Für PR-Agenturen sind Meinungen pures Geld. Auch bei Zeitungen kann das funktionieren, das beweist in der Schweiz gerade der ehemalige Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt, Roger Köppel. Beim Wochenmagazin Die Weltwoche ist er als Chefredakteur und Verleger in Personalunion seit etwa einem Jahr für publizistischen und ökonomischen Erfolg gleichermaßen verantwortlich, dementsprechend hat er das auch in Deutschland gerne gelesene Blatt umgekrempelt.Aus einer linksintellektuell angehauchten Zeitung, die während des Zweiten Weltkriegs hohes Ansehen bei Widerstandskämpfern genoss, wurde ein rechtskonservatives Magazin, dessen Ziel in erster Linie der Kampf gegen sozialstaatliche Errungenschaften ist. Von Kritikern wird es deshalb als Parteiblatt der rechtspopulistischen SVP bezeichnet. Tatsächlich wirft sich Köppel in seinen Artikeln gerne für den umstrittenen SVP-Bundesrat Christoph Blocher in die Bresche.Der publizistische und wirtschaftliche Erfolg gibt ihm allerdings recht. Köppel hat eine Nische im schweizerischen Medienmarkt entdeckt. In diesem Jahr legt die Auflage der Weltwoche um 3,5 Prozent von 82 449 auf 85 772 Exemplare zu. Die Abonnentenzahl steigt sogar um 6,2 Prozent auf 71 196. Zudem kann die Weltwoche einen massiven Zugewinn auf dem Anzeigenmarkt verbuchen.Intermezzo in DeutschlandSchon nachdem Köppel im Jahr 2001 zum ersten Mal Chefredakteur der Weltwoche geworden war, stieg die Auflage signifikant - bis heute insgesamt um neun Prozent, seit 2003 erwirtschaftet das Blatt wieder einen operativen Gewinn. Köppel hatte die Zeitung damals in ein Magazin umgebaut. Dessen mit dem Mainstream schwimmenden Konkurrenten Facts und Cash sind hingegen nicht mehr im Zeitungsständer zu finden. 2004 wechselte Köppel zur Tageszeitung Die Welt aus dem Springer-Verlag. Dort hielt es ihn allerdings nur gut zwei Jahre. Als Eigentümer und Redaktionschef kehrte er zur Weltwoche zurück.Dass die ihren Erfolg vor allem Köppel verdankt, darüber sind sich auch seine Gegner einig. Für Roger Schawinski, den ehemaligen Sat.1-Chef und schweizerischen Medienpionier, ist die Weltwoche sogar eines der spannendsten Presseerzeugnisse der Deutschschweiz mit einer "bemerkenswerten Ausstrahlung". Das ist nicht nur ein Zeichen für die Stärke Köppels, sondern auch eines für die Schwäche der Konkurrenz. Dem Gepolter der Weltwoche hat sie nichts entgegenzusetzen. Während sie in Köppels Anfangsjahren die Weltwoche noch mit Häme überzog, musste sie in diesem Jahr dem Blatt erstmals die Themenführerschaft überlassen.Der neue, stramm rechtskonservative Kurs ist das Alleinstellungsmerkmal der Weltwoche, das die Zielgruppe genau umreißt und auf dessen Grundlage die Themenauswahl getroffen wird. Darunter leidet zwar die Glaubwürdigkeit und die journalistische Qualität des Blattes, doch sie verleiht dem Magazin eine einmalige Schlagkraft. Die Redaktion kennt den Kurs, die Recherchen richten sich gegen Missstände im Sozialstaat, gegen die EU und gegen Sozialdemokraten, Christdemokraten und Grüne.In jedem Heft findet sich zu einer Mainstream-These eine Gegenthese, meist belegt durch wissenschaftliche Minderheitenmeinungen und von der Redaktion akribisch recherchierten Fakten, die zu einem eigenen Gesamtbild zusammengefügt werden. Bei der Weltwoche ist der Klimawandel politische Meinungsmache, Bioprodukte umweltschädlich und der Politiker Christoph Blocher ein Glücksfall für die Schweiz."Wenn alle dafür sind, ist es für mich schon aus Prinzip interessant, dagegen zu halten", sagt Köppel. Also werden Fakten zusammengetragen, die seine Thesen stützen. So entsteht manchmal sogar hervorragender Journalismus. Über Monate hinweg deckte die Weltwoche in diesem Jahr in Zürich einen Fall von Sozialmissbrauch durch Ausländer nach dem anderen auf, bis die zuständige Sozialvorsteherin nicht mehr umhin kam, die Missstände zu bestätigen. Nie hätten andere Schweizer Medien diesen Scoop gelandet aus Angst, in die SVP-Ecke gedrängt zu werden.So gesehen, ist die Weltwoche für die Meinungsvielfalt und die Vitalität der Schweizer Presse ein Glücksfall. Doch wer nur die Weltwoche liest, ist weder neutral noch gut informiert, monieren Kritiker. Köppel habe dem Blatt sein Herz und seine Seele geraubt und die Glaubwürdigkeit dem ökonomischen Erfolg geopfert.------------------------------AuflagensteigerungDie Weltwoche war einst die renommierteste Wochenzeitung in der deutschsprachigen Schweiz, bekannt vor allem für ihre liberale Haltung.Im Jahr 2001 übernahm der damals erst 36-jährige Roger Köppel zum ersten Mal die Chefredaktion des Blattes. Eine seiner ersten Amtshandlungen war es, die Zeitung auf Magazinformat umzustellen. Zuvor hatte Köppel die Wochenendbeilage des Zürcher Tages-Anzeigers geleitet.Politisch führte Köppel die Weltwoche auf den Kurs der rechtspopulistischen Partei SVP des Christoph Blocher. Die Polarisierung führte zu einer Steigerung der zuvor lange sinkenden Auflage.2004 verließ Köppel die Weltwoche, um Chefredakteur der Springer-Zeitung Die Welt zu werden. Vor einem Jahr kehrte er als Besitzer und Redaktionschef zur Weltwoche zurück.------------------------------Foto: Roger Köppel, Chefredakteur------------------------------Foto: Aus Prinzip gegen den Strom: Die Weltwoche, hier die aktuelle Ausgabe.