Eigentum verpflichtet - so steht es im Grundgesetz. Doch der Bund als Eigentümer von rund 6 500 Wohnungen in Berlin ist selbst kein gutes Vorbild. Er lässt viele seiner Wohnungen in der Hauptstadt leer stehen. In Berlin sind 13,7 Prozent der Bundeswohnungen derzeit ohne Mieter. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor.Berlin gehört damit beim Vermietungsstand von Bundeswohnungen zu den Schlusslichtern. Nur in Sachsen und Thüringen (15,4 Prozent) sowie in Hessen, Rheinland Pfalz und dem Saarland (16,9 Prozent) sind noch mehr bundeseigene Wohnungen ohne Mieter. Zwar stehen in Berlin mit rund 108 000 Wohnungen generell sehr viele Unterkünfte leer. Doch durchschnittlich entspricht dies einer Quote von lediglich 5,7 Prozent der rund 1,9 Millionen Wohnungen. Der Leerstand bei Bundeswohnungen liegt mehr als doppelt so hoch.Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die die bundeseigenen Wohnungen verwaltet, räumt den hohen Leerstand ein. "Besonders schlimm" sei er in den ehemaligen Alliierten-Siedlungen Cité Foch in Waidmannslust, sowie in Düppel und in Spandau, sagt Bima-Verkaufsleiter Helmut John. Die Wohnungen der Cité Foch, die früher von den Franzosen genutzt wurden, seien sehr groß, hätten aber oft nur drei Zimmer, erklärt John. Es gebe ehemalige Offizierswohnungen mit 71 Quadratmeter großen Wohnzimmern. Für Familien sei das nicht attraktiv. Die bräuchten vier bis fünf Zimmer große Wohnungen. In Düppel ließen sich die ehemaligen Wohnungen der Amerikaner nur schwer vermieten, weil dort die Verkehrsanbindung schlecht sei. Der nächste S-Bahn-Haltepunkte am Mexikoplatz ist rund 1,5 Kilometer von dem Wohngebiet um die Lloyd-G.-Wells-Straße entfernt. Aber nicht nur die Größe der Wohnungen und die schlechte Lage befördert den Leerstand. In viele Wohngebäude wurde über Jahre hinweg nichts investiert, weil der Bund die Häuser verkaufen wollte. Davon ist er zwar weitgehend abgekommen. Die Wohnungen sind jedoch oft unattraktiv, die Mieten hoch.Im Durchschnitt kassiert der Bund für seine Wohnungen in Berlin eine Miete von 5,22 Euro (kalt) pro Quadratmeter Wohnfläche monatlich. Nur in München werden mit 5,61 Euro (kalt) höhere Mieten verlangt. 5,22 Euro sind auch weit mehr als in Berlin üblicherweise gezahlt wird. Laut Mietspiegel liegt die Durchschnittsmiete in der Hauptstadt bei 4,75 Euro je Quadratmeter monatlich. Der Berliner Mieterverein (BMV) fordert, dass der Bund die Preise senkt. "Viele Wohnungen sind einfach zu teuer", kritisiert der stellvertretende BMV-Hauptgeschäftsführer Reiner Wild. Notwendig seien aber auch Investitionen, um die Kosten für Heizung und Warmwasser zu verringern. Die Betriebskosten in den Bundeswohnungen seien hoch. Das schrecke viele Interessenten bei der Wohnungssuche ab, so Wild.Der Bauexperte der Grünen im Bundestag, Peter Hettlich, sieht es ähnlich. Er fordert, der Bund müsse sich mehr um seine Wohnungen kümmern. Wie wenig zeitgemäß die Ausstattung der Bundeswohnungen ist, zeigt ein Detail: Den Standard für barrierefreies Wohnen erfüllen gerade mal fünf Wohnungen - von 50 000 Bundeswohnungen in ganz Deutschland.Geld genug für Investitionen hat der Bund aus Wohnungsverkäufen eingenommen. In den vergangenen Jahren versilberte er bundesweit 13 550 Wohnungen, darunter 3 066 in Berlin. Rund 850 Millionen Euro kamen dadurch in die Kasse. Knapp 308 Millionen Euro durch die Verkäufe in Berlin.Der Bund will nun etwas gegen den weiteren Wohnungs-Leerstand machen, heißt es aus Kreisen der Bima. Große Wohnungen sollen attraktivere Grundrisse erhalten, die Mietpreise sollen der "Marktlage" angepasst werden.------------------------------Teurer ist nur MünchenDer Bund besitzt bundesweit rund 50 000 Wohnungen. Davon etwa 6 500 in Berlin und 2 300 im Land Brandenburg.Die Mieten in den bundeseigenen Wohnungen liegen in Berlin im deutschlandweiten Vergleich besonders hoch. In der Hauptstadt kassiert der Bund im Schnitt 5,22 Euro pro Quadratmeter monatlich (kalt). Nur München ist teurer. Am günstigsten sind die Quadratmeter-Mieten mit 4,23 Euro in Brandenburg.Der Leerstand bei den Bundeswohnungen liegt deutschlandweit bei 10,6 Prozent. In Berlin ist er mit 13,7 Prozent sehr hoch. Am geringsten ist er mit 2,9 Prozent in Baden-Württemberg.------------------------------Grafik: Das Einkommen in Berlin ist nicht Spitze, die Mieten in den Bundeswohnungen sind es hingegen schon.------------------------------Foto: Schwer vermietbar: die ehemaligen Alliierten-Wohnungen der Franzosen in der Cité Foch in Waidmannslust.