KREUZBERG. Es gibt Tage, an denen es Dieter Baumgartl gar nicht erwarten kann, dass endlich Feierabend wird. Nicht, damit er dann faul zu Hause sitzen kann sondern um weiterzuarbeiten. Am Tage kümmert sich der Hauswart um die Wohnungen von 345 Mietern, abends um sich. Dann kann er es kaum erwarten, Stirnlupe, Pinzette, Lötkolben und Speziakleber auf seinen Wohnzimmertisch zu legen, den Fernseher anzuschalten und seinem Hobby zu frönen. "Das ist so entspannend", sagt er. Kleine Schätze und Reichtümer hat der 61-jährige Kreuzberger Hauswart in den vergangenen zweieinhalb Jahren an vielen Abenden geschaffen. Er hat Kronen, Diademe und Broschen originalgetreu nachgebildet. Einst trugen sie englische und preußische Herrscher zu feierlichen Anlässen. Baumgartl könnte sie tragen , wann immer er will. Er tut es nicht. "So weit geht mein Faible nun auch nicht", sagt er. Zu seinen Schätzen gehört die St.Edwards-Krone aus dem 17. Jahrhundert, die bei Krönungszeremonien heute noch getragen wird. Auch den Lieblingskopfschmuck von Queen Elizabeth hat Baumgartl kopiert: die Imperial-State-Crown. Die echte Krone besteht aus 3 250 Diamanten. Die Queen trug sie am 2. Juni 1953 anlässlich ihrer Thronbesteigung in der Westminster Abbey in London. Da war Dieter Baumgartl zehn Jahre alt. Er sah die Queen im Fernsehen und war begeistert. Als Baumgartl vor drei Jahren auf dem Trödelmarkt ein Buch über englische Kronen fand, wurde seine Leidenschaft wieder geweckt und seine Feierabende zur Arbeitszeit. Mittlerweile stehen die Schmuckstücke in seiner ganzen Wohnung verteilt. "Es sind alles meine Lieblingsstücke", sagt Baumgartl. "Ich habe so viele Lieben in sie investiert", sagt der Hobbybastler. Als die englischen Kronjuwelen fertig waren, nahm er sich die preußischen vor. Darunter sind auch die Kronen von Sophie Charlotte und Friedrich I. Fünf preußische Kronen hat sich Baumgartl vergolden lassen. Die sind jetzt richtig wertvoll. Wenn er über seinen Schätzen sitzt und bastelt, denke er an die damalige Zeit, sagt Baumgartl. Die Modelle baut er aus Knetmasse, fertigt eine Silikonform und gießt diese mit Zinn aus. Manchmal muss er das 50-mal tun, wenn der Schmuck aus so vielen Einzelteilen besteht. Sägen, Bohren, Fräsen, Löten sind die nächsten Arbeitsschritte. Glitzernde Steine, die an die Krone kommen, lässt sich Baumgartl aus Österreich schicken, andere Verzierungen besorgt er sich auf Mineralien-Messen, bemalt sie mit Glasfarben. "Es muss doch original aussehen", sagt er. Als Nächstes will er französischen Schmuck herstellen. Da hat er wieder viel zu tun. Doch zuvor macht Dieter Baumgartl erstmal eine Sommerpause. "Ich habe 20 Jahre lang keinen Urlaub gemacht", sagt er. Sein Hobby sei ihm wichtiger gewesen. Vielleicht muss er seine Kronjuwelen in den Glasvitrinen zu Hause auch einfach nur bewachen. Denn wertvoll ist er auch, der Schatz von Kreuzberg. Bis zum 24. Juli sind die Kronjuwelen von Dieter Baumgartl zu den normalen Geschäftszeiten in den Schönauser Allee Arcaden zu besichtigen.------------------------------Foto (2):Ein Herz für viele Kronen: Der Kreuzberger Hausmeister Dieter Baumgartl baut Juwelen englischer und preußischer Königshäuser nach und stellt sie auch manchmal aus.Das Diadem von Kaiserin Auguste Victoria.