Als "Peter Gabriel für Arme" haben ihn Kritiker bezeichnet, als "Herz-Schmerz-Troubadour" und "Weichspüler". ist ja auch ein Kreuz mit dem Mann. Gibt einfach keine Schlagzeilen! Will Rockmusiker sein und macht auf Familienvater. Das Wort Skandal paßt auf Chris de Burgh ungefähr so gut wie Lederjacke zu Patrick Lindner.Doch endlich. Im Sommer geht die Kunde, der 46jährige hätte was mit dem Kindermädchen. ,Blondehair, Bluejeans." Und was tut der Kerl? Gesteht, bedauert und betet, "daß mir meine Frau diese Dummheit vergibt". Wieder kein Skandal.Den lieferte Chris de Burgh auch am Sonntag in der Deutschlandhaile nicht. Kletterte auf die Bühne, gurtete die Gitarre und sang drauflos. Zweieinhalb Stunden lang und sorgsam bemüht, dem Publikum keinen Hit vorzuenthalten. Zwischen "Salling away", "Missing you" und "Say Goodbye to it all" streut der Ire Nettigkeiten über Berlin und vor allem die Berliner in die beileibe nicht ausverkaufte Halle. "Berlin is a beautyful city and the girls are so pretty." Sogar in den Ansprachen kriegt Chris de Burgh noch einen Reim hin.Die derart Gepriesenen, zum Großteil nur unwesentlich jünger als der Preisende, nehmen die Komplimente dankbar entgegen und feiern den Mann, der ihnen solche Sachen sagt. Natürlich kramen alle das Feuerzeug aus der Handtasche, als es um die "Lady in Red" geht, und bei "Don t pay the ferryman" probiert man schon mal, ob die Füße den Takt noch mitmachen. Eins rechts, eins links, und siehe, es geht.Chris de Burgh macht es auch nicht schwer. Seine Show, mit hübschen Lichteffekten und viel Nebel garniert, ist gut und übersichtlich. Zunächst die Balladen. Kuschelige Songs zum Träumen oder, falls Partner vorrätig, zum Schmusen. Dann wird der zweite Gang eingelegt. Mitwippen je nach Temperament und Konstitution. Die fünfköpfige, kanadisch-amerikanische Begleitband spielt ihre Parts solide herunter, Experimente sind an diesem Abend von keiner Seite zu erwarten.Warum auch? Chris de Burgh liefert ordentliche Arbeit, gibt sich redlich Mühe und macht genau das, was die Leute sehen wollen. Er fuchtelt ein bißchen mit den Armen, wenn die Rhythmen schneller werden, aber nicht zu toll. Bei den langsamen Nummern legt er Sehnsucht in die Augen, stellt sich an den Bühnenrand und blickt verheißungsvoll in die Ferne. Keiner macht sich Gedanken, ob das nun kitschig Ist, sentimental oder sonstwas. Wozu auch, wenn s doch schön ist! Und schließlich kann auch Hausmannskost schmecken. Bjorn WlrthDer Mann ohne Allüren und Skandale: Chris de Burgh in der Deutschlandhalle. Foto: Schleser