Es ist nicht einfach, ein Interview mit Anke Soltkahn zu machen. Die 61-Jährige will die Fragen, die sie beantworten soll, vorher kennen, denn sie muss diese mit Hamburg abstimmen. Beim Interviewtermin bittet sie dann um Verständnis, dass viele, vor allem wichtige Fragen unbeantwortet bleiben. "Ich bin nicht die Sprecherin der Partei, sondern der Aufbaukommission", sagt sie.Top-Thema: Innere Sicherheit Das ist enttäuschend. Denn die Partei, die sie aufbauen will, ist die Partei von Ronald Schill, die Partei "Rechtsstaatliche Offensive" aus Hamburg. Eine Law-and-order-Partei. Der ehemalige Richter Schill, der mit markigen Parolen Wahlkampf machte, wurde auf Anhieb Innensenator. Am Wochenende gründete er einen Landesverband in Sachsen-Anhalt. Jetzt will er nach Berlin. Anke Soltkahn und sechs weitere Anhänger organisieren die Gründung des Landesverbands. Frau Soltkahn, eine elegante Frau mit Wohnsitz unweit vom Kurfürstendamm, ist Sprecherin des Gründungskomitees. Mehr aber auch nicht, will sagen: Über Inhaltliches will sie nicht reden. Nur eins: "Ein wichtiges Thema ist die innere Sicherheit, denn sie ist ein Garant für wirtschaftliches Wachstum. " Das ist pauschal, doch Details gibt es keine.Frau Soltkahn überlegt, bevor sie spricht. Nachfragen werden mit Varianten des bereits Gesagten beantwortet. Der Rest bleibt vage. "Wir haben noch kein fertiges Programm für Berlin, aber es gibt viele Felder zum Angreifen: die rot-rote Regierung oder die verfehlte Wirtschaftspolitik. " Sie erwähnt das Benjamin-Franklin-Klinikum. Dem würde sie nicht den Uni-Status aberkennen, aber dann bremst sie sich sofort. "Wenn ich spreche, spreche ich für mich, nicht für die Partei. " Auf Nachbohren reagiert sie nervös, das Berliner Programm solle von den Mitgliedern entwickelt werden, wiederholt sie. Ihre Aufgabe sei eine andere. Ach ja, Vertreterin der Aufbaukommission.Rund 200 Mitgliedsanträge lägen aus Berlin bereits vor. Es sind Menschen, die sich an die Hamburger Zentrale der Partei gewandt haben, weil es noch keinen Berliner Verband gibt. Aufgenommen wird an der Alster - so lange, bis die Partei in der Hauptstadt offiziell installiert ist. Dafür werden 500 Mitglieder benötigt. 30 von ihnen bilden einen Ortsverband, drei Ortsverbände oder mindestens 100 Mitglieder einen Kreisverband, ab drei Kreisverbänden oder 500 Mitgliedern ist der Landesverband da. Dafür will Frau Soltkahn jetzt arbeiten - in enger Abstimmung mit Hamburg.In der Politik hat Anke Soltkahn Erfahrung. Von 1974 bis zum Januar dieses Jahres, also 28 Jahre lang, war sie CDU-Mitglied. 1977 begann ihre aktive Karriere als Politikerin; zunächst als Bürgerdeputierte, ab 1985 als Verordnete der Wilmersdorfer BVV, wo sie 1996 stellvertretende Fraktionsvorsitzende wurde. 1999 ging sie ins Abgeordnetenhaus, aus dem sie im vergangenen Jahr ausschied.Der Bankenskandal und die Verwicklung von Klaus Landowsky brachten die CDU zu Fall und ließen auch Anke Soltkahn über ihre Mitgliedschaft nachdenken. Der Umgang mit Problemen sei ein Grund gewesen, die CDU zu verlassen, sagt Soltkahn verklausuliert. Die Spendenaffäre? Nein, so will sie es nicht nennen. Sie schätze ja Landowsky, aber ob er alles richtig gemacht habe. Sie spricht nicht weiter. Auch die Frage, ob die Verjüngung der CDU-Fraktion ihr die Lust auf eine zweite Legislaturperiode geraubt habe, trifft höchstens mimisch auf Zustimmung. Eines aber will sie festhalten. Sie sagt: "Ich bin nicht im Zorn gegangen. " Ein halbes Jahr lang habe sie überlegt, ob sie der CDU den Rücken kehren soll. In dieser Zeit begann sie, sich für die Schill-Partei zu interessieren. Sie hat Familie und Bekannte in Hamburg. Im Sommer 2000 wandte sie sich direkt an den Parteivorsitzenden, um zu wissen, was sich hinter der "Rechtsstaatlichen Offensive" verbirgt. "Und das fand mein Interesse. " Nachdem sie im Januar ihr CDU-Parteibuch zurückgegeben hatte, wurde es Ernst. Sie kam ins Aufbau-Gremium der Schill-Partei Berlin und wurde von der Hamburger Zentrale vor einer Woche zu dessen Sprecherin berufen. "Das sind erst fünf Tage, alles ist noch ganz frisch", sagt sie. Frau Soltkahn, die von Beruf Hausverwalterin ist, wirkt fröhlich, ja entspannt, wenn sie von der Aufbau-Arbeit erzählt. Sie sitzt im Wintergarten ihrer Wohnung zwischen unzähligen zimmerhohen Pflanzen, die ihr Hobby sind.Arbeitskreise noch ohne Themen Eine "Herausforderung" nennt sie die neue Aufgabe. Ehrgeiz, selbst ein Parteiamt zu übernehmen, nimmt sie aber nicht für sich in Anspruch. "Wenn wir in fünf Jahren Wahlen in Berlin haben, freue ich mich, wenn ich etwas für die Jugend aufgebaut habe. " Viele junge Leute stellten Anträge auf Mitgliedschaft in der Schill-Partei. Ein paar kämen aus der CDU, SPD oder FDP, aber die Mehrheit der Interessenten seien nie Mitglied einer Partei gewesen. Die Mitglieder sollen animiert werden, sich in die Schill-Partei einzubringen. Dazu werden eine Menge Arbeitskreise gebildet, kündigt sie an. Zu welchen Themen? "Das kann ich jetzt noch nicht sagen", antwortet Frau Soltkahn, "das weiß ich Ende nächster Woche. " Vermutlich, wenn Hamburg grünes Licht gegeben hat."Ich bin nicht Vertreterin der Partei, sondern ihres Aufbaus in Berlin. " Anke Soltkahn vom Gründungskomitee der Schill-Partei