Von der kommenden Woche an sollen sie in Aktion treten: Sieben bis zehn Mann starke Polizeitrupps in Zivilkleidung, die überall dort auftauchen, wo rechte, gewaltbereite Jugendgruppen herumlungern. "MEGA" nennt Innenminister Alwin Ziel (SPD) seine neue, insgesamt 40 Polizisten zählende Sondereinheit, abgekürzt von "Mobile Einsatztrupps gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit". Ihre Hauptaufgabe: Brandenburg aus den Negativschlagzeilen über brutale Angriffe auf Fremde herauszubringen.Politische EntscheidungSo schnell haben Umbauten in der Brandenburger Polizeistruktur noch nie gegriffen. Kaum ein Monat ist vergangen zwischen dem unter zunehmendem politischen Druck gefällten Beschluß, eine Sondereinheit gegen rechte Gewalt zu gründen, und dessen Umsetzung. Die Gewerkschaft der Polizei spricht daher auch von "einer politischen und nicht polizeitaktischen Entscheidung".Neueinstellungen bringt das Projekt keine: Das Personal für "Mega" wird von den fünf regionalen Polizeipräsidien abgezogen. Die se sollen je sieben geeignete Mitarbeiter benennen, die dann dem Landeskriminalamt (LKA) unterstellt sind und zentral geführt werden, jedoch im Regelfall in ihrem bisherigen Präsidiumsbereich bleiben, erklärte gestern der Innenminister. Trotz eher unangenehmer Arbeitszeiten in den Abend- und Nachtstunden sowie an Wochenenden habe es keinerlei Schwierigkeiten gegeben, geeignete Mitarbeiter für die "Mega"-Truppe zu gewinnen. Im Bedarfsfall werde die Sondereinheit von LKA-Bediensteten und der Bereitschaftspolizei ergänzt und notfalls auch per Hubschrauber an den Einsatzort gebracht. Ziel: "Wir müssen viel wehrhafter werden." Nach den Vorstellungen des Innenministers ist es die Aufgabe der Einheit, potentielle rechte Gewalttäter aufzuspüren, deren Treffpunkte zu kontrollieren, relevante Informationen zusammenzutragen, Tatansätze zu unterbinden sowie Aktionen rechtsextremer Gruppen ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen.VerunsicherungstaktikDas Ganze diene einer "Verunsicherungstaktik", so Ziel, "um rechtes Tun bloßzustellen." Nach den Erkenntnissen der Polizei gibt es derzeit 39 rechte Gruppierungen in Brandenburg, die künftig von der Sondereinheit "bearbeitet" werden. Um Informationen über Problemschwerpunkte zu erhalten, sei man auch auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, sagte der Innenminister: "Sonst stehen wir auf dem Schlauch."Ein Passant, der die Polizei wegen pöbelnder Skin-Heads an einem x-beliebigen Bahnhofskiosk alarmiert, wird allerdings kaum das sofortige Anrücken der "Mega"-Truppe bewirken: In so einem Fall, sagte Ziel gestern, soll auch in Zunkunft der nächstverfügbare Einsatzwagen geschickt werden.