Die Stasi führte Dirk Thiele: Sportreporter alias IM Sommer

BERLIN, 21. August. Dirk Thiele (62), ehemaliger Sportreporter beim DDR-Fernsehen und nach dem Mauerfall Reporter beim Sender Eurosport, wurde von 1977 bis 1985 als Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) geführt. Er war der Abteilung Spionageabwehr der MfS-Bezirksverwaltung Potsdam zugeordnet.Wie aus Dokumenten der Bundesbehörde für die Unterlagen der Staatssicherheit hervorgeht, verpflichtete sich Thiele am 8. Dezember 1977 handschriftlich, auf freiwilliger Grundlage mit dem MfS zusammenzuarbeiten: "Über diese Verbindung werde ich gegenüber jeder Person strengstes Stillschweigen bewahren. Ich wähle mir den Decknamen Sommer", notierte Thiele damals. Laut Aktenlage war Thiele bereits seit Februar 1973 für die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) erfasst, also für die von Mielke-Stellvertreter Markus Wolf geleitete Auslands-Spionageabteilung der Stasi. Dies war besonders bei staatstreuen DDR-Journalisten öfter der Fall, galten viele doch in den Augen der Stasi als Perspektiv-Kader. Diese HVA-Registrierung von Thiele wurde im November 1977 in der Anwerbephase zugunsten der Potsdamer Spionageabwehr gelöscht. In den so genannten Rosenholz-Dateien wurden bislang allerdings keine Hinweise einer aktiven HVA-Tätigkeit von Thiele gefunden.Auf Anfrage erklärte Thiele, seine Stasi-Kontakte hätten sich "im üblichen Rahmen" auf seine Tätigkeit als Reisekader beschränkt. Er habe sich weder schriftlich verpflichtet, noch habe er Geld erhalten. Die Akten sagen etwas anderes: Es existieren eine Verpflichtungserklärung und Quittungen über Geschenke.