Das Berliner Polizeiverwaltungsamt muss sich möglicherweise auf eine Klagewelle gefasst machen. Wie die Gewerkschaft der Polizei (GdP) gestern mitteilte, bestehe der Verdacht, dass das vom Polizeiabschnitt 18 genutzte Dienstgebäude am Blankenburger Pflasterweg 97 asbestverseucht ist. Eine Untersuchung soll heute klären, ob sich die Vermutung bestätigt. Für diesen Fall schließt GdP-Chef Eberhard Schönberg nicht aus, dass Schadensersatzansprüche von Mitarbeitern geltend gemacht werden könnten, die an den Folgen der Asbest-verseuchung leiden. Nach Angaben der GdP hat der Polizeiabschnitt 18 seit Oktober seinen Sitz in dem dreigeschossigen Plattenbau im Pankower Ortsteil Blankenburg. In dem Haus sind für die Dauer von anderthalb Jahren 130 Beamte untergebracht, weil deren eigentliche Wache an der Idastraße in Niederschönhausen renoviert wird. "Mitarbeiter haben uns bereits im Oktober darauf hingewiesen, dass immer wieder weißer Staub auf ihre Schreibtische rieselt", sagt Personalrat Dietmar Ottow. Er vermutet, dass es sich dabei um Asbest-Partikel handelt, die die Lungen der Polizeibeamten angreifen. "Einige Kollegen klagen über Hustenreiz oder einen Belag auf ihren Zungen." Bereits im vergangenen Jahr hatte die GdP das Gesundheitsamt Weißensee eingeschaltet. "Doch von dort bekamen wir den Hinweis, dass der Staub von den Gipswänden stammt", sagt Ottow. Eine Gefahr für die Polizeibeamten sei ausgeschlossen, hieß es. "Daraufhin schalteten wir das Landesamt für Arbeitsschutz ein." Nun soll das Institut für Arbeits- und Sozialhygiene Proben von den Wänden des Dienstgebäudes nehmen. "Ist das Ergebnis positiv, muss das Gebäude unverzüglich geräumt werden", sagt GdP-Chef Schönberg. Zudem will die Gewerkschaft zu einer außerordentlichen Mitarbeiterversammlung einladen und den betroffenen Beamten Rechtshilfe anbieten.Verdacht schon 1991Das Berliner Polizeipräsidium will sich zu dem Asbestverdacht zunächst nicht äußern. "Wir warten erst die Untersuchungsergebnisse ab", sagt Sprecherin Gabriele Gedaschke. Spätestens am Freitag sollen die ersten Werte vorliegen.Einen Asbestverdacht am Blankenburger Pflasterweg hatte es bereits 1991 gegeben. Damals war der inzwischen verbotene Baustoff in zwei baugleichen Gebäuden auf dem Polizeigelände festgestellt worden. Ein Gutachten kam zu dem Schluss, dass für die dort untergebrachten Mitarbeiter der Polizeihundertschaften und weiterer Einrichtungen der Direktion 1 keine gesundheitliche Gefahr ausgeht, solange die Wände nicht durchbohrt oder eingerissen werden. "Doch der weiße Staub kommt nicht vom Himmel", sagt Dietmar Ottow. Er glaubt, dass die Gefahr jahrelang weitaus größer war, als bislang angenommen.