Die einen klagen über Jetlag, die anderen halten es prinzipiell für unzumutbar, dass ihnen eine Stunde genommen wird. Wenn in der Nacht zu Sonntag die Uhren um eine Stunde auf Sommerzeit vorgestellt werden, wird wieder einige Tage lang über Sinn und Unsinn der Aktion gestritten werden. Eine knappe Mehrheit der Deutschen würde laut Umfragen die zweimalige Zeitumstellung pro Jahr am liebsten wieder abschaffen.Besonders viele Menschen stehen im Osten der Republik der Sommerzeit ablehnend gegenüber. Die Krankenkasse DAK ließ im vergangenen Frühjahr, nur wenige Tage nach der Umstellung auf Sommerzeit, 1500 ihrer Mitglieder befragen, wie sie die Veränderung verkraftet haben und fand heraus: Im Osten braucht fast jeder Dritte ein paar Tage, um sich an die Verkürzung der Nacht zu gewöhnen. Im Bundesdurchschnitt ist es nur jeder Vierte. Im Vergleich zur Umstellung auf die Winterzeit verdoppelt sich die Zahl derjenigen, die sich nur langsam mit der neuen Zeit anfreunden können.Diese Menschen fühlen sich schneller müde, leiden unter Schlafstörungen, sind gereizt und können sich schlechter konzentrieren. "Das sind natürlich nur subjektive Äußerungen", sagt DAK-Sprecher Martin Plass, schließlich würden Schlafmediziner bezweifeln, dass eine Stunde weniger Schlaf zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann. Jeder Jetlag nach einem Flug gilt den Medizinern als schwerer zu verkraften als die fehlende Stunde. Herausgefiltert hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der DAK aber immerhin deutliche Anpassungsprobleme. Und die haben offenbar Frauen öfter als Männer und sogar 29 Prozent der Kinder leiden unter Müdigkeitserscheinungen - Mädchen öfter als Jungen. "Probleme mit der Umstellung haben vor allem diejenigen, die eh schon Schwierigkeiten mit dem Schlafen haben", sagt Plass. Warum es aber im Osten besonders schwierig ist mit der Sommerzeit, kann Plass nicht beantworten. Er kann nur anführen, dass sich laut DAK-Statistik Arbeitnehmer im Osten Deutschlands auch generell öfter krank melden. Immerhin diese Erkenntnis aus einer Auswertung der hauseigenen Statistik versuchte man mit Umfragen unter den Mitgliedern zu erklären. Die Krankenkasse gewann so die Erkenntnis, dass viele ihrer ostdeutschen Mitglieder über Schwierigkeiten mit befristeten und unsicheren Arbeitsverhältnissen klagen und sich auch vom Arzt für nur einen Tag krank schreiben lassen, während Westdeutsche einfach zu Hause bleiben. Ein Rückschluss aufs schlechte Schlafen wegen der Zeitumstellung erscheint in diesem Zusammenhang aber eher vage.------------------------------Eine Stunde vorDie mitteleuropäische Sommerzeit gilt vom 27. März bis zum 30. Oktober. In der Nacht zu Sonntag werden die Uhren um eine Stunde vor gestellt.Eine Eselsbrücke für Menschen, die alle halbe Jahr Probleme haben, sich zu merken, in welcher Richtung an der Uhr gedreht wird, ist die Straßencafé-Regel: Im Frühjahr werden die Stühle vor das Lokal gestellt, im Herbst kommen sie zurück in den Laden.Die Erfindung der Sommerzeit geht auf den amerikanischen Politiker Benjamin Franklin zurück, der 1784 die Kosten des Lichts und den großen Verbrauch an Kerzen kritisierte und eine bessere Ausnutzung des natürlichen Tageslichts forderte.1916 bis 1918 gab es erstmals in Deutschland eine Zeitumstellung . Während des ersten Weltkrieg sollte so Energie gespart werden.Im Kriegsjahr 1940 wurde die Sommerzeit erneut eingeführt. Zeitweilig gab es sogar noch eine zusätzliche Hochsommerzeit.Von 1950 bis 1979 gab es keine Sommerzeit. 1980 führte man sie als Reaktion auf die Ölkrise mit dem Ziel, Energie zu sparen, wieder ein. Seit 1996 hat die Europäische Union die Regelungen vereinheitlicht.Das Ziel, Energie einzusparen, gilt als gescheitert. Das Umweltbundesamt stellte 2005 fest, dass die Einsparungen an Stromkosten für Beleuchtung am Abend vom Mehrverbrauch an Heizkosten in den frühen Morgenstunden übertroffen würden.Schwierigkeiten mit der Zeitumstellung haben vor allem Menschen mit Schlafstörungen, Arbeitnehmer mit Schicht- und Bereitschaftsdiensten oder Kliniken und Unternehmen mit komplexen IT-Systemen. Die Zeiteinstellung aller Geräte muss nach der Umstellung überprüft werden. Bei der Bahn werden nach Konzernangaben 120000 Uhren in Zügen und an Bahnhöfen umgestellt.Für die Abschaffung der Sommerzeit wird seit Jahren gestritten. Im Internet fordern Initiativen dazu auf, sich in Unterschriftenlisten einzutragen, Petitionen an Bundestag und EU zu richten, und mit Aufklebern gegen die Zeitverschiebung zu protestieren.Tipps für eine bessere Umstellung geben Krankenkassen: Auf Mittagsschlaf und Alkohol verzichten, gegen Einschlafschwierigkeiten hilft warme Milch mit Honig.------------------------------Foto: Die Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz