Die Reinhold-Huhn-Straße in Berlin-Mitte heißt längst wieder wie eh und je: Schützenstraße. Der DDR-Straßenname hatte an einen zwanzigjährigen Grenzsoldaten erinnert, der unweit am 18. Juli 1962 erschossen worden war, als er im Vorfeld der Mauer von einer fünfköpfigen Gruppe die Ausweise verlangte. Der angesprochene Rudolf Müller griff in die linke Jackentasche, zog die Pistole, schoß Huhn aus nächster Nähe ins Herz und nachdem der niedergestürzt war noch in den Rücken. Dann floh Müller, der schon im Westen gewesen war und nun seine Familie nachholte, durch einen selbstgegrabenen Tunnel, der, nicht zufällig, auf dem Grundstück des Springerhochhauses endete. Dort war bereits eine öffentliche Fluchtfeier vorbereitet. Hermann Burnitz, seinerzeit Chef von "Bild"-Berlin, schenkte Whisky aus. Der damalige Senatspressesprecher Egon Bahr erklärte: Müller habe Huhn nur einen "Uppercut versetzt", bevor den die Kugeln der eigenen Leute getroffen hätten. "Schießwütige Vopos töteten eigenen Posten", so machte die Frontstadtpresse am nächsten Morgen auf.Diese Lügen sind nun in der Hauptverhandlung vor dem Berliner Landgericht widerlegt worden. Allein das hilft dem Rechtsfrieden auf. Das matte Urteil selbst ein Jahr auf Bewährung hätte das wohl kaum vermocht. Die Kammer hat die Wahrheit ermittelt. Mehr hat sie nicht getan.