Reiß dir zusammen, dit is hier n anschdenjet Theata", kriegt jener Zuschauer zugerufen, der mit einer Quietsch-Ratte seine Kumpels auf der Bühne begrüßt. Bevor es losgeht, werden erst einmal zwei Dinge klar gemacht: die Sitzordnung ("Zusammenrutschen! Ihr seid hier nich inna U-Bahn."), und Kontakte ("Wer kommt mit mir am Sonntag in die Picassoausstellung? Oder zu Newton? Oder ins Schwimmbad? Ick bin noch solo.")"Enge im Haus und im Sarg" heißt das Stück von dem 26-jährigen ausgebildeten Kirchenmusiker und Absolventen des Leipziger Literaturinstituts Kristof Magnusson. Es handelt sich um eine Art utopische Parabel. Ein schwarzes Märchen, das mit "Es wird einmal" anfangen könnte. Es gibt keine Tiere mehr im Land, das heißt, die Jäger haben viel Zeit, die sie mit Kaffee- und Biertrinken verbringen. Sie warten auf Markku, ihren Kollegen, der mit der Prinzessin in den Wald gegangen ist und später mit einem Beutel Lunge und Leber wiederkommt. Eben dieser Beutel klatschte einer Zuschauerin jedesmal an den Kopf, wenn Markku mit überdosiertem Schwung in den engen Zuschauerraum abging. Die schwer abgemagerte Königin und ihr Körper haben leicht Ordnung halten. "Es gibt nichts mehr zu töten, der Staat ist perfekt." Viel mehr ist von der Handlung nicht zu verstehen.Aber die ist auch nicht so wichtig. Worum es geht, erzählt der Trainer dem Jäger, gespielt vom weißmähnigen Heinz, der in Weisheit und Sorge Miraculix, dem Zauberer aus dem berühmten gallischen Dorf ähnelt: "Es ist die Geschichte vom Fleisch gewordenen Wollen und Nichtkönnen." Auf der Insel Mauritius lebte der truthahngroße, flugunfähige Dodo, der sich eines Tages entschloss, übergewichtig zu werden und zur Zeit der Fortpflanzung Senken und Mulden aufzusuchen, worin er saß und seine Brunstschreie ausstieß. Er ist ausgestorben. "Was mich immer wieder grübeln macht ist, dass eine ganze Art an Übergewicht ausstirbt, und daran, dass man sich nicht mehr versteht und immer nur ,Ficken ruft." Diese und einige andere Motive sind locker aneinander gereiht.Es ist sehr deutlich zu sehen, dass es den Leuten Spaß macht, auf der Bühne zu stehen. Die mehr oder weniger verhängten Augen blitzen vor Mühe und vor Selbstbewusstsein. Und es gibt Momente, in denen sich herausspielt, was man im Ausgebildeten-Theater selten erlebt, in denen die Wirklichkeit durchgelassen wird, ohne dass sie als dramaturgische Überraschung eingeplant ist.Nächste Vorstellungen: 18., 23., 25., 29. November, 20 Uhr, Volksbühne.