Die Schauspielerin hat sich schon öfter in den USA unbeliebt gemacht - jetzt will sie auf Bustour gegen den Irakkrieg gehen: Jane Fondas Weg

Dieses Mal reichte schon die Ankündigung. Am 23. Juli hat Jane Fonda ihre Pläne öffentlich gemacht, gemeinsam mit Kriegsveteranen auf einer Bustour durch die USA gegen den Irakkrieg zu protestieren. Seitdem brechen Beschimpfungen und Beleidigungen über sie herein. Die Oscar-prämierte Filmschauspielerin, ehemalige Fitness-Göttin und Ex-Ehefrau des CNN-Gründers Ted Turner sorgt auch im Alter von 68 Jahren für Kontroversen. Während das liberale Amerika und Frauenverbände sie verehren, ist Fonda für konservative Kolumnisten und Veteranengruppen bis heute ein Hassobjekt. Internetseiten zeigen sie hinter Gittern oder als Schlange, und man kann auf sie schießen. Sticker für Männerpissoirs zeigen sie in Aerobic-Pose mit gespreizten Beinen. Jane Fonda, so der Vorwurf, habe in der Zeit des Vietnamkrieges gemeinsame Sache mit dem Feind gemacht und Landesverrat begangen. Anfang der 1970er-Jahre wurde in nur zwei Jahren aus der jungen Schauspielerin und Tochter des Filmstars Henry Fonda "Hanoi Jane".Die Zeit des Aufbruchs in den Sixties, die Bürgerrechts-, Studenten- und die beginnende Frauenbewegung, war an Fonda fast spurlos vorübergegangen. Sie lebte mit ihrem französischen Ehemann, dem Regisseur Roger Vadim, in Paris. Als leicht beschürzte Heldin des Science-Fiction Films "Barbarella" wurde Fonda 1968 zum Sexsymbol und Pin-Up Girl. "Ich dachte, Frauen könnten keine Veränderungen bewirken, außer Bettwäsche wechseln", beschrieb sie später diese Zeit.Doch aus der zunehmend interessierten Beobachterin der politischen Ereignisse wurde nach ihrer Rückkehr in die USA im Frühjahr 1970 eine Aktivistin. Sie reiste durchs Land und kämpfte für die Rechte von Frauen und Indianern, unterstützte die Black Panthers und war aktiv in der Anti-Vietnam-Bewegung. Mit Schauspielerkollegen wie Donald Sutherland organisierte Fonda 1971 eine Alternative zu den offiziellen Unterhaltungsshows der Armee. Die F. T. A. ("Free Theater Association", "Free the Army" oder auch: "Fuck the Army") machte mit populären Shows Station in der Nähe von amerikanischen Militärstützpunkten im In- und Ausland.Schnell geriet sie ins Visier der Bundespolizei FBI, die unter ihrem berüchtigten Direktor J. Edgar Hoover die Bekämpfung jeglicher oppositioneller - meist gleichgesetzt mit "kommunistischer" - Umtriebe auf ihre Fahnen geschrieben hatte. Fonda wurde seit März 1970 observiert, und ihr Telefon wurde abgehört. Um sie in der Öffentlichkeit zu diskreditieren, wurde sie ein halbes Jahr später im Flughafen von Cleveland wegen angeblichen Drogenbesitzes festgenommen. Tatsächlich hatte Fonda nur Vitaminpillen dabei. In dieser Zeit lernte sie den Studentenführer Tom Hayden, eine Art amerikanischer Rudi Dutschke, kennen, den sie im Januar 1973 heiratete. Gemeinsam mit Hayden organisierte Fonda die "Indochina Peace Campaign" (IPC), um die Öffentlichkeit über Südostasien und den Krieg der Nixon-Administration in dieser Region zu informieren.Jane Fondas zweiwöchige Reise nach Nordvietnam vom 8. - 22. Juli 1972 ist eines der weniger wichtigen Ereignisse des Vietnamkriegs. In über 20 von Radio Hanoi während ihrer Reise ausgestrahlten Reden kritisierte Fonda den amerikanischen Krieg gegen Vietnam aufs Schärfste, protestierte gegen die Bombardierung der Deiche durch amerikanische Bomber und appellierte an ihre Zuhörer, darunter amerikanische Kriegsgefangene, nicht mehr mitzumachen: Die USA begehe Kriegsverbrechen in Vietnam, so Fonda. Sie verglich Nixon mit Hitler und warf ihm Genozid am vietnamesischen Volk vor. Während ihrer Reise kam es zu einem Treffen mit amerikanischen Kriegsgefangenen. Aber dieses Treffen und