Die Zahl der Botschaften in Berlin wächst von Woche zu Woche. Nachdem in der vergangenen Woche Israel seine Vertretung in Schmargendorf eröffnet hatten, weihte am Donnerstag Indien seine Botschaft an der Tiergartenstraße ein. Jetzt steht der Neubau aus rotem indischen Stein zwischen der Landesvertretung Baden-Württembergs und der südafrikanischen Botschaft direkt am Park. Außer Botschafter Ronen Sen waren bei der Eröffnungsfeier auch der indische Außenminister Jaswant Singh und sein deutscher Amtskollege Joschka Fischer anwesend. "Zufällig feiern wir in diesem Jahr auch das 50-jährige Bestehen der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten", sagt Singh.Wie bei religiösen ZeremonienNach einer Tradition aus dem Süden Indiens entzündeten Fischer und Singh sechs kleine Flammen an einer kunstvoll verzierten Lampe. "Das Licht soll die Dunkelheit vertreiben, es bringt Hoffnung und Sieg in das neue Haus", erklärt der Sprecher der Botschaft Malay Mishra. Auch bei religiösen Zeremonien würden in Indien Lichter angezündet.Der moderne Neubau, den das Berliner Architekturbüro Léon Wohlhage Wernik entworfen hat, ist rund 3 400 Quadratmeter groß und wurde nach einer Bauzeit von knapp zwei Jahren fertig gestellt. Hier werden künftig 70 Personen arbeiten. "Unser Botschaftsgebäude verbindet Traditionelles mit Modernem", sagt Botschafter Ronen Sen, und verweist auf die filigran gearbeiteten, raumhohen Trennwände aus Stein, die so genannten Jalis. Der Stein, der für die schlichte Außenfassade verwandt wurde, stamme aus dem Staat Rajasthan, der Heimat des Außenministers.Ronen Sen wolle während seiner Amtszeit vor allem sein Land bekannter machen, sagt er. "In den meisten Köpfen gibt es noch zu viele Klischees über Indien." "Viele Menschen haben eine sehr romantische Vorstellung von Indien oder denken, es sei ein armes Land. Sie wissen nicht, dass es zu einem der führenden Länder in Wissenschaft und Technologie gehört." Zwischen dem Umzug aus Bonn und der Eröffnung des Neubaus im Tiergartener Diplomatenviertel erledigte der Botschafter seine dienstlichen Geschäfte etwa ein Jahr lang in der Außenstelle der Botschaft in Pankow. Die private Residenz des Botschafters und seiner Familie liegt an Podbielskiallee in Dahlem.In Berlin leben ungefähr 3 000 Inder. "Das sind Geschäftsleute, Studenten, aber auch Leute die an Austauschprogrammen teilnehmen", sagt Botschaftssprecher Mishra. Viele seien mit deutschen Ehepartnern verheiratet und lebten seit Jahren in Berlin. "Dazu kommen natürlich die Experten aus der Computer-Branche."BLZ/MARKUS WÄCHTER Der Neubau der indischen Botschaft in Tiergarten.