Sie rasen, sie fahren betrunken, begehen Fahrerflucht oder stehlen: Diplomaten und deren Angehörige werden immer häufiger bei Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten ertappt.Der jüngste bekannte Zwischenfall ereignete sich am 27. Dezember in Spandau. Gegen 16.20 Uhr war in der Ohmstraße ein Botschaftsangehöriger aus Saudi-Arabien mit einem schwarzen Mercedes-Benz gegen einen Smart geprallt. Der Fahrer des Kleinwagens hatte an einer Ampel gewartet. Bei dem Aufprall wurde er verletzt. Der Unfallverursacher kam ungeschoren davon, denn die Polizei darf gegen Diplomaten kein Verfahren einleiten. Auch die Gattin eines bulgarischen Diplomaten, die am selben Tag in einer Kaisers-Filiale in der Friedrichstraße beim Diebstahl erwischt wurde, hat nichts zu befürchten. Ein paar Tage zuvor tankte ein Mercedes-Benz der polnischen Botschaft an der Shell-Tankstelle am Hohenzollerndamm in Charlottenburg. Der Fahrer fuhr davon, ohne zu zahlen.Vor allem VerkehrsdelikteDerartige Fälle haben zugenommen, sagen Polizisten. Diplomaten wissen, dass ihre Immunität jede Strafverfolgung durch deutsche Behörden ausschließt. Es interessiere manche Abgesandte und deren Mitarbeiter nicht, wenn sie Verkehrsregeln verletzen.Am häufigsten fallen Diplomaten mit Verkehrsdelikten auf. Im Jahr 2009 zählte die Innenverwaltung 8610 Zwischenfälle, an denen Autos von diplomatischen Vertretungen beteiligt waren. Ein Jahr zuvor waren es 8398 Delikte. Bußgelder in Höhe von 180010 Euro wären dafür fällig gewesen, wurden aber wegen der Immunität nicht erhoben. Eine Statistik für 2010 gibt es noch nicht, Fachleute rechnen jedoch mit einem weiteren Anstieg.Noch frisch in Erinnerung ist bei Polizisten des Abschnitts 25 in Charlottenburg ein türkisches Diplomatenfahrzeug, das vor ein paar Wochen in der Marburger Straße ein geparktes Auto streifte. Dabei fiel ein Nummernschild des geparkten Wagens ab. Der Fahrer des Diplomatenautos stieg aus und legte die Nummer an die Frontscheibe des beschädigten Autos und ging weg - ein Fall von Unfallflucht.Am meisten fallen saudi-arabische und russische Diplomaten als Verkehrsrowdys auf. Die Plätze drei, vier und fünf belegen laut Innenverwaltung China, Ägypten und Frankreich. Insgesamt sind in Berlin mehr als 3000 Autos mit Sonderkennzeichen des Diplomatischen Korps und internationaler Organisationen zugelassen.Die Polizei musste sich in den vergangenen drei Monaten nicht nur mit Verkehrsdelikten von Diplomaten befassen, sondern auch mit Diebstählen. So wurden Fahnder in einen Ullrich-Markt in die Kantstraße gerufen. Dort hatte der stellvertretende Polizeiattaché der Botschaft Frankreichs eingekauft. An der Kasse legte er eine Dose Nivea-Creme nicht vor, sodass die Diebstahlsicherung beim Verlassen des Geschäfts Alarm auslöste. Der Detektiv glaubte nicht an ein Versehen und bat deshalb den Diplomaten in sein Büro. Im Oktober stoppte eine Streife auf dem Parkplatz am Olympischen Platz ein Auto. Am Steuer saß ein 13-jähriger Junge. Der ägyptische Vater des Kindes saß daneben. Er zeigte seinen Diplomatenausweis und sagte, dass er seinen Jungen einmal fahren lassen wollte.Beschwerde beim AmtSolche Fälle werden gern diplomatisch verschwiegen. Die Polizei darf nicht ermitteln, es sei denn, ein Diplomat ist dabei, eine schwere Straftat zu begehen. Meistens bleibt den Sicherheitsbehörden nur, das Auswärtige Amt zu informieren. Häufen sich die Fälle, werden die Gesandten ins Außenministerium zitiert. In solchen Fällen werde dem Botschafter vorgeschlagen, den straffällig gewordenen Mitarbeiter auszutauschen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes passiere dies jedoch sehr selten. Zum Beispiel im Fall des bulgarischen Botschafters, der im Jahr 2007 Deutschland verlassen musste. Die Polizei sah ihn Schlangenlinien fahren und stoppte ihn. Er hielt kurz, gab Gas und versuchte zu flüchten. Dabei fuhr er einen Polizisten an und verletzte ihn. Vor zwei Jahren musste ein mongolischer Diplomat gehen. Er hatte Millionen Zigaretten im Diplomatengepäck geschmuggelt.------------------------------Foto: Mehr als 3000 Autos sind in Berlin auf Diplomaten zugelassen. Nur die wenigsten werden in Unfälle verwickelt.