Die Wettervorhersage wird immer besser, behaupten Meteorologen oft. Laien hingegen haben oft keinen so guten Eindruck von den Prognosekünsten der Wetterkundler. Im Grunde haben jedoch beide Seiten recht: Die Vorhersagen der Temperatur, des Luftdrucks und des Winds sind tatsächlich in den vergangenen Jahren immer genauer geworden, die Niederschlagsvoraussage aber ist häufig falsch - vor allem, wenn Gewitter aufziehen. Doch gerade an der Regenprognose messen viele Menschen die Leistung der Meteorologen.Dieser Sommer könnte die Wende zugunsten der Wetterexperten bringen. Das kündigt Andreas Hense an, der am Meteorologischen Institut der Universität Bonn forscht. Er gehört zu den Initiatoren eines großen Messprogramms im Süden Deutschlands und in den Vogesen in Ostfrankreich, das am 1. Juni begonnen hat und das noch bis zum 31. August dauern wird.Ermittlungen in der AtmosphäreDabei versuchen Meteorologen mit den Daten von rund einhundert Messstationen zu ergründen, was sommerliche Gewitterwolken aufquellen und was sie abregnen lässt. Das Messnetz des Deutschen Wetterdiensts ist für das Projekt um zahlreiche Spezialgeräte erweitert worden.Das Forschungsprogramm trägt den Kurznamen Cops (siehe Kasten). Der englische Name bedeutet auf Deutsch Polizisten. Das passt zum Thema, denn in der Tat geht es bei Cops um komplizierte Ermittlungen. "Für eine genauere Regenvorhersage müssen wir die Bedingungen in der Atmosphäre besser verstehen als bisher", sagt Hense. Genau das ist das Forschungsziel der Cops-Meteorologen in diesen Wochen.Sie wollen vor allem die typische sommerliche Witterung untersuchen und die fanden sie zunächst auch vor: "In den ersten beiden Juniwochen gab es immer wieder kurze Gewitter", berichtet Hense. In der zweiten Junihälfte bis in den Juli hinein wurde es dann allerdings kühler, und die Messtrupps warteten meistens vergebens auf Blitz und Donner. Auch die großräumigen, niederschlagsreichen Unwetter, die in den vergangenen Tagen von Tiefdruckgebieten verursacht wurden, gehören nicht zu dem Gewittertyp, den die Cops-Meteorologen untersuchen wollen.Einen entscheidenden Faktor für die Vorhersage von Regen haben die Experten aber dennoch bereits ermittelt: Es muss der unsichtbare Wasserdampf der Luft sein. Nur dort, wo es ausreichend Dampf gibt - wo die Luft also feucht genug ist -, können sich Gewitter bilden. Auf speziellen Satellitenbildern sei zu erkennen, wie der Wasserdampf in der Atmosphäre schlierenartig verwirbelt werde, erläutert Andreas Hense. Doch die Computermodelle geben diese äußerst feinen Strukturen nicht wieder, weil das gegenwärtige Messnetz der Meteorologen solche Details nicht erfassen kann. Um herauszufinden, an welchen Orten zusätzliche Messstationen sinnvoll wären, vergleichen die Cops-Forscher ihre Messungen mit den entsprechenden Prognosen des Deutschen Wetterdiensts aus den vorangegangenen Tagen. Je größer die Unterschiede sind, desto wichtiger ist es, in dem Gebiet einen weiteren Messpunkt einzurichten.Wann und wo sich die Wolken zusammenballen, das bestimmt neben der Feuchtigkeit auch der Wind, sagt Volker Wulfmeyer. Der Atmosphärenforscher von der Universität Hohenheim bei Stuttgart leitet die Einsatzzentrale von Cops. Dort richtet er sein Augenmerk vor allem auf die sogenannten Konvergenzlinien. Zu diesen unsichtbaren und veränderlichen Fronten strömt die Luft von zwei Seiten hin. Sie kann dann nur nach oben ausweichen - deshalb entwickelt sich ein Aufwind. Genau an solchen Fronten können Gewitter entstehen. "Mit einem Radargerät haben wir am Oberrhein gleich mehrere dieser Linien registriert", sagt Wulfmeyer.Um die Konvergenzlinien und die Feuchtigkeit präzise zu erfassen, haben die Wetterforscher eine ganze Reihe von Messgeräten aufgefahren. Neben konventionellen Instrumenten der Meteorologie - Thermometer, Barometer, Wind- und Feuchtigkeitsmesser - gehören dazu mehrere Radargeräte. Das Spezialinstrument Doppler on Wheels wurde eigens aus den USA eingeflogen. Dort dient es den Meteorologen zum Aufspüren von Tornados. Das Gerät registriert anhand der Radarstrahlen, die von den Regentropfen zurückgeworfen werden, die Geschwindigkeit und die Richtung des Windes.Ein weiteres Hightech-Gerät, das bei dem Cops-Projekt zum Einsatz kommt, ist das Lidar, ein Laser-Radar-Messer. Damit können die Forscher in