Viktorija Malektorovych hat das typische Gesicht einer Slawin: hohe Wangenknochen, gerade Nase, volle Lippen. Ein klares Gesicht, dessen Ausdruck für Schmerz und Melancholie gemacht zu sein scheint. Das passt perfekt zu ihrer Rolle in dem Film "Mutterglück". Darin spielt sie die aus Ex-Jugoslawien stammende Ana Stefanovic, die im Hamburger Umland den jungen Bauern Joachim Tietze (Jürgen Vogel) heiratet, und deren Erfahrungen aus dem Bürgerkrieg im Kosovo sie schicksalhaft einholen.Schon die erste Sequenz des Films setzt den Ton für das, was folgt. Sie zeigt die Hochzeit, einen überglücklichen Joachim, der seine angetraute Gattin beschwingt in die Arme nimmt. Gleichzeitig sieht man den Blick von Ana, der irgendwo ins Leere führt, dorthin, wo die Vergangenheit wartet oder der Tod. Irgendetwas stimmt hier nicht, irgendetwas ist hier falsch. Zuerst stirbt der in die Beziehung gebrachte Sohn von Ana, dann taucht ihr tot geglaubter Ehemann auf, und schließlich schwebt auch Joachim in Lebensgefahr.Das alles klingt mehr nach Thriller als nach Kriegstrauma und ist sicherlich ein wenig irritierend, doch hat Regisseur Christian Görlitz sein Drama so stark besetzt, dass jeder noch so kleine Auftritt ein überraschendes Bild liefert. Neben Jürgen Vogel, der jeden Film belebt, spielen Andreas Schmidt, Rolf Becker, Nina Petri, Mechthild Großmann und Charly Hübner. Sie alle wecken in der engen Kulisse von Bauernhof, Dorfkneipe und regnerischer norddeutscher Landschaft die Neugier darauf, wer oder was als nächstes kommt.Die wirkliche Entdeckung und Überraschung des Films aber ist Viktorija Malektorovych. Die Ukrainerin ist erst zum zweiten Mal in einem deutschsprachigen Film zu sehen. Zuvor hatte sie in der österreichischen Gangsterkomödie "Blue Moon" mit Josef Hader und Detlev Buck gespielt. "Mein Deutsch ist nicht das Beste", gesteht sie, trotzdem spricht sie in "Mutterglück" ihre Rolle selbst. Die Schauspielerin, die mit einem österreichischen Produzenten verheiratet ist und in Kiew und Wien lebt, ist in ihrem Heimatland längst bekannt. 1972 wurde sie in Enakievo, einer Industriestadt in der Nähe vom großen Steinkohlelieferanten Donezkbecken im Nordosten der Ukraine, geboren. Mit siebzehn ging sie nach Kiew und studierte an der ukrainischen Schauspielschule. Anschließend bekam sie Rollen in russischen und ukrainischen Filmen und Serien, sie spielte am Nationalen Dramatischen Theater in Kiew und moderierte Radio- und Fernsehsendungen. Und überall bewies Viktorija Malektorovych wie zäh und widerstandsfähig sie sein kann.Auch in ihrer Rolle als Ana in "Mutterglück". Von ihrem neuen Ehemann schwanger, muss sie nicht nur den Tod ihres Sohnes verkraften, sondern sich auch der Dorfpolizei stellen, die die Leiche ihres Kindes exhumiert. Viktorija Malektorovych hat einen dreijährigen Sohn und vermag zu erahnen, was das für eine Mutter bedeutet. "Eine Mutter ist eine Mutter", sagt sie, "egal woher sie kommt. Deshalb möchte ich, dass der Zuschauer Mitgefühl mit dieser Figur empfindet. Egal, was sie tut."------------------------------Mutterglück, 20.15 Uhr, ARD------------------------------Foto: Irgendetwas stimmt hier nicht: Viktorija Malektorovych als Ana.

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