Kissenschlacht in Lichtenberg, Lagerfeuer in Kreuzberg und Räubergelage in Charlottenburg: Mit mehr als 100 Veranstaltungen für Kinder gab es am Sonnabend erstmals eine Lange Nacht der Familie. "Wir haben zwar noch keine Besucherzahlen vorliegen, aber gefühlt war es ein Riesenerfolg", sagte Lange-Nacht-Koordinatorin Gritt Ockert gestern. Ziel sei es gewesen, Familien neugierig auf Angebote in ihrem Kiez zu machen. Sie sei zuversichtlich, dass es nächstes Jahr eine 2.Lange Nacht für Familien geben wird und die Veranstaltungsreihe damit "in Serie" geht. Die Berliner Zeitung war bei drei Veranstaltungen dabei.Mit der Taschenlampe ins Museum: Es dauert eine Weile, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Die Kinder, die auf dem Fußboden Platz genommen haben, schweigen. Plötzlich flammt eine Taschenlampe auf. Dieser Lichtschein ist für die folgenden 80 Minuten die einzige Lichtquelle im Puppentheatermuseum in Neukölln. In diesem Lichtkegel tritt Pinocchio auf, dann ein König, das Glückskind, der Teufel, ein Räuber und viele, viele andere. Sie alle werden gelenkt von der Puppenspielerin und Museumspädagogin Brigitte Hein, die schon seit Jahren Taschenlampenführungen macht. "Die ist bei uns der Renner", sagt sie. Es sei naheliegend gewesen, bei dieser Langen Nacht der Familien mitzumachen. "Wir sind auch immer bei der Langen Nacht der Museen dabei", sagt Hein, "aber die ist weniger für Kinder geeignet." Das sei hier anders. Heike Schmidt aus Rudow, die mit ihren Zwillingen zur Führung gekommen war, ist begeistert. "Ich wollte das schon immer mal mitmachen, ich hatte viel davon gehört." Überhaupt: "Die Idee mit der Langen Nacht ist toll." Das sei ein guter Anreiz für Eltern, mit ihren Kindern etwas zu unternehmen. Sohn Willi, neun Jahre alt, ist zufrieden mit der ungewöhnlichen Führung. "Mir hat es gefallen", sagt er. "Aber ich habe mich gar nicht gegruselt."Tanzen bei Detlef D. Soost: Schon im Treppenhaus hört man es. Wumm-Wumm-Wumm-Wumm, immer wieder. Also die Treppe hoch, immer der Musik nach, links rum, durch die Tür - schon steht man in "D!'s Dance School" am S-Bahnhof Jannowitzbrücke. Es riecht nach Schweiß, aber das ist ein gutes Zeichen, denn hier wird schwer gearbeitet. 14 Mädchen tanzen vor großen Spiegeln, "HipHop für Anfänger" heißt der kleine Schnupper-Kurs. Auch die zwölfjährige Mascha hat eine Stunde lang geübt, nun ist Schluss, und sie lächelt. "Ich will gern das Tanzen lernen. Tanzen ist cool", sagt sie. Ihre Mutter, ihr Vater und der fünfjährige Bruder waren für eine Stunde ihre Zuschauer. "Wir hatten im Radio gehört, dass es diese Lange Nacht gibt", sagt Maschas Mutter Ramona Schwertfeger. Sie seien erst im Herbst nach Berlin gezogen, die Lange Nacht sei eine gute Gelegenheit, die Stadt kennenzulernen. "Wir wollen jetzt noch ins Gorki-Theater, dort machen Schauspieler Führungen - oder ins Museum für Kommunikation." Minuten später steht Ramona Schwertfeger allerdings immer noch in der Tanz-Schule. Sie will erst noch wissen, ob sie nicht auch selbst hier tanzen lernen kann. Das ist typisch, sagt Center-Leiterin Sandra Klemm, "die Töchter tanzen, die Mütter gucken zu und wollen dann auch tanzen."Stockbrot am Lagerfeuer: Es riecht nach Ziegen und nach nassem Laub, das Gras ist nass und es ist kalt geworden, aber so ist es eben manchmal auf einem Bauernhof. Bei Einbruch der Dunkelheit und gefühlten zehn Grad sitzen noch 40 Menschen auf dem Kinderbauernhof Mauerplatz in Kreuzberg. Das Integrationsprojekt im Bund Deutscher Pfadfinder, das sich um behinderte und nichtbehinderte Kinder kümmert, hat den Bauernhof für einen Abend gemietet, eine Märchenjurte aufgestellt, zum Grillen eingeladen und zu einem Parcours für die Sinne - riechen, schmecken, tasten, hören. "So eine lange Nacht hat etwas Gutes", sagt Sozialpädagoge Volker Kohle. Ein wenig mehr Bekanntheit wäre aber noch besser gewesen. "Ich bin ganz begeistert", sagt die Kreuzbergerin Nadine Schiwon, deren zwölfjährige Tochter das Inte-grationsprojekt besucht. "Wir werden die nächste Lange Nacht auf jeden Fall mitmachen, vielleicht haben wir dann Zeit, uns mehr anzuschauen."------------------------------Foto: Schlechtes Wetter gibt's nicht, nur unpassende Kleidung: Würste und Stockbrot konnten auf dem Kinderbauernhof Mauerplatz in Kreuzberg gegrillt werden.Foto: Leicht nach rechts drehen und den Arm heben: Auch die Tanzschule "D!'s Dance School" machte mit bei der Lagen Nacht, unter anderem mit HipHop.