Wochen-, manchmal monatelang quält man sich mit Seminararbeiten herum. Kaum abgegeben landet das gute Stück dann aber auf Nimmerwiedersehen in der Schublade. "Schade drum, denn viele Arbeiten haben hohes wissenschaftliches Niveau", meint Martin Huismann, Redakteur der Zeitschrift "Z", die seit 1992 Seminararbeiten aus Literatur- und Sprachwissenschaften, Geschichte, Philosophie und Kulturwissenschaften veröffentlicht. "Einige Texte werden uns von den Studenten zugeschickt, aber wir schreiben auch die Dozenten an, ob sie was Interessantes haben", sagt Huismann.Interessante Magister- und Diplomarbeiten sind ebenfalls zu schade, um in der Versenkung zu verschwinden. Der "Wirtschafts-und Wissenschafts Informations Service" verlegt kostenlos Abschlußarbeiten aller Fachrichtungen, die mindestens mit 2,3 bewertet wurden. Die Autoren bekommen 25 Prozent vom Nettoverkaufserlös. "Die Arbeiten kriegen aber keine ISBN-Nummer und sind nur direkt bei uns zu beziehen", dämpft der Wuppertaler Verleger Jochen Kirchoff eventuelle Erwartungen, beim Weihnachtsgeschäft im Buchhandel groß abzusahnen. Während es den Universitäten egal ist, ob Studenten ihre Seminar- oder Abschlußarbeiten publizieren, ist der Doktortitel ohne Veröffentlichung nicht zu haben. Die "doctores designati" müssen im Durchschnitt 80 bis 150 Pflichtexemplare ihrer Arbeit für die Hauptbibliotheken in ganz Deutschland bereitstellen. Aus Platzgründen bevorzugen die Bibliotheken eine Microfiche-Ausfertigung. Für die Doktoranden ist dieses Verfahren billiger als der Papierausdruck. Die Kosten richten sich nach Umfang und Auflage der Arbeit, übersteigen jedoch selten mehr als ein paar hundert Mark. Wolfgang Müller von der Hochschulschriftenstelle an der Freien Universität Berlin berichtet, daß allein in diesem Jahr bereits 209 von insgesamt 584 Dissertationen an der FU auf Microfiche abgegeben wurden. Von der kostenlosen Möglichkeit, Dissertationen im Internet zu veröffentlichen, machen noch nicht viele Gebrauch; noch ist es auch nicht überall möglich. Vorreiterin ist hier die Fakultät für Naturwissenschaften der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau. "Bisher haben wir acht Arbeiten auf unserem Server, und bald werden auch die Informatiker hier nachziehen und die Publikation im Netz anerkennen", sagt Ingrid Thümer, stellvertretende Leiterin der Hauptbibliothek. Die Veröffentlichung auf Mikrofilm oder im Internet ist jedoch nicht für alle zukünftigen Doctores attraktiv. Schließlich ist diese Form nur etwas für Leute, die keinen Wert darauf legen, etwa im Verzeichnis lieferbarer Bücher des Buchhandels zu erscheinen. Dazu braucht man einen der zahlreichen Verlage, die Dissertationen herausgeben. "Wir nehmen aber nicht jeden, die Auswahl ist ja groß", warnt Marlene Braun vom Münchner Verlag Fink, der geisteswissenschaftliche Publikationen im Programm hat. Mindestens ein "cum laude" wollen fast alle Verlage sehen. Arbeiten ab dieser Benotung veröffentlicht der Frankfurter Peter Lang Verlag in speziellen Reihen. Die Kosten für die Veröffentlichung sind je nach Renommee des Verlags, Herstellungsaufwand und Auflage unterschiedlich. Am preiswertesten ist es, ein formatiertes, ungebundenes Manuskript, die sogenannte Reprovorlage, abzuliefern. Mit einigen Tausendern muß man jedoch trotzdem rechnen - selbst mit Druckkostenzuschuß. Eine solche finanzielle Förderung gewähren die unterschiedlichsten Institutionen und Stiftungen, in der Regel allerdings nur für Dissertationen, die mit der Note "summa cum laude" bewertet wurden. "Eine Selbstbeteiligung muß der Urheber immer leisten, betont Axel Walter, Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Wort. Weitreichenden, über das eigene Fach hinausgehenden Ruhm erntet man trotz allem selten, selbst wenn die üblichen 150 Exemplare in einem Buchverlag erschienen: Die wenigsten Dissertationen gehen in die zweite Auflage, so Melanie Sauer vom Peter Lang Verlag, obwohl manche Arbeiten vom Thema her interessant, nur eben aufgrund der Aufmachung schwer verdaulich seien. Sauer verweist auf das Beispiel USA, wo es keine Veröffentlichungspflicht gibt. "Wenn eine Doktorarbeit dort erfolgreich im Buchhandel besteht, dann meist in umgeschriebener Form." +++