auch Fondas überzogene Vorwürfe gegen Nixon sind nicht die Gründe, deretwegen ihr Besuch bis heute Schlagzeilen macht.Kurz vor Ende ihrer Reise stand die Besichtigung einer kleinen Militäranlage auf dem Programm. Nachdem die vietnamesischen Soldaten ihr zu Ehren ein Lied gesungen hatten und Fonda als Dank ein bereits vor ihrer Reise gelerntes vietnamesisches Lied sang, passierte es: Umringt von den Soldaten setzte Fonda sich hinter ein Flugabwehrgeschütz, mit dem sonst amerikanische Flugzeuge beschossen wurden. Fotos zeigen sie lächelnd, mit einem Militärhelm auf dem Kopf. In ihrer kürzlich erschienenen Autobiografie schreibt Fonda, dass ihr schon im nächsten Moment bewusst wurde, welche Wirkung diese Fotos haben könnten. Sie habe ihre Gastgeber gebeten, sie nicht zu veröffentlichen. Schon angesichts der anwesenden internationalen Pressevertreter war das eine illusorische Vorstellung.Kaum wurden diese Fotos abgedruckt, hagelte es Kritik in der US-Presse, in Leserbriefen und vom US-Außenministerium. Fonda, so der Vorwurf, sei eine Marionette kommunistischer Propaganda und mache mit dem Feind gemeinsame Sache. Zum ersten Mal wurde sie jetzt als "Hanoi Jane" beschimpft. Im Landesparlament von Colorado wurde eine Resolution diskutiert, sie zur unerwünschten Person zu erklären. In Maryland wollte der Abgeordnete William Burhead zwar nicht die Todesstrafe für Fonda fordern, "aber ich denke, wir sollten ihr die Zunge herausschneiden, damit sie ihren Mund hält." Kongressabgeordnete forderten, sie wegen Hochverrats vor Gericht zu stellen, und selbst dem französischen Regisseur Jean-Luc Godard war eines der Fotos aus Nordvietnam Anlass für eine Art offenen Brief in Filmform an Fonda (Lettre à Jane, 1972).Ein Ausschuss des Repräsentantenhauses, der die Aufdeckung kommunistischer und subversiver Aktivitäten zum Ziel hatte, führte im September 1972 Anhörungen gegen Fonda durch. So war die international bekannte Schauspielerin ohne Genehmigung in ein Land gereist, mit dem sich die USA im Krieg befanden. Da die vietnamesischen Behörden ihren Reisepass aber nicht gestempelt hatten, konnte Fonda der Verstoß gegen die Passbestimmungen nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Fotos und ihre Radioansprachen reichten als Beweismittel nicht aus.Bei den Anhörungen ging es auch darum, ob Fonda sich mit ihren Radioansprachen der Aufwiegelung oder des Landesverrats schuldig gemacht hatte. Ein Experte für psychologische Kriegsführung verglich Fondas Aussagen mit den Lügen von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. Mit ihrer Propaganda habe sie die Soldaten tief ins Mark getroffen, mit möglicherweise traumatischen Folgen für die Männer. Doch trotz Unterstützung durch das Justizministerium und das FBI reichte die Beweislage wiederum nicht aus. Zwar stand zweifelsfrei fest, dass sie in Nordvietnam gewesen war, dort Aufnahmen für Radio Hanoi gemacht hatte, die von amerikanischen Soldaten gehört worden waren und in denen sie Kritik an dem Krieg gegen Vietnam geübt hatte. Doch um jemanden wegen Landesverrats zu verurteilen, verlangt die US-Verfassung entweder ein Geständnis (das Fonda nicht bereit war zu machen) oder zwei Zeugen für die strafbare Handlung (in diesem Falle Aufnahme und Ausstrahlung der Radiosendungen), die es nicht gab.Fonda bemühte sich später auf verschiedene Weise, die Wunden zu heilen. In dem von IPC produzierten Hollywoodfilm "Coming Home" spielte sie die Ehefrau eines in Vietnam kämpfenden Offiziers, die sich für Veteranen engagierte und einen traumatisierten und bitteren Kriegsversehrten in einen mitfühlenden und politisch engagierten Menschen verwandelte. 