Sie könnten bei jeder "Miss-Volleyball-Wahl" antreten: Susanne Lahme und Constance Radfan, beide einstmals in Berlin spielend. Bei Olympia gelten sie als Hoffnungsträger des deutschen Volleyball-Teams.Der Kontrast könnte größer kaum sein. Susanne Lahme zieht es nach Südamerika, Constance Radfan ins tiefste Bayern. Dabei spielten beide vor gar nicht allzulanger Zeit noch zusammen, beim damaligen SC Dynamo Berlin und dessen quasi Nachfolger CJD. Doch während die 26jährige Constance den Hohenschönhausern lange die Treue hielt, schlug die ein Jahr ältere Susanne aus ihrem sicherlich größeren Talent nach der Wende Kapital. "Ich habe jetzt drei Jahre in Italien bei absoluten Spitzenklubs gespielt, dort sehr viel gelernt", meint die Blonde mit dem Kurzhaarschnitt. "Nun ist mein Vertrag abgelaufen, die Italiener wollten verlängern. Doch ich habe lieber das Angebot aus Brasilien angenommen." Susanne Lahme wechselt zum brasilianischen Meister Nestle Campinas, dem inoffiziellen Klub-Weltmeister. Der wollte die Angreiferin unbedingt in sein Team holen, das außerdem mit der US-Amerikanerin Tara CrossBattle verstärkt wird. Von den Qualitäten der Amerikanerin kann sich Susanne Lahme in Atlanta überzeugen. Von denen der Brasilianerinnen sowieso, denn die sind einer der deutschen Vorrundengegner. Drei Gründe nennt die ehemalige Berlinerin, warum sie nach Brasilien geht: "Es ist erstens die Exotik in diesem volleyballverrrückten Land. Dann natürlich das Geld, denn ich bekomme ein Vielfaches von dem italienischen Gehalt. Und zum dritten ist es die neue Herausforderung." Eine neue Aufgabe sucht auch Constance Radfan, die 1983 aus Saßnitz auf Rügen zum SC Dynamo Berlin kam und neben Schwester Ariane und Maike Arlt über Jahre hinaus das Aushängeschild des DDR-Volleyballs war. Sie wechselt allerdings in die tiefste bayerische Provinz, zum TV Dingolfing. Warum? "Es ist die Liebe", begründet sie den Umzug. "Mein Freund wohnt in München, dorthin ziehe ich dann auch." Dingolfing schaffte in der zurückliegenden Saison den Bundesliga-Aufstieg, will sich nun vor allem mit der Nationalspielerin in der Klasse halten. Nach Olympia soll dann auch eine berufliche Perspektive für die gelernte Hotelfachfrau ausgehandelt werden. "Sportlich gibt es sicherlich eine Umstellung für mich", so Constance. "Dort wird nicht so viel wie bei CJD trainiert. Viele Spielerinnen studieren noch." Für Constance Radfan wie für Susanne Lahme gilt jetzt nur noch ein gutes Abschneiden bei Olympia. Und da heißt das Pflichtziel Viertelfinale bei dem am Sonnabend beginnenden Turnier."Gegen Kanada und Peru müssen wir gewinnen, dann ist das schon erreicht. Alles andere ist Kür, doch die wollen wir möglichst lange spielen", meint Susanne Lahme. Und da halten alle zusammen, egal, ob sie nach Brasilien oder Dingolfing wechseln. +++

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