vor allem Kinderveranstaltungen statt. Nach der Wiedervereinigung wurde die marode Arena von verschiedenen Veranstaltungen für Konzerte gebucht. Als sich abzeichnete, daß ein Umbau dringend nötig sein würde, bekam Döpp zusammen mit dem Mannheimer Konzertveranstalter Matthias Hoffmann den Zuschlag für die Renovierung und Bewirtschaftung.In den Planungs- und Baujahren seit 1993 mußten enorme bürokratische Hürden genommen werden. So wurde die Arena 1995 unter Denkmalschutz gestellt, was die Renovierungskosten in die Höhe trieb. Ursprünglich waren Kosten von dreieinhalb Millionen Mark veranschlagt, am Ende kostete der Umbau acht Millionen.Nun aber kann die "Parkbühne" eröffnet werden ­ und die Firma Downtown, die bisher bei der Waldbühne oft zurückstehen mußte, hat ihre "eigene" Open-air-Bühne. "Wir wollen dort bestimmte Konzerte im Sommer fest etablieren", sagt Norbert Döpp. ",Wuhlrock soll ein fester Begriff werden.Und natürlich wollen wir der Waldbühne Konzerte abjagen, die dort nicht ausverkauft sind." Die Frage ist allerdings, ob es für den Erfolg einer solchen Bühne genügt, auf die Acts zu spekulieren, denen die Waldbühne zu groß ist.Es droht die Gefahr der Zweitklassigkeit. Die Wuhlheide wird darauf angewiesen sein, ein eigenes Profil zu entwickeln, wenn sie nicht sehr bald als Abklatsch gelten will. Vorausgesetzt, es geht Downtown nicht nur darum, gegenüber Concert Concept ein "Druckmittel" in der Hand zu haben. Wenn Schwenkow, wie sich bereits abzeichnet, in Zukunft auch die eine oder andere mittelgroße Veranstaltung in der Wuhlheide will, dann muß er sich auch bei der Waldbühne ein wenig kooperativer zeigen."Als Druckmittel würde ich das nicht bezeichnen", sagt dazu Norbert Döpp. "Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, daß wir mit Downtown irgendwann einen Zugriff auf die Waldbühne haben werden."An den gründsätzlichen Machtverhältnissen im Berliner Konzertgeschäft ändert sich vorerst nichts. Denn das große Geld ist nur mit großen Namen zu verdienen ­ und dazu braucht man große Bühnen. Nicht nur die Waldbühne, auch die beiden neueröffneten Großsporthallen befinden sich in Schwenkows Hand. Und wenn dieser dann auch noch ins landesweite Tourneegeschäft einsteigt, kommt an dem Multi Peter Schwenkow endgültig niemand mehr vorbei.Kein Wunder also, daß Norbert Döpp die Schließung der Deutschlandhalle kritisiert: "Damit geht eine Top-Halle verloren. Man hätte sie nur renovieren müssen." Er habe dazu Vorschläge in der Schublade gehabt. Aber niemand habe sie hören wollen. Norbert Döpp wird sich wohl auf Dauer mit Schwenkows Übermacht arrangieren müssen.Ralf Schlüter