Die Berliner Schriftstellerin Hedda Zinner ist jetzt, in ihrem 90. Lebensjahr, gestorben. Sie hinterläßt ein umfangreiches episches Werk, war dem Publikum aber auch durch Theaterstücke und mehr als zwanzig Fernsehspiele vertraut geworden. Zuletzt erschien ihre Autobiographie "Selbstbefragung" (Morgenbuch-Verlag), in der sie sich so ehrlich mit ihren Erfahrungen aus dem sowjetischen Exil auseinandersetzte, daß sie fast zehn Jahre auf die Druckgenehmiung warten mußte.Hedda Zinner, am 20. Mai 1905 in Wien als Tochter eines Beamten geboren, hat zunächst als Schauspielerin gearbeitet. Aus ihrer Beschäftigung mit dem Marxismus wuchs ein starkes politisches Engagement: Sie wurde Mitglied der Kommunistischen Partei, schrieb Artikel fi~r die "Rote Fahne , engagierte sich für ein Agitprop-Theater. Die Kommunistin mußte während des Naziregimes emigrieren, ging über Prag nach Moskau, wo sie schriftstellerisch und politisch arbeitete. Sie gehörte mit ihrem Mann Fritz Erpenbeck zu den ersten Emigranten, die nach Berlin zurückkehrten. In der DDR sah sie ihre Heimat. Ihre Bücher, etwa die Romane "Die Lösung", "Katja" oder die Trilogie "Ahnen und Erben", erschienen in hohen Auflagen, ihre Lesungen waren gut besucht.1990 sagte sie resümierend in einem Interview, sie hänge nach wie vor am "Experiment Sozialismus". Deshalb habe sie die DDR unterstützt "und viele ihrer Probleme geringer geschätzt, als sie waren".Hedda Zinner