1979 erhielt sie dafür ihren zweiten Oscar als beste Schauspielerin. Neun Jahre später äußerte sie erstmals Worte des Bedauerns an die Vietnamveteranen und entschuldigte sich bei ihnen. Sie traf sich auch persönlich mit Veteranen und verteidigte ihr Engagement in der Antikriegsbewegung und ihren Besuch Nordvietnams, doch sie gab zu: "Ich werde bis ins Grab die Fotografie bereuen, die mich in einem Flugabwehrgeschütz zeigt, die aussieht, als wollte ich amerikanische Flugzeuge abschießen." Sie selbst schließt heute nicht aus, dass ihre Gastgeber in Nordvietnam wissentlich ihre Naivität ausnutzten, um ein solches Foto zu bekommen.Viele ihrer Kritiker ließen sich nicht besänftigen: "Ich vergebe ihr, wenn die Juden Hitler vergeben", lautete eine der Reaktionen. Es folgten immer wieder neue Hasstiraden von Konservativen und besonders von Veteranen, die Boykottkampagnen etwa gegen Fondas Fitnessvideos organisierten. An den Ständen der Veteranen in der Nähe des Vietnamdenkmals in Washington kann man weiterhin "Hanoi Jane"-Aufkleber kaufen. Und bis heute zirkuliert die längst widerlegte Behauptung, die amerikanischen Kriegsgefangenen, die sie in Vietnam traf, seien schwer gefoltert worden und einige sogar an den Folgen gestorben.Die vielen Wunden des Vietnamkrieges, der die Vereinigten Staaten tief spaltete, sind noch immer nicht verheilt. Im letzten Präsidentschaftswahlkampf waren der Kriegseinsatz des demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry und sein späterer Protest gegen den Krieg ein heißes Thema. Um Kerry zu diskreditieren, wurde auch ein gefälschtes Foto lanciert, das ihn gemeinsam mit Fonda bei einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg zeigte: "Hanoi Jane" und "Hanoi John", wie auf T-Shirts und Stickern zu lesen war.Bis heute dient Jane Fonda immer wieder als eine Art Blitzableiter für einen unverarbeiteten Krieg. In den Augen vieler Veteranen und ihrer Familien verkörpert sie all das, was in jenen Jahren falsch lief in Amerika: Sie war Teil der Antikriegsbewegung, die angeblich den kämpfenden Soldaten in den Rücken fiel. Mehr noch: Sie zeigte ihre Solidarität mit dem Feind, saß sogar in einem Flugabwehrgeschütz und tat so, als schieße sie amerikanische Flugzeuge ab. In Radioansprachen nannte sie ihre Landsleute Kriegsverbrecher und verglich ihre Taten mit denen der Nazis. Das galt als ultimativer Verrat. Außerdem war Fonda eine äußerst attraktive junge Frau, die Schauspielerin, die "Barbarella" gespielt hatte, die für viele ein Sexsymbol war, und deren Pin-up Bild einige der Soldaten sogar in Vietnam bei sich trugen. Das verstärkte noch das Gefühl des Verrats und der Zurückweisung. Mit all dem, was sie getan hatte, hatte sie in den Augen ihrer Kritiker nicht nur Amerika verraten, sondern auch ihr Geschlecht. Statt eine Krankenschwester, eine Heilerin zu sein, tötete sie symbolisch ihre Landsleute. Und während Fonda innerlich und äußerlich scheinbar unbeschädigt aus dem Konflikt hervorging und eine Vielzahl von Ehrungen bekam, kehrten viele der Soldaten physisch und psychisch beschädigt zurück. Aerobic machte Fondas Körper noch perfekter, während verstümmelte Veteranen auf ewig gezeichnet waren.Mit ihrer Ankündigung, öffentlich gegen den Irakkrieg Stellung zu beziehen, hat Fonda ihren Gegnern neue Munition gegeben. Aber sie ist bereit, die Anfeindungen durchzustehen. Ihr Ex-Mann Tom Hayden fällt deshalb ein ganz besonderes Urteil über Jane Fonda: Dafür muss man sie einfach lieben.------------------------------Foto (2): Die Wunden sind nicht verheilt: An den Ständen der Veteranen in der Nähe des Vietnamdenkmals in Washington kann man noch heute "Hanoi Jane"-Aufkleber kaufen.Juli 1972 in Vietnam: Lächeln, mit einem Militärhelm auf dem Kopf setzt Jane Fonda sich hinter ein Flugabwehrgeschütz, mit dem sonst amerikanische Flugzeuge beschossen wurden. In den USA hagelt es Kritik.