BERLIN. Die Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas weist die schweren Vorwürfe über den angeblich qualvollen Tod einer Deutschen zurück. "Niemand hat gelitten. Das ist eine völlig falsche Darstellung der Situation", sagte der Gründer von Dignitas, Ludwig Minelli. Entsprechende Medienberichte nannte der Anwalt "ein raffiniertes Konglomerat von Halbwahrheiten, perfiden Unterstellungen und haltlosen Verdächtigungen." Minelli sprach von einer Kampagne gegen seine Organisation.Zuvor hatte das Zürcher Wochenmagazin SonntagsZeitung berichtet, eine 43-jährige Deutsche, die mit Hilfe der Organisation ihrem Leben ein Ende setzen wollte, sei erst nach fast vierzig Minuten qualvollen Todeskampfes gestorben. Zwei Freunde, welche die unheilbar Kranke auf ihrem letzten Weg am 13. November 2006 begleiteten, schilderten demnach, dass die Frau nach Einnahme des Betäubungsmittels mehrere Minuten vor Schmerzen laut aufgeschrien und nach Luft gerungen hätte. "Ich verbrenne", soll sie gerufen haben. Erst danach sei sie in ein Koma gefallen und hätte erst nach 38 Minuten zu atmen aufgehört.Der Frau wurden 15 Gramm Natrium-Pentobarbital verabreicht. Nach Informationen von Dignitas ist diese Dosis drei- bis viermal stärker als zum Sterben nötig wäre. Der Toxikologe Ralf Stahlmann von der Berliner Charité kann sich den von den Zeugen beschriebenen Todeskampf nicht als Folge des Mittels erklären: "Das kann ich nicht einordnen." Natrium-Pentobarbital zählt zu den Barbituraten, sehr starken Betäubungsmitteln. Dieser Stoff wird nach Auskunft Stahlmanns heute überwiegend noch in der Anästhesie zur Einleitung von Narkosen eingesetzt. Noch in den 50er- Jahren waren Barbiturate hingegen auch in Deutschland als Schlafmittel sehr verbreitet.Dignitas-Gründer Minelli betonte, dass ihm auch die engste Freundin der Verstorbenen glaubhaft versichert habe, die Vorwürfe seien frei erfunden. Ihre Freundin habe nicht geschrien "Ich verbrenne!", sondern gesagt "Die Medizin ist bitter." Ja, man habe bei der Frau fünf Mal Atemstillstand festgestellt. "Das ist bei einer jungen Person mit gesundem Herzen nicht erstaunlich. Der Körper wehrt sich", erklärt Minelli. Die Frau sei zu diesem Zeitpunkt aber längst bewusstlos gewesen.Seit Gründung des Vereins im Mai 1998 haben sich 675 Menschen von Dignitas beim Sterben begleiten lassen.------------------------------Foto: In Deutschland ist die Begleitung einer Selbsttötung verboten.