SOUSSE, 26. Januar. Die alten Männer vom Fußballweltverband (Fifa) haben manchmal einen seltsamen Blick auf die Dinge dieser Welt. Nun hat der Sportartikelfabrikant Puma ein neues Outfit für Fußballspieler entworfen, eine Sportkleidung, die den Herren Funktionären eigentlich in die Karten spielt. Hauteng liegt der Einteiler, mit dem Kamerun beim Afrika-Cup in Tunesien spielt, an den Oberkörpern der westafrikanischen Modellathleten an, während die angefügte Hose locker um die Beine weht. Kein Spieler kann mehr gegen den guten Anstand verstoßen, indem er verlottert das Trikot aus der Hose hängen lässt; kein kamerunischer Torschütze wird sich enthemmt das Shirt vom Oberkörper reißen oder nach einer Partie mit dem Gegenspieler tauschen. Und das leidige Zerren an der Kleidung, gegen das die Verbände seit Jahren vergeblich ankämpfen, wird ebenfalls erschwert. Kameruns Bill Tchato vom 1. FC Kaiserslautern meinte nach dem 1:1 im Auftaktspiel gegen Algerien: "Es ist ein echter Vorteil, in diesen Trikots zu spielen. Der Gegner findet einfach keinen Griff mehr." Aber die Fifa möchte die Kleidung verbieten.Dabei würde eigentlich auch Joseph Blatter Fußballmannschaften gerne in hautengen Trikots sehen. Nur sollen das die Frauen und nicht die Männer sein, "um den Frauenfußball attraktiver zu machen", wie der Schweizer vor gut einer Woche sagte. Beim Afrika-Cup in Tunis verkündete er nun: "Wenn Kamerun in dem Einteiler aufläuft, verstößt das gegen die Regeln des Spiels"; denn in Regel vier sei festgelegt, dass man "in Trikot, Hose und Strümpfen, also drei Teilen" spielen müsse. Das letzte Wort auf dem Schwarzen Kontinent spricht aber - zum Glück für den deutschen Hersteller der Kleidung - nicht die Fifa, sondern der Afrikanische Verband. Und der hätte, so das Unternehmen, schon lange vor Beginn seiner Kontinentalmeisterschaft grünes Licht gegeben.Für allerlei Irritationen sorgte die Funktionärsposse dennoch, da sich Verbandschef Issa Hayatou Seite an Seite mit Blatter zu der Aussage hinreißen ließ, "die Regeln des Spiels sehen diese Art der Kleidung nicht vor". Puma und die sportliche Leitung der Kameruner verließen sich trotzdem auf frühere Zusagen, aber der Schiedsrichter, der nun das Auftaktspiel des Teams von Winfried Schäfer anpfeifen sollte, untersagte das Outfit zunächst. Ihm klangen die Worte Blatters und Hayatous im Ohr, woraufhin die Kameruner kurz vor Anpfiff hektisch per Fax eine Erlaubnis Hayatous einholen mussten, damit das Spiel überhaupt angepfiffen werden konnte. Andere Trikots? Hatte man nicht mitgebracht.Manchmal führt der aufgesetzt harmonische Umgang, den die Funktionäre pflegen, also geradewegs ins Chaos. Man könnte auch sagen, Hayatou, noch vor zwei Jahren Blatters Gegner um die Fifa-Präsidentschaft, ist auf seiner Schleimspur ausgerutscht. Den Afrika-Cup darf Kamerun nun auf jeden Fall in dem Dress spielen, den ein aus fell-ähnlichem Material gestaltetes Wappen des kamerunischen Verbandes ziert und dessen Hüftpartien aufwändig eingearbeitete Schrammen der Krallen einer Raubkatze tragen; das Team wird auch "unbezähmbare Löwen" gerufen.Lobbyarbeit für die FrauenDie Fifa berät den Fall Ende Februar. Glück gebracht hat der Einteiler im Auftaktspiel aber nicht. Die Elf spielte zwar stark, ließ aber beste Torchancen aus und musste sich am Ende mit einem Unentschieden begnügen. "Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen", sagte Trainer Schäfer hernach und Patrick Mboma, Torschütze zum 1:0 (44.), sagte: "Manchmal will das verdiente Siegtor einfach nicht fallen." Ausgeglichen hatte Brahim Zafour (51.) in der guten Partie, die auch Blatter gefallen hätte.Der war aber nicht da und rühmte sich stattdessen damit, Lobbyarbeit für den Frauenfußball geleistet zu haben. Und das, obwohl viele Spielerinnen sich öffentlich geärgert hatten über Blatters Vorschlag, ihre Kleidung sexy zu machen. "Sogar in Ländern, wo Frauen gar nicht Fußball spielen, war Frauenfußball plötzlich auf den Titelseiten. Die Frauen hätten lieber Applaus geben sollen, statt den Vorschlag zu kritisieren", sagte der Fifa-Präsident. Vielleicht ist dieser Blick auf die Welt für einen 67-Jährigen vollkommen normal.Foto: Textiler Revolutionär: Kameruns Samuel Eto o.