Diesen Film kann man genießen wie einen exotischen Cocktail unter Palmen. Schon möglich, dass etwas zu viel Zucker drin ist, offenbar wird auch unser klares Urteilsvermögen davon leicht benebelt, doch ein Genuss ist es eben doch. Schon während wir mit großen Vorbehalten an den ersten Bildern nippen (schließlich haben wir es mit der Unverschämtheit eines Klassiker-Remakes zu tun), kapitulieren wir nur allzu gerne vor der Eleganz und Finesse der Bilder und vor der ungewöhnlichen, swingenden Montage. Regisseur John McTiernan, der bisher für die Geschwindigkeit seiner Action-Storys ("Die Hard") bekannt war, hat hier seine Fertigkeit mit einem romantischen Hochglanz-Thriller gekreuzt, und dabei dem Material einen neuen innovativen Glamour abgewonnen.McTiernans "Die Thomas Crown Affäre" ist eine der wenigen Neubearbeitungen alter Hollywood-Filme, die es verdienen, als eigenständige Leistung gewürdigt zu werden. Statt sich darauf zu beschränken, neue Gesichter für alte Rollen zu findet, hat man hier sowohl die Geschichte als auch die Charaktere und die Stimmung für unsere Zeit neu erfunden. Aus dem Milliardär Thomas Crown, der in dem Film von 1968 einen Bankraub ausheckte, um seine langweiligen Tage aufregender zu gestalten, ist nun ein Gentleman-Geschäftsmann geworden, der einen Kunstraub orchestriert und ausführt. Der Bankraub ist mittlerweile schließlich ein allzu gemeines Verbrechen, das nur noch arme Leute mit schlechter Schulbildung ausüben. Thomas Crowns neues Objekt der Begierde, ein Gemälde von Monet, hängt in einem Museum, das dem Metropolitan Museum ähnelt. Steve McQueens Crown hatte alles aus der Ferne geplant und dann ausführen lassen, Pierce Brosnan, der jetzt den Titelhelden spielt, legt selbst Hand an. Denn er schätzt den Kitzel der unmittelbaren Gefahr. Die Planung und Ausführung des Verbrechens ist hier zwar immer noch das elegante Spiel eines Übersättigten. Anders aber als der erste Crown begehrt sein Nachfahre etwas, was er nicht hat und mit seinem Geld auch nicht kaufen kann: Das Kunstwerk hat einen hohen Versicherungswert, aber keinen Preis. Habgier heißt das neue Motiv, das das Spiel des Playboys mitbestimmt. Pierce Brosnan erschafft einen Thomas Crown, dessen coole Sanftheit der Gewissheit entspringt, dass ihm alles möglich ist; er hat diese unterkühlte Selbstsicherheit schon als James Bond sehr geschmeidig praktiziert. Die Versicherungs-Detektivin Catherine Banning (Rene Russo), die den Fall lösen soll, könnte man sich in der Chefetage einer großen Modefirma vorstellen. Ihre Kleidung ist geschmackvoll teuer, ihre Make-up erlesen, ihre Frisur sorgsam sorglos hingeföhnt. Ihr Auftreten ist kämpferisch, siegessicher und selbstbewusst. Sie hat die Erotik eines Wüstenwindes. Natürlich sieht sie so ausgeruht und entspannt aus, wie arbeitende Menschen eben nur im Kino wirken. Sie erklärt Crown ohne Umschweife, dass sie ihn verdächtigt und zu überführen gedenkt. Dadurch wird sie für ihn unwiderstehlich. Er nimmt die Herausforderung mit der Andeutung einer verführerischen Geste an. Rene Russo ist der aktive Part in dem erotischen Tauziehen. Pierce Brosnan dagegen gibt sich gemessen einladend. Sein Aussehen und sein Geld ergeben zusammen den Duftstoff, der die Partnerin anziehen und die Bereitschaft zur Paarung signalisieren soll. Er ist da, sonst tut er nicht viel. Sicher wird es viele Leute geben, die Brosnans Darstellungsweise als Beweis seiner schauspielerischen Unfähigkeit sehen. Vielleicht haben sie sogar Recht. Aber hier führt sie zur überraschenden Wirkung, einer Verdrehung der klassischen Hollywood-Rollen-Verteilung, die zumindest Regisseur McTiernan bewusst ausspielt. In Norman Jewison Fassung war es Steve McQueen, der als Erster weich wurde, hier ist es die starke Rene Russo, die schließlich ihre Verletzlichkeit zeigt. Ihre Wandlung von der Katze zur Maus ist allein schon so spannend wie die ersten drei Teile von "Die Hard". Auch die Nebenfiguren geben der Geschichte einen interessanten Beigeschmack: Dennis Leary verkörpert einen skeptischen Polizisten, dem die Aufgabe zufällt, mit einer knappen Bemerkung und einer guten Portion unausgesprochener Missbilligung die Eskapaden der Reichen zu kommentieren. Faye Dunaway, die in der ersten Fassung McQueens (Schach-) Partnerin war, tritt hier als Crowns Psychoanalytikerin auf, die sich mit offenbar zynischer Freude seine Probleme erzählen lässt. Natürlich gilt ihr Lächeln eigentlich der Neufassung ihres Films, und ihre Präsenz stellt die Kontinuität der Film-Historie her. Ihre Auftritte sind kurz und witzig, auch wenn sie der Logik der Story nicht zugute kommen: Thomas Crown ist nicht der Mann, der sich in Analyse begibt. Aber das ist nur einer der kleinen Fehler, in der ansonsten spiegelglatten Oberfläche des Films. Dem brillanten Unterhaltungseffekt tun die kleinen Ungereimtheiten keinen Abbruch. Die Thomas Crown Affäre (The Thomas Crown Affair) USA 1999, 110 Min. Regie: John McTiernan, Drehbuch: Leslie Dixon und Kurt Wimmer. Darsteller: Pierce Brosnan, Rene Russo, Denis Leary, Faye Dunaway.Solch ein flauschiges, sorgsam weichgespültes Handtuch kann die Annäherung von Rene Russo an Pierce Brosnan nur begünstigen.