die Wolken hineinschauen. Je nachdem, mit welcher Wellenlänge der Laserstrahl leuchtet, wird er entweder von Luftmolekülen, Staubteilchen oder Wolkentropfen reflektiert. Auf diese Weise lassen sich die Zusammensetzung der Wolken und die Luftfeuchtigkeit berechnen.Wulfmeyer setzt den Lidar auf der Hornisgrinde ein, einem 1 164 Meter hohen Berg im Nordschwarzwald. Diese Messstation ist mit allen erdenklichen meteorologischen Instrumenten ausgestattet. Auch die Wetterstationen Meistratzheim in den Vogesen, Achern im Rheintal nahe Baden-Baden sowie in Heselbach im Schwarzwald und in Deckenpfronn bei Stuttgart wurden für das Cops-Projekt mit zusätzlichen Messgeräten als sogenannte Supersites ausgestattet.Ballone und ein ZeppelinDiese fünf Hauptstationen des Forschungsprojekts sind ungefähr auf einer Geraden angeordnet (siehe Karte). Wulfmeyer hofft, dass bis Ende August genau an dieser Linie ein Gewitter entsteht, dessen Entwicklung er und seine Kollegen dann genau analysieren können.An den Supersites werden die Forscher von Studenten der Universität Karlsruhe unterstützt, die dort von Zeit zu Zeit Wetterballone aufsteigen lassen. Damit lassen sich die Bedingungen in der Höhe erkunden. Denn nicht nur die Verhältnisse am Boden beeinflussen die Gewitter. Darum werden auch mehrere Forschungsflugzeuge und ein bemannter Zeppelin für die Messungen eingesetzt.Auf diese Weise erhalten die Wissenschaftler sehr viele Messdaten von verschiedenen Orten und aus unterschiedlichen Höhen. Davon erhoffen sich die Forscher schließlich Ergebnisse, mit deren Hilfe sie Sommergewitter und ihre möglichen Folgen schon bald besser vorhersagen können. Das Ziel: Die Prognosen sollen dann nicht mehr nur vage und großflächig sein, sondern jede gefährdete Gemeinde soll rechtzeitig eine zuverlässige Warnmeldung erhalten.------------------------------Forschen im FreiluftlaborMit Ballonen, Flugzeugen und einem Zeppelin sind die Wetterexperten hinter Gewittern her. Ihr Freiluftlabor ist mehr als vierzigtausend Quadratkilometer groß. Es reicht von der Schwäbischen Alb über den Schwarzwald, den südlichen Oberrheingraben bis zu den Vogesen. Von Juni bis August untersucht dort ein Forscherteam, was eine Wolke zur Regenwolke macht.Das Projekt heißt Cops. Die Abkürzung steht für Convective and orographically induced precipitation study. Dabei wird untersucht, wie Berglandschaften zur Bildung von Gewitterwolken beitragen.Geleitet wird das Projekt von der Universität Hohenheim in Stuttgart und der Universität Karlsruhe. Vierzig Forschungseinrichtungen im In- und Ausland machen mit, darunter das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen und die Wetterdienste Deutschlands und Frankreichs.Die Kosten von Cops werden geteilt: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft gibt zwei Millionen Euro dafür aus. Die gleiche Summe kommt aus dem Etat des Atmospheric Radiation Measurement Program der USA. Dabei handelt es sich um eines der größten Klimaforschungsprogramme der Welt. Frankreich und Großbritannien beteiligen sich jeweils mit einer Million Euro.Zahlreiche Forschungsprojekte sind mit Cops gekoppelt: Im Programm Tracks wird etwa die Luftverschmutzung im Raum Mannheim-Ludwigshafen analysiert, bei einem anderen Vorhaben beobachten Meteorologen das Wetter in Mitteleuropa besonders genau, im Projekt Map werden Niederschlag und Hochwasser in den Alpen erforscht und Thorpex ist ein Projekt des Weltwetter-Forschungsprogramms der Vereinten Nationen zur Verbesserung von Wettervorhersagen. (st.)Cops im Internet: http://cops.uni-hohenheim.de------------------------------Karte: Das Cops-Projektgebiet erstreckt sich von Südwestdeutschland bis nach Ostfrankreich.------------------------------Foto: Auf dem Dach der Wetterstation Hornisgrinde ist ein Lidar installiert. Mithilfe dieses Laser-Radar-Gerätes durchleuchten Meteorologen vom Forschungszentrum Karlsruhe die Wolken.------------------------------Foto: Dieses Gerät heißt Total Sky Imager. Es lichtet automatisch und im Zehn-Minuten-Takt den kompletten Himmel ab. So können Wetterkundler die Wolkenbedeckung ermitteln.------------------------------Foto: Armin Geiger von der Schwarzwald-Station Heselbach lässt einen Ballon mit einer Messsonde aufsteigen. Die Sonde misst Temperatur und Luftdruck und funkt die Daten zur Station.