FRIEDRICHHAIN. Der Feind steht links. Dort haben ihn die Bewohner der Wagenburg Laster & Hänger eigentlich gar nicht vermutet. "Bisher hat die Linkspartei unser Projekt immer unterstützt, jetzt hat sie die Seiten gewechselt ", sagt Bewohnerin Ellen.Seit acht Jahren lebt die Kommunikationsdesignerin mit ihrem Mann, einem Juristen, und ihren zwei Kindern in vier Wohnwagen auf dem unbebauten Grundstück auf dem Gelände Revaler Straße/Modersohnstraße. 30 Menschen, darunter zwölf Kinder und Jugendliche, wohnen dort wie auf einem Campingplatz: mit Solarstrom für Licht und Computer, zentralem Wasseranschluss, Miettoiletten. Geheizt wird mit Holz. Die Kinder gehen in umliegende Kindergärten und Schulen. "Wir könnten uns nicht mehr vorstellen, in einem Haus zu leben", sagt Ellen, die ihren Nachnamen nicht sagen will.Die Bewohner, darunter sind Ingenieure, Freiberufler, Tontechniker und Physiotherapeuten, haben keinen Mietvertrag, der Bezirk duldet sie auf dem Gelände. Bisher gab es mit diesem Status keine Probleme. Doch jetzt stellt die Linkspartei klar: "Das ist aber keine Duldung auf Ewigkeit", sagt Joachim Pempel, Bezirksverordneter der Linken im Bezirksparlament Friedrichshain-Kreuzberg und Vorsitzender des Ausschusses für Stadtplanung und Bauen. Dort haben die Fraktionen jetzt mehrheitlich dem Antrag von Linke und SPD zugestimmt, dass auf dem etwa 5 000 Quadratmeter großen Gelände der Wagenburg eine Sport- und Freizeitanlage gebaut wird. Das Vorhaben soll in die Investitionsplanung des Bezirkes ab 2011 aufgenommen werden. Am kommenden Mittwoch stimmen die Verordneten endgültig über das Projekt ab.Joachim Pempel sagt, neue Spiel- und Freizeitstätten werden im Boxhagener Kiez, einem beliebten Wohnviertel, dringend benötigt. "8 000 Menschen sind in den vergangenen Jahren dorthin gezogen, viele haben Kinder", sagt Pempel. Es fehle an Grünflächen und Spielplätzen. Darum müsse das Gelände nun bebaut werden, für die Bewohner der Wagenburg Laster & Hänger müsse man nach Ersatzflächen suchen.Dabei müsste Joachim Pempel eigentlich wissen, dass es Alternativstandorte in Friedrichshain gar nicht gibt. Schon vor fünf Jahren scheiterte der Bezirk, als er einen neuen Stellplatz für die ausrangierten Zirkus- und Bauwagen, sowie die beweglichen Unterkünfte für Büro und Sauna suchte. Schon damals gab es den Plan, auf dem Gelände Spiel- und Freizeitangebote zu schaffen. Der Senat hatte dafür eine Million Euro zur Verfügung gestellt. Doch vor allem die Grünen und die Linke, zusammen bilden sie die politische Mehrheit im Bezirk, steckten damals in einer schwierigen Situation: Sie wollten einerseits die Wagenburg als alternative Lebensform unterstützen und am Standort halten, andererseits auch die anderen Bewohner im Viertel nicht verärgern. Eine Untersuchung des Bezirkes hatte ergeben, dass es im Wohngebiet nur zehn Prozent der laut Norm erforderlichen Grünanlagen gibt. Trotzdem stoppte der Bezirk das Bauvorhaben, das Geld vom Senat wurde in anderen Gegenden eingesetzt. Die Wagenburg konnte bleiben.Dafür tritt Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) auch jetzt noch ein. "Das Wagendorf Hänger & Laster ist ein Beispiel für alternative Lebensformen, die ein guter Ausdruck für die Vielfalt unseres Bezirkes sind." Die Bewohner seien "in hohem Maße integriert", etwa durch Kindergarten und Schule. Schulz schlägt vor, andere Flächen im Viertel zu suchen, auf denen neue Spiel- und Sportplätze gebaut werden können.Nächsten Mittwoch um 17 Uhr wollen die Bewohner der Wagenburg und ihre Unterstützer im Bezirksamt in der Yorckstraße 4 gegen die Linkspartei protestieren. Es gilt als sicher, dass Linke, SPD, FDP und CDU der Beschlussempfehlung des Ausschusses folgen werden. "Es wird dann eine schmutzige Räumung geben", sagt Wagenburgbewohnerin Ellen.------------------------------Schönbohms harte LinieIm Jahr 1997 beschloss der Senat, für alle illegalen Wagenburgen keine Ersatzflächen zur Verfügung zu stellen. Der damalige Innensenator Jörg Schönbohm (CDU) wollte alle Rollheimer-Dörfer auflösen. Damals gab es zwölf Wagenburgen.Die jüngste Räumung liegt zwei Jahre zurück. Im Mai 2006 wurde die Wagenburg an der Margarete-Sommer-Straße in Prenzlauer Berg aufgelöst.Offizielle Angaben über Wagendörfer gibt es nicht. Bekannt sind: Schwarzer Kanal (Michaelkirchstraße, Mitte), Lohmühle (Lohmühlenstraße, Treptow), Pankgräfin (Pankgrafenstraße, Karow), Wagendorf Wuhlheide (Oberschöneweide). Weitere Wagen stehen in der Ratiborstraße und am Engeldamm (Kreuzberg), in der Rigaer Straße (Friedrichshain) und in der Köpenicker Straße (Mitte).------------------------------Foto : Warten auf Sonne: Wagenburg-Bewohner Max Weidling putzt den Schnee von seiner Solaranlage. Seit 2001 wohnt der Lasershow-Gestalter im Bauwagen.