Uwe Zabel ist keiner, dem man leicht Angst einjagen kann. Aber seit einiger Zeit ist der stämmige Schleswig-Holsteiner verunsichert. "Es ist ziemlich schwierig, damit umzugehen", sagt der Elmshorner IG-Metaller. "Damit" sind Transparente gemeint, auf denen 10 000 Mark Belohnung dafür geboten werden, ihn zu töten. Die jüngsten Drohungen waren mit "ZOG" gezeichnet. Das Kürzel wird von der rechtsradikalen englischen Gruppe "Combat 18" verwendet und bedeutet "Zionistisch besetztes Gebiet". Uwe Zabel ist zur Hass-Figur der militanten Rechten und Skinheads geworden, weil er sich im April 1999 für den Schutz eines "Rock gegen rechts"-Konzerts stark machte. Die Veranstalter kamen auf die IG Metall zu, weil die NPD-Jugendorganisation eine Gegenkundgebung angemeldet hatte. Zabel wollte mehr als nur Flugblätter verteilen und mobilisierte die halbe Kleinstadt gegen die Rechten. Firmen und die SPD-Bürgermeisterin, Kirchen und türkische Vereine, Grüne und Gewerkschafter engagierten sich. Mit dem Messer bedrohtViele von ihnen sahen sich danach mit Einschüchterungsversuchen konfrontiert. Bei Bürgermeisterin Brigitte Fronzek brannte zu Hause eine Fußmatte. Im Fenster ihres Rathausbüros fand sich ein kreisrundes Loch, augenscheinlich von einem Schuss verursacht. Andere SPD-Politiker erhielten Drohbriefe. Bei der IG Metall in Elmshorn wurden seither neun Anschläge auf ihre Büros gezählt: Einbrüche, Schmierereien, Vandalismus. Zabel wurde von Skins observiert. Als er einen von ihnen stellen wollte, der ihn fotografierte, wurde er mit einem Messer bedroht.Zabel hat jetzt Personenschützer, die von der Gewerkschaft bezahlt werden. Die Polizei führt ihn in der "Gefährdungsstufe 5", was regelmäßige Streifen in der Nähe von Wohnung und Büro bedeutet. "Anfangs gab es noch harte Auseinandersetzungen in der Gewerkschaft, ob das überhaupt unsere Angelegenheit sein soll", erzählt Zabel, "aber jetzt stehen wir alle zusammen." Die gesamte IG Metall Küste unterstützt die Elmshorner. Der DGB-Nord fordert ein entschiedenes Vorgehen gegen Neonazis. Selbst Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) unterschrieb Aufrufe gegen rechts. "Die haben genau das Gegenteil von dem erreicht, was sie wollten", sagt Zabel, "wir lassen uns nicht einschüchtern." Aus demselben Kreis sollen auch jene kommen, die die Bundestagsabgeordnete Angelika Beer bedrohten. Die Grüne hatte sich für die Schließung des Skin-Treffpunkts "Club 88" in Neumünster ausgesprochen.Am Mittwochmorgen rückte auch die Polizei aus und durchsuchte acht Wohnungen von sechs Männern, die dem Kreis der rechten Tatverdächtigen zugeordnet werden. Sie waren im Dezember dabei überrascht worden, als sie Elmshorn mit "Juden raus!"-Plakaten zukleisterten. Computer, CD-ROMs und Schriftstücke wurden sichergestellt. Polizeisprecher Dieter Mumm schätzt, dass wohl "vieles von diesem Material in die Ermittlungsverfahren eingebracht werden" könne. Gegen die sechs wird wegen des Verdachts der Volksverhetzung, Bedrohung und Aufforderung zu Straftaten ermittelt. IG-Metall-Bezirksleiter Frank Teichmüller begrüßte die Durchsuchungsaktion. Zu lange seien die Elmshorner Kollegen "in ihrer Angst vor Neonazi-Angriffen allein gewesen".