BERLIN. Die Ecke wird flach vor das Tor gespielt. Robert Dallmann braucht nur kurz hinzuschauen, bevor er den Ball mit Wucht unter den Querbalken befördert. Ein kurzes Lächeln, dann probiert es der Stürmer aufs Neue. Wenn Talente wie der 19-jährige Dallmann beim Training der Zehlendorfer Wespen auf dem Hockeyplatz stehen, fühlen sie sich sichtlich gut aufgehoben. Der Berliner Traditionsverein stellt von jeher ein Männer- und Frauenteam in der 2. Feldhockey-Liga. Die Männer spielten in der Saison 2005 sogar erstklassig.Doch nicht nur sportlich, sondern auch beruflich wollen die Zehlendorfer ihren Spielern künftig professionell zur Seite stehen. Talenten soll bei der Karriereplanung geholfen werden. Dabei können Ausbildungs- oder Praktikumsplätze von Vereinsmitgliedern zur Verfügung gestellt oder Seminare über Berufsbilder abgehalten werden.Datenbank für WünscheDer 16-jährige Fabian Elsholtz ist begeistert von dem Projekt: "Das ist eine tolle Idee, die einem viel mehr bringt als die paar Euro, die man sonst bekommen würde", sagt der U-18-Europameister. Elsholtz kann als Schüler zwar noch nicht von den Fördermöglichkeiten profitieren: "Aber später will ich Medizin studieren und dann kann der Verein mir bestimmt bei Praktika helfen." Seinem Kollegen Robert Dallmann konnte schon unter die Arme gegriffen werden. Der Bank-Azubi bestätigt das Engagement des Klubs: "Ich habe meinen Ausbildungsplatz auch wegen der Bemühungen von Vereinsmitgliedern bekommen."Das Prinzip ist einfach: Zunächst wird eine Datenbank aller Spieler erstellt, die sich in der Ausbildung oder im Studium befinden. Karrierewünsche werden notiert und beruflich erfahrenen Mitgliedern vorgelegt. Sie sollen im Rahmen ihrer Möglichkeiten Hilfe anbieten.Die Zehlendorfer Wespen wissen, dass junge Talente die Zukunft des Vereins darstellen; ihnen soll für ihre Leistung etwas zurückgeben werden. Die Idee ist des Förderns ist indes nicht neu. Rot-Weiß Köln, ebenfalls zweitklassig, führte voriges Jahr ein ähnliches Konzept ein, um fünf Nationalspieler verpflichten zu können, darunter Weltmeister Christopher Zeller. Trotzdem konnte Köln nicht aufsteigen.Für Zehlendorf steht eine andere Motivation im Vordergrund. "Heute kommen die Menschen drei Mal im Monat auf eine Partie Tennis vorbei, ohne sich mit dem Verein zu identifizieren", sagt Wolfgang Görlich, ehemaliger Präsident und eines von sieben zuständigen Ausschussmitgliedern, "das war früher anders." Ziel sei, dass Mitglieder künftig auch vereinsintern fragen, wenn sie einen Anwalt oder Maler benötigen und so ein Netzwerk aufbauen. Schließlich, sagt Görlich, soll bald wieder "jeder jeden kennen".Anreiz für StudentenZunächst müssen die jungen Wespen gehalten werden. Das Ausbildungsprogramm, dessen Konzept von den Spielern an den Klub herangetragen wurde, soll die Argumente liefern. Die Verantwortlichen hoffen auch, dass Talente, die zum Studieren nach Berlin kommen, durch die Initiative gelockt werden.Am 23. September beginnt die neue Spielzeit, das Ziel ist der Erstliga-Aufstieg. Die Chancen stehen gut. Mit ehemaligen und Perspektiv-Nationalspielern wie Florian Keller und Max Jesse sowie Talenten wie Elsholtz und Dallmann haben die Wespen einen vielseitigen Kader. Dallmann ist froh, überhaupt spielen zu können. "Das wäre bei meinem alten Klub nicht möglich gewesen. Viel Platz für Nachwuchsspieler hatten die im Bundesligakader nicht", sagt der 19-Jährige, der vorige Saison vom Berliner HC nach Zehlendorf wechselte. Dallmann hat zwar Ziele: "Mit den Wespen in der Bundesliga zu spielen ist mein absoluter Wunsch, am besten schon nächstes Jahr." Und wenn das nicht klappen sollte? "Dann bleibe ich trotzdem", sagt er. "Die tun hier so viel für die jungen Spieler, da muss man auch mal was zurückgeben."

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