Das Sonnenlicht macht die Nacht zum Tage und wärmt die Erde. Davon kann sich jeder täglich überzeugen. Dass die Strahlung aber auch eine mechanische Kraft ausübt, bleibt den meisten Menschen verborgen. Drei Astronomenteams haben jetzt erstmals nachgewiesen, dass Sonnenstrahlen kleine Körper im Planetensystem in Schwung versetzen. Einige von ihnen könnten einmal so schnell rotieren, dass die Fliehkraft sie verformt oder zerreißt.Das Phänomen vorhergesagt haben bereits vor sieben Jahren die Astronomen Ivan Yarkovsky, John O'Keefe, V. Radzievskii und Stephen Paddack. Nachweisen ließ sich der nach den Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen benannte Yorp-Effekt bislang jedoch nicht. Er beruht darauf, dass das Sonnenlicht kleine Körper wie Planetoiden erwärmt und diese deshalb Infrarotstrahlung aussenden. Bei einem völlig symmetrischen Körper ändert diese Emission nichts an dessen Umdrehung.Derart harmonische Proportionen weisen aber die wenigsten Planetoiden auf: Sie ähneln eher Kartoffeln. Dies führt dazu, dass die Infrarotstrahlung nicht in alle Richtungen gleichmäßig in den Weltraum abgegeben wird, sondern dass in einer Richtung besonders viel Strahlung entweicht. Wie ein sehr schwaches Raketentriebwerk übt diese einen Rückstoß aus, der die Rotation je nach Oberflächenbeschaffenheit verlangsamt oder beschleunigt.Diesen Yorp-Effekt hat jetzt ein Team um Mikko Kaasalainen von der Universität Helsinki an dem Planetoiden Apollo nachgewiesen. Wie die Forscher im Fachmagazin Nature berichten, analysierten sie die Umdrehungsdauer dieses Körpers mit einem Durchmesser von 1 400 Metern. Dabei nutzten die Astronomen Beobachtungsdaten von 1980 bis heute. Wie sich herausstellte, benötigt Apollo zurzeit für eine komplette Umdrehung acht Hundertstelsekunden weniger als zu Beginn der Messungen. Ginge diese Entwicklung unvermindert weiter, würde sich Apollo in 2,6 Millionen Jahren doppelt so schnell drehen wie heute.Stephen Lowry von der Queen's University im nordirischen Belfast und seine Kollegen unternahmen die gleiche Analyse bei dem nur 57 Meter großen Planetoiden namens 2000 PH5; sie berichten darüber im Fachblatt Science. Bei diesem kleinen Himmelskörper gelang es schon nach vier Jahren, eine Beschleunigung der Rotation nachzuweisen.Zusätzliche Erkenntnisse liefern die Beobachtungen eines internationalen Astronomenteams, die ebenfalls in der aktuellen Ausgabe von Science veröffentlicht sind. Die Forscher um Patrick Taylor von der Cornell University in Ithaca im US-Staat New York nutzten zwei Radioteleskope als riesige Radaranlagen, um damit die Oberfläche des Planetoiden abzutasten. Das ermöglichte es, ein genaues räumliches Modell von 2000 PH5 anzufertigen. So ließ sich der Yorp-Effekt erheblich besser nachweisen. Den Berechnungen zufolge wird sich die Umdrehungsgeschwindigkeit des Planetoiden in den kommenden 500 000 Jahren verdoppeln.In beiden Fällen bestätigen Computermodelle die Vermutung, dass der Yorp-Effekt die Himmelskörper in Schwung gebracht hat. Die mit der Rotationsgeschwindigkeit wachsende Fliehkraft könnte einige Planetoiden sogar zerreißen oder Teile aus ihnen herausbrechen. Fortan würden diese Bruchstücke ihren Ursprungskörper als Mini-Monde umkreisen.Astronomen kennen eine ganze Reihe von Asteroiden mit kleinen Begleitern. Zumindest einige von ihnen könnten infolge des Yorp-Effekts entstanden sein. Großen Körpern macht der Rückstoß der Infrarotstrahlung viel weniger zu schaffen als kleinen Gebilden. Und relativ mächtige Planeten wie die Erde bleiben davon sogar völlig unbeeinflusst.Nature, Online-AusgabeScience, Online-Ausgabe------------------------------Foto: Der Planetoid Apollo erinnert - wie die meisten anderen Kleinplaneten auch - an eine Kartoffel. Wegen seiner unregelmäßigen Form versetzt ihn das Sonnenlicht in Rotation. Diesen sogenannten Yorp-Effekt haben jetzt drei Forscherteams nachgewiesen.