BANGKOK. Noch ist sie nicht im Amt, doch ein zugkräftiges Thema hat Thailands designierte Premierministerin Yingluck Shinawatra schon gefunden: "Ich glaube, es ist eine gute Zeit für Investitionen aus dem Ausland", sagte die 44-Jährige kurz nach ihrem Wahlsieg Anfang Juli, "ich bin sehr dafür, Thailand attraktiver zu machen".Aber Shinawatra, die heute vom Parlament zur ersten Ministerpräsidentin des südostasiatischen Königreichs gewählt werden soll, tritt ein schwieriges Erbe an. Das legt eine Presseerklärung der deutschen Botschaft in Bangkok nahe. Im Zusammenhang mit dem Streit um das in München gepfändete Flugzeug des thailändischen Thronfolgers Kronprinz Maha Vajiralongkorn hatte Berlin die Regierung in Bangkok öffentlich gemahnt, möglichst bald ausstehende Zahlungsverpflichtungen in Höhe von 30 Millionen Euro an die Insolvenzverwalter des deutschen Bauunternehmens Walter Bau zu begleichen.Die Erklärung, die inzwischen wieder von der Webseite der Botschaft verschwunden ist, endete mit deutlicher Kritik: "Eine baldige Lösung des Falles würde das Vertrauen deutscher und anderer ausländischen Investoren in Thailand wiederherstellen." Der scheidende Premierminister Abhisit Vejjajiva antwortete auf den ganz undiplomatisch deutlichen Ton erbost mit einer Belastung des Verhältnisses zu Deutschland - bis er am Montag vom Kronprinzen in dessen erster öffentlicher politischer Stellungnahme öffentlich abgekanzelt wurde. "Ich will nicht, dass die juristische Auseinandersetzung um die Pfändung zu einem bilateralen Problem wird", ließ er verlauten. Die noch amtierende thailändische Regierung mäßigte prompt den Ton.Aber der Fall Walter Bau wirft ein Schlaglicht auf das fragwürdige Verhalten thailändischer Regierungen während der vergangenen 15 Jahre. Bei Streitfällen stimmte Bangkok oft und gerne dem Gang zu internationalen Schiedsgerichten zu - und weigerte sich regelmäßig zu zahlen, wenn die Urteile zulasten Thailands ausfielen.Ein Unternehmer aus Hongkong bilanzierte seine Erfahrung mit dem Satz: "Im Auftrag des thailändischen Staats baue ich nur noch, wenn eine Versicherung politische Risiken übernimmt." Der deutsche Baukonzern Bilfinger Berger, der groß in Thailand eingestiegen war und beim Bau einer 60 Kilometer langen Schnellstraße von Bangkok nach Chonburi noch mehr Millionen in den Sand setze als Walter Bau, reduzierte seine Präsenz in dem Königreich mittlerweile auf ein Minimum. "Die meisten deutschen Baufirmen haben sich aus Thailand verabschiedet", sagt Stefan Buerkle, der ehemalige Geschäftsführer der Deutsch-Thailändischen Handelskammer in Bangkok, "auf große alleinige Bauaufträge des Staats sollte man sich nur mit einem starken einheimischen Partner und mit klaren Vertragsverhältnissen einlassen".Ob die Dinge unter der künftigen Premierministerin Yingluck Shinawatra besser werden, ist unsicher: Einerseits besitzt sie wenig politische Erfahrung, andererseits hat sie sich aber als Managerin des Telekommunikationskonzerns AIS einen Namen gemacht. Zudem gilt sie als wirtschaftsfreundlich. Experten hegen aber Zweifel an dem Vorhaben ihrer Partei Pheu Thai, in Zeiten steigender Inflation die Nachfrage mittels Erhöhung von Mindestlöhnen zusätzlich anzuheizen.Sie übernimmt das Land zudem während eines Gerichtsprozesses, der das Modell ausländischer Investitionen in Frage stellt. Der Lebensmittelkonzern CP, der eine Art Monopolstellung besitzt und zu den größten Nahrungsmittelproduzenten der Welt gehört, verklagte über ein Tochterunternehmen, den Kabelfernsehbetreiber True, das Mobiltelefonunternehmen DTAC. Der Vorwurf: Die Firma, die zu 49 Prozent dem norwegischen Konzern Telenor gehört, verstoße gegen die Gesetze, weil die Europäer in Wirklichkeit das Sagen in der Firma hätten. Tatsächlich gilt für DTAC wie für fast alle Firmen mit ausländischer Beteiligung die Regelung, dass 51 Prozent in thailändischen Händen liegen müssen. Faktisch haben aber die lokalen Teilhaber weniger Entscheidungsbefugnisse."Das ist das gängige Modell, dass der Staat stillschweigend geduldet hat", sagt Buerkle. Nur ein Minister wagte vor einigen Jahren, das Modell in Frage zu stellen und erntete einen Proteststurm. Aber Thailands Geschäftswelt beobachtet das Verfahren mit Argusaugen. Sollte der CP-Konzern mit der Klage Erfolg haben, würden die meisten bisherigen Auslandsinvestitionen in Frage gestellt. Pikant sind zudem die politischen Auswirkungen: Die Familie des bisherigen Premierministers Abhisit besitzt enge Verbindungen zum CP-Konzern. Eine der betroffenen Firmen ist Pheu Thai AIS, die Singapur für rund 1,5 Milliarden Euro dem damaligen Premierminister Thaksin abkaufte.------------------------------Gute GeschäfteExportstark: Außer im globalen Krisenjahr 2009 verzeichnete Thailand in den vergangenen Jahren ein kräftiges Wirtschaftswachstum. Allein 2010 hat die Wirtschaftsleistung um 7,8 Prozent zugelegt. Dazu trug zu einem großen Teil der Export bei.Gefahr: Nun droht aber ein Rückschlag. Denn thailändische Regierungen weigerten sich häufig, Schulden im Ausland zu begleichen. Und das verunsichert Investoren.------------------------------Grafik: Thailand Wirtschaftswachstum (2006 bis 2011, 2011 Prognose)Foto: Vor der Wahl der neuen Regierungschefin muss alles blitzblank sein: Ein thailändischer Arbeiter reinigt eine Statue von König Rama VII. in Bangkok.Foto: Yingluck Shinawatra, 44, designierte Premierministerin