Es ist ein besonderer Geburtstag - und es ist zugleich einer, der besonders gut ins normale Berufsleben des Mannes passt. Dieter Schröder wird 70 Jahre alt an diesem Freitag - und er hält sich in London auf, um zu arbeiten. Denn, da mag passieren, was will: Als Journalist und Autor wird er arbeiten immerfort. Und London ist ihm eine liebe Stadt.Dieter Schröder, geboren 1931 in Berlin. Er war: Bonner Korrespondent der "Süddeutschen Zeitung" (ab 1953), "Spiegel"-Reporter (1964 - 1965), SZ-Korrespondent in London (1966 - 1972), Mitglied der SZ-Chefredaktion (ab 1976) und alleiniger Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung" (1985 - 1995). Er ist: Herausgeber der "Berliner Zeitung" seit 1996.Spontaneität und SelbstkontrolleDiese zehn Zeilen markieren nur die dürren Berufsdaten eines deutschen Journalisten und sagen trotzdem schon viel über die Bedeutung des Publizisten und Autors: Er hat an seinem Platz und mit seinen Mitteln Deutschland mit aufgebaut nach dem Krieg. Er hat das Land, dessen Politik und deren Wandlungen schreiberisch begleitet, bewertet und beeinflusst. Es gibt nicht mehr viele von seiner Art und seinem Gedächtnis. Im Journalisten schlummert auch das Verlegerische; gelegentlich bewegt es sich. Im Journalisten Schröder hat es sich immer sehr stark bewegt. Wer mit ihm zusammengearbeitet hat, erfuhr deshalb viel auch von seiner verlegerischen Ambition. Das ist der unstillbare Drang, publizistische Zeichen zu setzen, Meinungsführerschaft zu organisieren, Verantwortung zu tragen für erfolgreiche Zeitungen von Qualität und Rang. Und in der gleichen Person ist da der unerhörte Eifer, sich als schreibender Journalist tagtäglich in die aktuelle politische Diskussion einzumischen und dabei zu helfen, dass die öffentlichen Angelegenheiten vorangetrieben werden. Beides tun zu können, ist ein Privileg. Schröder hat es genutzt und genossen.Wie soll man das Wesentliche über ihn sagen, ohne ihm zu nahe zu treten? Wie ihn bewundern, ohne ihm zu erliegen? Dieter Schröder war und ist ein hochkomplexes System, die schwierige Mischung aus einem waghalsig spontanen Staatsbürger und einem überaus kontrollierten Journalisten. Anders gesagt: Als Beobachter und spontaner Kommentator der Politik - das Politische, also: die öffentlichen Angelegenheiten sind sein Metier - reagiert er ungemein emotional, in der schreiberischen Analyse und Bewertung von Politik indes bewegt er sich mit großer Rationalität und Selbstkontrolle. Das ist es, was aus ihm einen großen Journalisten gemacht hat.Und so ist es gut und wichtig, dass Dieter Schröder, 70 hin oder her, nicht auf das Altenteil entschwindet, sondern weitermacht in genau dieser Mischung aus Emotion und Rationalität: Ab 1. März wird er die Herausgeberschaft der "Berliner Zeitung" niederlegen. Und aufleben wird er als Leitartikler und ständiger Autor der "Berliner Zeitung".Deren Redaktion wünscht ihm - öffentlich, wie es sich gehört - alles Gute!Martin E. Süskind