Seit einiger Zeit wird mit erfreulichem Erfolg um Spenden für die Restaurierung der Kunstwerke in der Marienkirche geworben. Und dennoch stimmte im November deren Gemeindekirchenrat einem Vorschlag Bischof Hubers zu, den aus der Franziskanerkirche stammenden Marienaltar auf Dauer an das Stift Heiligengrabe auszuleihen. So geht - wenn die Verlagerung wie geplant morgen beginnt - eine halbtausendjährige Berliner Geschichte zu Ende, die man eigentlich bewahren möchte. Der um 1520 den "grauen Brüdern" im Franziskanerkloster gestiftete Altar ist ein Teil des bürgerlich-berlinischen, sehr rar gewordenen Erbes. Ausgeschlossen, dass Lübeck oder Hamburg ein solches Dokument abgeben würden. In Berlin stimmte der Denkmalschutz wohl zu, weil die jetzige Aufstellung des Altars konservatorisch nicht befriedigt. Und die Gemeinde hat es bisher einfach versäumt, ihren Widerstand zu organisieren. Dabei ist die lange in der Armenküche aufgestellte Madonna wohl eines der wenigen tatsächlich noch kultisch verehrten Kunstwerke in Berlin.Die Marienkirche nahm nach dem Krieg die Schätze der Nikolaikirche und der Franziskanerkirche auf, sie wurde zum Monument Berliner Bürgergeschichte. Dieser Aspekt hat bei den Verhandlungen aber offenbar weniger eine Rolle gespielt als die Not des brandenburgischen Stifts Heiligengrabe: es benötigt einen neuen Altarschmuck, weil der bisherige an Brandenburgs Dom zurückgegeben werden muss. Auch verspricht das Stift, den Altar zu restaurieren. Die Marienkirche steht vor langjährigen Bauarbeiten. Nicht debattiert wurden offenbar Alternativen - etwa den Altar erst einmal im Märkischen Museum auszustellen, wo er mit der Stadtgeschichte vereint bliebe und von wo er schnell zurückgebracht werden könnte. Vor allem aber wurde die Weggabe beschlossen, bevor das Gesamtkonzept für die Kunstschätze der Marienkirche steht. Wenigstens so lange sollte der Altar hier bleiben. Leid tragende eines Moratoriums wären die Stiftsdamen. Ihr Argument, der aus der städtischen Franziskanerkirche stammende Altar würde gut in das ehemalige Zisterzienserkloster passen, ist historisch kühn: Es war dem Hochadel vorbehalten. Und entspräche nicht modernes Altargerät besser der frischen Frömmigkeit der Prignitz als die Ausstellung eines in Berlin verankerten Objektes?