Mitten drin und doch weit weg. Die Inseln Valentinswerder und Maienwerder im Tegeler See sind nur ein paar Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, aber von dem hektischem Treiben in der City ist dort nichts zu spüren. "Die Ruhe ist herrlich. Gerade jetzt im Winter", sagte Andreas Reuter, der als Inselwart auf Valentinswerder lebt. Aber nun fürchten die Insulaner, dass es auf ihrem Archipel künftig zu ruhig sein wird. Denn die Zukunft der Fährlinie, die das Festland mit den Inseln verbindet, ist ungewiss. Die Familie Burchardi, die mit ihrer "Odin IV" bislang hinüberfuhr, hat ihre Konzession für die Personenfähre zurückgegeben. "Aus personellen und aus finanziellen Gründen", wie Andreas Burchardi gestern der Berliner Zeitung bestätigte.Das Ende habe sich schon im Sommer angekündigt, berichtete Inselwart Reuter. Von den zwei Fährleuten sei einer nicht aus dem Urlaub zu seinem Arbeitgeber zurückgekehrt. Senior-Chef Wolfgang Burchardi musste einspringen, damit der Betrieb weitergehen konnte.Eine Dauerlösung ist das jedoch nicht. Hinzu kommt, dass das kleine Schiff seine Kosten bei Weitem nicht einspielt. "Die Personenfähre ist ein Verlustgeschäft", sagte Burchardi.Sie muss mit den Erträgen der Autofähre Tegelort-Hakenfelde, die ebenfalls von der Fährmannsfamilie betrieben wird, subventioniert werden. Aber auch dies sei auf Dauer nicht mehr möglich, hieß es. Staatliche Zuschüsse gibt es nicht.Darum will die Familie die Personenfähre nicht mehr weiter betreiben - zumindest nicht zu den bisherigen Bedingungen. "Die Konzession endet zum 31. Dezember 2010", sagte der Fährbetreiber. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bestätigte das. "Wir werden die Inselbewohner und die Inselnutzer aber nicht im Stich lassen", so Burchardi. "In den ersten Monaten des Jahres 2011 werden wir weitermachen" - so lange, bis mit dem Senat eine Lösung gefunden worden ist.Doch wie die aussehen könnte, ist ungewiss. Dem Vernehmen nach betrug der Verlust zuletzt rund 60000 Euro pro Jahr. "Nach dem jetzigen Stand der Diskussion wird es nicht so sein, dass der Senat einspringt und den Betrieb dieser Personenfähre subventioniert", teilte eine Sprecherin der Senatsverwaltung mit. "Vielleicht tut sich eine andere Möglichkeit auf und es gelingt, einen neuen Betreiber zu finden.""Wenn der Fährbetrieb enden müsste, würde sich das dramatisch auswirken", sagte der Kulturunternehmer Jochen Sandig, der mit seiner Familie ein Wochenendgrundstück auf Valentinswerder gepachtet hat. "Das ist hier keine Villengegend für Reiche, auf den Inseln stehen einfache Holzhäuser, die von Familien genutzt werden", berichtete der 42-Jährige, der unter anderem das Tanzensemble Sasha Waltz & Guests und das "Radialsystem V" am Ostbahnhof gegründet hat. Allein auf Valentinswerder werden rund 130 Grundstücke genutzt, sagte Reuter. Er und zwei Dutzend andere Menschen haben dort sogar ihren festen Wohnsitz. Die Inselvereine wie der Segelclub Frithjof-Haveleck, der rund 75 Mitglieder hat, sind ebenfalls auf die Fähre angewiesen. Auch Ausflügler mit und ohne Fahrrad, die sich Umwege sparen und lieber eine Schiffsfahrt genießen wollen, haben sie für sich entdeckt. "Wenn 2012 der Flughafen Tegel schließt, wird dieses Erholungsgebiet weiter aufblühen", so Sandig. "Berlin kann auf diese Fähre nicht verzichten."------------------------------Idylle im NordenIm Tegeler See im Norden von Berlin gibt es mehrere Inseln. Die größte von ihnen ist Scharfenberg, Standort eines Gymnasiums mit Internat. Auf Valentins- und Maienwerder befinden sich zahlreiche Wochenendgrundstücke, zudem haben dort mehrere Dutzend Menschen ihren festen Wohnsitz. Erst seit einigen Jahren besitzen die Inseln Stromanschluss.Die Personenfähre "Odin IV", ein 2002 gebautes Schiff für bis zu 50 Fahrgäste, stellte bislang die Verbindung nach Valentins- und Maienwerder her. Außerdem steuerte sie Anleger in Hakenfelde, an der Havelspitze in Spandau, in Tegelort und Saatwinkel an. Eine einfache Fahrt kostet je nach Strecke 50 Cent bis 1,20 Euro.------------------------------Karte: Berlin. So fuhr bislang die Personenfähre "Odin IV"Foto: Der Fähranleger in Saatwinkel, einem Ortsteil von Reinickendorf. Hier legte bislang die "Odin IV" zu den Inseln ab.