Seine Entscheidung aus dem Herbst vergangenen Jahres wird Gerhard Frey inzwischen bitter bereut haben. Gegen den Willen des Landesverbandes setzte der allmächtige DVU-Vorsitzende damals den Verzicht seiner Partei auf eine Kandidatur bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 27. Februar durch. Die CDU schwamm noch auf einer Erfolgswelle, ein weiterer Wahlerfolg schien in weiter Ferne. Die DVU-Kassen hingegen waren nach dem teuren Landtagswahlkampf in Brandenburg leer. Mit mehr als zehn Millionen DM ist die Partei mittlerweile bei ihrem Parteichef verschuldet. Eine weitere Materialschlacht wollte Multimillionär Frey nicht finanzieren.Inzwischen stünden die Wahlchancen der DVU, die vor vier Jahren in Schleswig-Holstein immerhin 4,3 Prozent erzielte, nicht mehr so schlecht. Stattdessen aber hat der von Parteichef Frey durchgesetzte Wahlverzicht den Landesverband in eine tiefe Existenzkrise gestürzt. Der Landesvize Klaus Sojka und Parteichef Frey haben sich gegenseitig mit Parteiausschlussverfahren überzogen. Sojka warf dem DVU-Chef "schwere Schädigung des Ansehens der Partei" vor.Die Republikaner konnten nicht kurzfristig in die Bresche springen. Zu einer eilig einberufenen Landesversammlung waren nicht genügend Mitglieder erschienen, um eine Landesliste aufzustellen. So steht Ende Februar die neonazistische NPD als einzige rechtsextreme Partei auf dem Wahlzettel. Bislang gelang es ihr dort nicht, den Promillebereich zu verlassen.Antisemitische Untertöne Dabei bietet der CDU-Skandal DVU und Republikanern einen willkommenen Anlass, sich gegenüber der CDU als nationale Alternative zu profilieren. Als "ehrliche und unbestechliche" Partei für "rechtstreue Bürger" bietet Rep-Chef Rolf Schlierer seine Partei an. Freys "Nationalzeitung" fragt mit antisemitischen Untertönen sogleich, ob das Schwarzgeld der CDU von "Dunkelmännern des bundesdeutschen Großkapitals" stamme oder aus "jüdischen Kreisen".Von der Krise der CDU aber können die rechtsextremen Parteien nicht profitieren. "Keinen Zulauf" kann Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen bei den rechtsextremen Parteien erkennen. Der Unmut über die CDU schlägt sich in Wahlenthaltung nieder. Die bürgerliche Klientel, in der die Empörung über die schwarzen Kassen besonders hoch schlägt, gehört nicht zu den potenziell rechtsextremen Wählern. Das Thema "Ausländer", das diese mobilisiert, spielt derzeit keine Rolle.Vor allem aber liegt die deutsche Rechte selbst am Boden. Zerstritten, zersplittert und ohne zugkräftige Persönlichkeiten ist sie selbst für Protestwähler mit rechtsextremer Einstellung vollkommen unattraktiv.Nicht viel anders als in Schleswig-Holstein sieht es in Nordrhein-Westfalen aus. Dort hat die DVU zu Gunsten der Republikaner auf eine Kandidatur verzichtet. Auch die dortigen Reps sind heillos zerstritten. Im Herbst erst stürzte ein Landesparteitag nach monatelangen parteiinternen Intrigen die Landesvorsitzende Uschi Winkelsett, die gleichzeitig als geschäftsführende Bundesvorsitzende fungiert.Sehnsucht nach der Vereinigung Winkelsett hatte in NRW vergeblich versucht, die Linie des Parteichefs Schlierer durchzusetzen. Der drängt mittlerweile weitgehend erfolglos auf eine Abgrenzung gegenüber anderen rechtsextremen Parteien. Selbst Harald Neubauer ist wieder gern gesehener Gast auf Parteiveranstaltungen. Noch 1990 war der ehemalige Landeschef von Bayern vom damaligen Bundesvorsitzenden Franz Schönhuber wegen seiner Nähe zum Neonazismus aus der Partei ausgeschlossen worden.Mittelfristig bedeutet das rechtsextreme Stimmungstief jedoch keine Entwarnung. "Unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass die rechtsextremen Parteien von Parteienverdrossenheit und Finanzierungsskandalen profitieren", so der Berliner Parteienforscher Richard Stöss. Vor allem dann, wenn es den Mitgliedern gelingt, DVU und Republikaner zusammenzuführen.In beiden Parteien dominiert die Sehnsucht nach einer vereinigten Rechten. Klaus Sojka plädiert inzwischen genauso dafür wie etwa der hessische Rep-Vorsitzende Hans Hirzel. Die Landtagsfraktionen der Republikaner in Baden-Württemberg und der DVU in Sachsen-Anhalt und Brandenburg suchen längst die Zusammenarbeit. Nur es fehlt eine rechte Galionsfigur. Seit Schönhuber die Republikaner 1990 mit 7,1 Prozent ins Europaparlament führte, sind alle Möchtegern-Führer an ihrem eigenen Mittelmaß gescheitert.Achtung, Gegendarstellung am 12.2.2000