SCHÖNEBERG. Die Dachkonstruktion ist schon abgebaut, Wandbilder und Skulpturen sind im Depot verschwunden: Die Restaurierung des denkmalgeschützten Ensembles Königskolonnaden im Kleistpark an der Potsdamer Straße hat begonnen. Eine riesige Plane verdeckt die sechzig Meter lange und neun Meter hohe nördliche Kolonnade. Unter der schützenden Hülle machen sich Steinmetze und Restauratoren daran, das durch Feuchtigkeit und Pilzbefall geschädigte spätbarocke Bauwerk wieder herzurichten. Der Schaden ist beträchtlich. Große Risse durchziehen den Sandstein, es bröckelt überall.Gestern kam die Zusage von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, sich in diesem Jahr mit 100 000 Euro an der Sanierung zu beteiligen. Diese Summe fehlte noch zur Finanzierung der Arbeiten an der Nordkolonnade. Mindestens 740 000 Euro mussten zusammengebracht werden, damit die Dachkonstruktion, die immer wieder Feuchtigkeit einließ, erneuert werden kann. Auch schadhafter Sandstein, beschädigte Stuck- und Steinflächen sowie Skulpturen werden repariert, sagt Architekt Thomas Tritschler von der Firma Pitz & Hoh, einem der an der an den Arbeiten beteiligten Unternehmen. Die Königskolonnaden gehören zu den bedeutendsten Berliner Bauwerken aus der Übergangszeit von Rokoko zum Klassizismus. Seit ihrem Umzug vor mehr als 90 Jahren vom ursprünglichen Standort nahe des Alexanderplatzes bilden sie das glanzvolle Entree in den Kleistpark, eine der wenigen Grünflächen im dicht besiedelten Schöneberger Norden.Weil sowohl das Land Berlin als auch der Bezirk Tempelhof-Schöneberg nicht genug Geld hatten, um die Sanierungskosten von insgesamt zwei Millionen Euro allein zu bezahlen, wurden Spender und Sponsoren gesucht. 30 000 Euro kamen allein durch Spendenaktionen in Schöneberg zusammen, etwa bei sommerlichen Jazzkonzerten im Kleistpark. Voraussichtlich bis zum September werden die Arbeiten an der Nordkolonnade dauern. Doch dann ist erst die eine Hälfte des Bauwerks repariert. Finanziell noch nicht gesichert ist der Fortgang der Arbeiten an der Südkolonnade. Geplant ist, schon im Herbst dieses Jahres dort mit der Restaurierung zu beginnen, sagt Bauleiter Andreas Spieß. Ein Jahr später sollen die Außenanlagen gestaltet werden. Dafür werden insgesamt noch rund 1,35 Millionen Euro gebraucht. Förderanträge bei verschiedenen Stiftungen sind gestellt, auch auf die erneute Hilfe des Landesdenkmalsamtes wird gehofft.------------------------------Bröckelnde Schönheit // Der Bau: Die Königskolonnaden wurden 1777 bis 1780 von Carl von Gontard gebaut. Sie wurden aus gelbem Seehausener Sandstein errichtet und standen eingangs der Stadt an der Königstraße nahe dem Alexanderplatz.Der Umzug: Wegen der Errichtung des Warenhauses Wertheim und der damit einhergehenden Verbreiterung der Königstraße mussten die Kolonnaden 1910/11 weichen. Sie kamen in den neu angelegten Heinrich-von-Kleist-Park in Schöneberg. Die Schäden: Bereits in den Jahren 1979 bis 1981 wurden die Kolonnaden saniert. Seitdem sind durch bauliche Mängel an der Dachhaut und Regenrinnen erhebliche Nässeschäden aufgetreten. Diese haben Sandstein und Putz zum Bröckeln gebracht.Die Kosten: Für den ersten Bauabschnitt (Nordkolonnaden) zahlten u.a. die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (384 000 Euro), die Stiftung Denkmalschutz (100 000 Euro) sowie Land und Bezirk (250 000 Euro).------------------------------Foto: Kalter Arbeitsplatz in der Höhe: Steinmetze bessern am nördlichen Teil der Königskolonnaden schadhaften Sandstein aus.------------------------------Foto: Der Zettel bedeutet: Dieser Kopf ist schadhaft und wird demontiert.