Frau Hagen, Sie geben am Sonnabend im Rahmen des ersten Berliner Yoga-Festivals ein Mantra-Konzert. Was darf man sich darunter vorstellen?Ich werde nicht nur Mantras singen, sondern ganz traditionelle indische Lieder. Songs, die jedes Kind in Indien mitsingen kann. Das ist also so eine Art indische Gospelmusik, die ich aufführen werde. Die Musik ist umwerfend, die ist so rhythmisch und hat so schöne Klänge, auch wegen der uralten traditionellen Instrumente, die wir auf die Bühne schleppen werden.Betreiben Sie eigentlich Yoga?Schon seit ich zwölf Jahre alt bin und angefangen habe zu überlegen, ob es einen Gott gibt. Da fing mein bewusstes Yoga an.Ich dachte eher so an das gängige Yoga auf der Matte.Na ja, in meinem Verständnis - und ich war ja schon oft im Aschram in Indien - gibt es doch ganz verschiedene Formen von Yoga. Und natürlich habe ich auch in Indien bei einem uralten, aber wahnsinnig jung aussehenden Yogameister schon das ganz normale Hatha Yoga gemacht. Sogar mit Nasendurchblasen.Wie bitte?Ja, da jagt man sich so komische Gummischlangen durch die Nase, und die holt man durch den Mund wieder raus.Upps.Genau das haben wir alle aus dem Westen uns auch erst gedacht. Aber das ist ganz toll, der ganze Schleim kommt da raus.Praktizieren Sie denn noch ab und zu das physische Yoga in Berlin?Das ganze Leben ist doch Yoga. Ihr's doch auch. Ob Schlafen oder Denken, man muss nur geduldig Lebenserfahrung sammeln, um das zu begreifen. Wie gesagt. Yoga ist nicht nur die Bewegung, sondern es ist das Bedürfnis eines jeden Menschen, sich körperlich und seelisch wieder daran zu erinnern, dass der menschliche Körper eigentlich göttlich ist. Und dass die Erfahrungen, die wir machen, göttlich sein können. Yoga praktizieren heißt für mich, dass ich im Schneidersitz sitze und Harmonium spiele und mich in die Lieder vertiefe. Aber Yoga praktizieren können sie auch beim Abwaschen.Wie wäscht man denn im Geiste des Yoga ab?Ganz einfach. Indem man dabei singt oder betet.Auf dem Festival wird auch ein Film von Ihnen mit dem Titel "Om Gottes Willen" gezeigt. Um was geht's da?Im Großen und Ganzen um einen Yogalehrer namens Babaji, einen Botschafter der göttlichen Harmonie. Der hat gepredigt, dass alle Religionen gleichwertig sind und man der Religion seines Herzens folgen soll, und dass wir uns nicht gegenseitig bekehren sollen.Sie sind ja schon sehr lange auf einem spirituellen Trip. Freuen Sie sich, dass Ihnen immer mehr Berliner nacheifern?Nun ja. Es ist ja eine uralte Sehnsucht, die Wahrheit zu entdecken. Da geht halt jeder kleine Mensch seinen eigenen kleinen Weg, um mit Gott von du zu du zu sprechen. Und da ist es doch schön, wenn man auch in die Mysterien von anderen Religionen mal hineinschauen darf.Aber freuen Sie sich nicht, dass Ihre Predigten scheinbar erhört wurden?Ich predige nicht. Ich renne ja auch nur Petri hinterher. Ich habe auch den ganzen Tag am Fernseher gesessen und dem Papst zugeguckt. Ich fand das einen wirklich großen spirituellen Moment, das war doch super toll. Wen das noch nicht berührt, der hat noch nicht angefangen, Gott zu suchen.Yoga und der Papst - passt das denn zusammen?Der Osten gibt uns das Geschenk des Yoga und der Westen das des Jesus Christus. Und nun vereint sich das alles, auch musikalisch. Amen.Das Gespräch führte B. Strohmaier.------------------------------Foto: Nina Hagen (50) interessiert sich leidenschaftlich für Indien. Das hört man etwa auf ihrer CD "Om Namah Shivay" - und am Namen ihrer Tochter Cosma Shiva, die sie nach dem Hindu-Gott Shiva genannt hat.

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