SCHWERIN, 8. Oktober. Pünktlich zur zweiten Sondierungsrunde mit der PDS am Donnerstag in Schwerin hatte Harald Ringstorff sein Poker-Gesicht aufgesetzt. Fast sechs Stunden und zwei Auszeiten später waren sich die beiden Linksparteien inhaltlich offenbar weitgehend einig geworden. Programme zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit würden SPD und PDS auf den Weg bringen, so PDS-Chef Helmut Holter im Anschluß an die Gespräche mit der SPD, jedem Jugendlichen des Landes wolle man einen Ausbildungsplatz garantieren und die Finanzkraft der Kommunen stärken. Nur in der Finanzpolitik gibt es zwischen SPD und PDS offenbar noch deutliche Differenzen. Dabei war die PDS in der zweiten Sondierungsrunde der SPD deutlich entgegengekommen. Die PDS will ihre Forderungen mit den 350 Millionen DM aus den EU-Strukturfonds finanzieren, die dem Land ab dem Jahr 2000 zusätzlich zustehen. Dennoch konnten sich SPD und PDS in der zweiten Verhandlungsrunde offenbar nicht auf die Höhe der Nettoneuverschuldung einigen. Von der für das Jahr 2000 vorgesehenen Obergrenze von 600 Millionen Mark will die SPD allenfalls 25 Millionen pro Jahr abweichen. Ein Teil der PDS-Delegation, darunter Holter, soll sich damit einverstanden erklärt haben. Andere sollen stikt dagegen gewesen sein. Damit hatte Ringstorff geschickt den Konflikt in die PDS hineingetragen und konnte nach den Gesprächen unerbittlich darauf beharren, die PDS habe "noch Klärungsbedarf".Harald Ringstorff genießt die Rolle des Wahlsiegers. Eine "stabile Regierung" will er bilden, sagt er, viel mehr nicht. Bevor am Sonntag eine Entscheidung fällt, will er erst den Gremien der Partei berichterstatten. "Nein", sagt Ringstorff, nichts sei entschieden, nichts sei präjudiziert. Das Terrain für die rot-rote Liaison ist längst bereitet. Die Parteibasis ist mehrheitlich gegen die Fortsetzung der großen Koalition. "Dies ist das Echo nach dem Wahltag", so SPD-Landesgeschäftsführer Nikolaus Voss. Nur die Frage, ob es zur ersten rot-roten Koalition kommt oder wie in Magdeburg zu einer von der PDS tolerierten SPD-Minderheitsregierung, scheint bis Sonntag vollkommen offen. Dies hänge davon ab, so Voss, "was man beiden Parteien zumuten könne".