Ein junger Mann, Dreitagebart, das weiße Hemd halb aufgeknöpft, mit hellen Locken und von der Spätsommersonne gebräuntem Gesicht, blickt eindringlich in die Kamera. Hinter ihm erstreckt sich nur Feld, ein typisch ländliches Panorama Spaniens. Der Kriegsreporter Hans Gutmann fotografierte im August 1936 den soeben festgenommenen Priester und Kampfgefährten der Republikaner im provinziellen Siétamo. Kurz danach wurde der Interbrigadist durch Einheiten der Militärjunta Francos hingerichtet.Nicht zufällig dient das Willy-Brandt-Haus als Ausstellungsort für die Fotoschau "Vom Spanischen Bürgerkrieg zum Zweiten Weltkrieg". Der Altbundeskanzler, geborener Herbert Karl Frahm, wirkte unter dem Tarnnamen Willy Brandt als Korrespondent auf Seiten der linken Milizen. Für die Sozialistische Arbeiterpartei (SAP) ging er als Verbindungsmann für einige Monate nach Barcelona.Vor siebzig Jahren, 1939, endete der Spanische Bürgerkrieg, bei dem Deutsche auf beiden Seiten kämpften. Auch die Ausstellung ist zweigeteilt: links Fotos von den Kämpfern für die Republik, rechts Bilder von den Faschisten. Dementsprechend sind die weitgehend unbekannten Schwarz-Weiß-Fotografien im Ausstellungsforum positioniert.Der Kampf der linken Truppen erscheint in Bildern des deutschen Fotografen Hans Gutmann (1911-1982), der nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nach Spanien emigrierte und dort in die republikanische Armee eintrat. Er begleitete die Internationalen Brigaden, die sich überwiegend aus Intellektuellen, meist politischen Flüchtlingen zusammensetzten, und dokumentierte die Ereignisse, von Francos Putsch bis hin zum Rückzug der antifaschistischen Bataillone.Fast wirken die festgehaltenen Szenen abstrus, fragil die Momentaufnahmen: Männer, Frauen und Jugendliche, die neben Mitgliedern der Guardia Civil den Bau von Straßensperren improvisieren; ein Bauer, der an die Front zieht, mit Schiebermütze und in Galoschen; sinnbildlich ein Porträt des Schriftstellers Ludwig Renn, fotografiert mit Brille und in Wollmantel, ein Gewehr geschultert - viel zu schwer für die schmale, vergeistigte Gestalt. Im Norden Spaniens wird Gutmann Zeuge der militärischen Operationen der Franco-Truppen, macht Bilder von zerstörten Stadtteilen und Erschossenen.Im rechten Ausstellungskomplex: Aufmarsch von Rechts - Formation, Hitlergruß, Strammstehen. Zu sehen sind Fotos aus dem spanischen Pressearchiv EFE, zum Beispiel Soldaten der deutschen Luftbrigade "Condor", auf einem "Kraft-durch-Freude"-Kreuzer, der sie nach dem Angriff auf Guernica zurück in die Heimat bringt. Andere Bilder zeigen die Ankunft des spanischen Infanterieregiments "Blaue Division" in Berlin. Unter der Führung der deutschen Wehrmacht nahm sie am Russlandfeldzug teil. Damit revanchierte sich Franco für Hitlers glorreiches Eingreifen in Spanien. Ein anderes Bild zeigt den General, wie er den Mercedes bestaunt, den Hitler ihm als Geschenk übermittelt hat.Erstmalig veröffentlicht sind auch die manipulierten Bilder vom Treffen zwischen Hitler und Franco in Hendaye 1940. Beide Diktatoren wurden aus einer anderen Aufnahme herausgeschnitten und auf das Original geklebt - vermutlich mit der Absicht, kleine Unstimmigkeiten auszumerzen. Auf einem der Originale hatte Hitler etwa die Augen halb geschlossen.Dem Spanischen Bürgerkrieg fielen 600 000 bis 800 000 Menschen zum Opfer, davon mehr als die Hälfte Zivilisten. Nach seinem Sieg ließ Franco zehntausende Anhänger der republikanischen Seite ermorden. Nur wenige konnten sich über die Grenzen retten. Und in Frankreich drohte nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht die Gefahr von Gefangenschaft und Deportation.Unerbittlich verfolgte das Regime Francos seine politischen Gegner, die Menschen, die Hans Gutmann mit seiner Kamera porträtierte - Intellektuelle oder Künstler, Schriftsteller oder Journalisten. Die meisten der Widerstandskämpfer, die kurz nach Ende des Spanischen Bürgerkriegs in die Hände der franquistischen Militäreinheiten fielen, wurden sofort erschossen.Andere wurden von Hitler an Franco ausgeliefert, gefoltert oder in deutsche Konzentrationslager verschleppt. Gutmanns fotografischen Zeugnisse zeigen ganz deutlich, wer auf Seiten der Republikaner mit in den Krieg zog. Die Interbrigadisten trugen keine Uniformen und fast keiner hatte je vorher eine Waffe abgefeuert, geschweige denn eine Kampfausbildung gemacht. Sie waren keine Soldaten.Willy-Brandt-Haus, Stresemannstraße 28 (Kreuzberg), bis 3. April. Di-So 12-18 Uhr, Eintritt frei, Personalausweis erforderlich.Kino Babylon, Rosa-Luxemburg-Straße 30 (Mitte), bis 1. April: Filmreihe "70 Jahre später. Das Ende des Spanischen Bürgerkrieges."------------------------------Foto: Die siebzehnjährige Marina Ginestà posiert auf dem Balkon des Hotels Colon in Barcelona. Hans Gutmann fotografierte die Milizionärin im Juli 1936.