BERLIN. Das passt. "Wenn ich nicht Fußballer geworden wäre, wär' ich heute Fischer, genau wie mein Vater", sagt Dirk Kuyt. So wie er redet, spielt der holländische Nationalspieler auch Fußball. Ehrlich, geradlinig und hemdsärmelig. So viel solide Arbeit fällt auf in einem Team, dass bei der EM mit dem leichten Spiel seiner Ballkünstler Rafael van der Vaart, Wesley Sneijder, Robin van Persie sowie Ruud van Nistelrooy verzückt und schon vor der letzten Vorrundenpartie heute gegen Rumänien fürs Viertelfinale qualifiziert ist. Kuyt, der Mann aus dem rechten Mittelfeld, umschreibt seine Aufgabe im Team denn auch so: "Ich will wichtig sein für Oranje, das ist mein Ziel."Wichtig ist er, Dirk Kuyt, nicht allein durch seine Laufarbeit auf der Außenbahn. Zwei Tore hat er bei der EM vorbereitet und gegen Frankreich das 1:0 selbst erzielt. Jeder kann Tore schießen, schwärmen sie in Hollands Team. Kuyt sagt nur: "Jeder gönnt dem anderen Erfolg."Dirk Kuyt, 27, verkörpert den eher unbekannten holländischen Stil, er entstammt einer anderen holländischen Fußballschule. Seine Profikarriere begann 1998 in Utrecht, 2003 wechselte er zu Feyen-oord Rotterdam. Dort in der Stadt der Hafenarbeiter schätzen sie den kämpferischen Fußball, anders als im Finanzzentrum Amsterdam, wo Ajax das elegante Passspiel pflegt. Rasch stieg Kuyt bei Feyenoord zum Working Class Hero auf, nicht nur weil der Stürmer die wichtigen Tore erzielte; sondern auch, weil er in drei Spielzeiten nur ein Pflichtspiel verpasste. Vor zwei Jahren wechselte er nach Liverpool, wo er ins rechte Mittelfeld beordert wurde.So viel Pflichtbewusstsein und Vielseitigkeit gefallen Marco van Basten. Kuyt entspricht seinem Ideal des Teamspielers. Der Auswahltrainer hat ihn 2004 erstmals in Hollands Team berufen, in 51 Partien stand Kuyt 40 Mal im Aufgebot. Sollen sie alle reden über die Nistel-rooys und Van der Vaarts. Van Basten weiß, wie wichtig die stillen Arbeiter sind für ein Team. 1990 hat er als Spieler in Italien den WM-Titel verpasst, auch weil die Mannschaft zerstritten war. Daher mag Van Basten keine eitlen Spieler wie Edgar Davids oder Clarence Seedorf. Er mag Kuyt, Mathijsen und Ooijer, solide im Spiel, aber mannschaftsdienlich. Erst sie verschaffen Van der Vaart, Sneijder und Robben die Freiheit, die sie für ihr Spiel brauchen."Eine Mission. Ein Ziel. Zusammen sind wir Oranje", steht auf Hollands Teambus bei der EM. Es ist, als hätte Van Basten das Motto ausgewählt. Sein Musterschüler Kuyt sagt nur: "Es ist einmalig, wie diese Gruppe harmoniert." Harmonie kann weit tragen in einem Turnier.