Stenotypistin sollte sie, Sängerin wollte sie werden. Am Ende wurde sie Schauspielerin. Magda Schneider, die in über 70 Filmen mitwirkte, ist am vergangenen Dienstag im Alter von 87 Jahren gestorben.Die Tochter eines Installateurs wurde am 17. Mai 1909 in Augsburg geboren. "Das beste von Augsburg war der Schnellzug nach München", heißt es in ihren Erinnerungen. Ihr erstes Engagement erhielt sie jedoch in Ingolstadt, als zweite Soubrette. Erst dann kam München, wo sie im Theater am Gärtnerplatz als Prinzessin Mi in Franz Lehars Operette "Land des Lächelns" brillierte. Bei einem Gastspiel wurde sie für den Film, das Medium des Lächelns, entdeckt.Hier spielte sie zeitlebens zwei Rollen. Die erste war das süß-naive Mädel, das fesche Herzerl. Als solches trat sie erstmals 1931 in dem Ufa-Film "Zwei in einem Auto" auf, am überzeugendsten dann 1933 in Max Ophüls' Filmversion von Schnitzlers "Liebelei". Den Part variierte sie fortan im Kino wie im Leben. Der süße Fratz wurde zu einem Star der Vorkriegszeit und zusammen mit ihrem Partner Wolf Albach-Retty das Traumpaar des deutschen Films. Acht Filme drehten die Beiden, und 1937 gaben sie sich auch privat das Jawort. 1945 war alles zu Ende: der Krieg, die Ehe, die Mädel-Karriere.Der 13. Juli 1953 wurde dann zum großen Wendepunkt in Magda Schneiders Leben. In "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" spielte sie erstmals die warmherzige, verständnisvolle Mutter - die andere charakteristische Rolle ihrer Schauspielerkarriere. Da man für ihre Filmtochter einen flotten Teenager suchte, überredete sie der Regisseur Hans Deppe, es doch mit der eigenen zu versuchen. "Jetzt zieh' dich hübsch an und komm' nach München", telegrafierte die Mutter. Rosemarie Magdalena Albach kam - und spielte alle, die Mutter inbegriffen, an die Wand. Ein neuer Mythos war geboren: Romy Schneider. Und die Mutter strickte eifrig daran mit. Sie stellte sich ganz in Romys Dienst, gemeinsam mit Ehemann Nummer zwei, dem schwerreichen Hotelier Hans Herbert Blatzheim. Romy spielte den Wildfang wie einst die Mama. Die wurde auch im Film Romys Mutter. Bis 1958 drehten die beiden acht Filme zusammen: "Mädchenjahre einer Königin", "Die Deutschmeister" und immer wieder "Sissi". Dann aber floh die Tochter vor ihrem Image und der mütterlichen Obhut in die Arme Delons und in den französischen Film.Es war das Ende von Magdas Karriere. Ohne Tochter war die Mutter nicht gefragt. 1961 drehte sie ihren letzten Film "Verdammt die jungen Sünder nicht". Den Titel ignorierte sie, verdammte Delon, den jungen, und Visconti, den alten Sünder, der aus der Tochter machte, was sie selbst nie war: eine ernstzunehmende Schauspielerin.Nach wie vor pflegten Mutter und Tochter ein inniges Verhältnis. Romy stand zu ihrem "Mammerle", Magda zu ihrem "Mauserle". Doch Mammerl ließ das Mausen nicht und spielte in aller Öffentlichkeit die Mutterrolle beherzt weiter. Sie machte die nächtlichen, verzweifelten Anrufe der Tochter publik und klärte die deutschen Zeitungsleser über Romys Trauer nach dem Unfall ihres 14jährigen Sohnes David auf. Und unmittelbar nach Romys Tod schrieb sie 1982 exklusiv für die "Bild"-Zeitung die Serie "Leb' wohl, Romy". Der Beginn einer wahren Schlammschlacht.Hildegard Knef wußte von einer ganz anderen Lebensgeschichte zu berichten. In der tauchte Magda als Rabenmutter auf. "Ihr Benehmen ist peinlich, Frau Knef!" konterte die Gescholtene in einem offenen Brief: "Möge Ihnen Romy den Schmutz, den Sie über uns ausschütten, verzeihen."Am Ende wurde es still um Magda Schneider. Mit ihrem dritten Mann, dem Kameramann Horst Fehlhaber, lebte sie zurückgezogen in ihrem Haus Mariengrund am Königssee bei Berchtesgaden, das sie sich von ihren ersten Gagen gekauft hatte. Neben den Schicksalsschlägen erlitt sie zwei Herzinfarkte und einen Schlaganfall, am Ende erblindete sie. Der Tod kam schnell, nach Angaben enger Verwandter ist sie friedlich eingeschlafen. Nun tritt ein, was sie schon in "Liebelei" als blutjunges Ding zu sagen hatte: "Ewig - das ist noch ein wenig länger als das Leben." +++