POTSDAM. Es galt bisher als Sieg der Demokraten, dass Neonazis im November 2006 nicht am Soldatenfriedhof in Halbe aufmarschieren durften und nach Seelow ausweichen mussten. Doch der Erfolg erhält nun einen faden Beigeschmack. Denn ausgerechnet im Marschblock der Rechtsextremisten in Seelow erkannten zwei Beamte des Landeskriminalamtes (LKA), die an jenem 18. November in der Kleinstadt Dienst taten, einen Kollegen. Das bestätigte gestern die LKA-Sprecherin Bärbel Cotte-Weiß. Gegen den Beamten, der im Bereich der Organisierten Kriminalität im LKA tätig war und offenbar in seiner Freizeit am so genannten Heldengedenken teilgenommen hatte, wurden zunächst Verwaltungsermittlungen eingeleitet. Er habe gegen die sogenannte Wohlverhaltenspflicht verstoßen, an die jeder Beamte gebunden sei, hieß es. Seit dem 8. Januar läuft gegen den Kommissar aus Eberswalde zudem ein Disziplinarverfahren."Der Beamte wurde in eine andere Dienststelle außerhalb des Landeskriminalamtes abgeordnet", sagte die LKA-Sprecherin. Medienberichte, nach denen der relativ junge Beschuldigte Kollegen gegenüber offen mit der NPD sympathisiert haben soll, konnte die Sprecherin nicht bestätigen.Das Potsdamer Innenministerium kritisierte die schleppende Informationspolitik des LKA. "Der Vorfall hätte laut Erlasslage dem Innenministerium unverzüglich mitgeteilt werden müssen", sagte Ministeriumssprecherin Dorothée Stacke gestern. Der Fall werde intensiv geprüft.Geprüft wird von den Juristen des Ministeriums, welche disziplinarrechtlichen Möglichkeiten es überhaupt gebe, wenn ein Polizeibeamter tatsächlich ein bekennender Rechtsradikaler sei. Zwar seien Beamte auch außerhalb ihres Dienstes an eine Wohlverhaltenspflicht gebunden und müssten "auf dem Boden des Grundgesetzes" stehen, hieß es. Andererseits ist selbst die NPD keine verbotene Partei.Der Rechtsextremismus-Experte Bernd Wagner, selbst ehemaliger Kriminalist, schult Polizeibeamte im Staatsschutz. "Die bei weitem meisten brandenburgischen Polizeibeamten, die ich kenne, haben ein gefestigtes demokratisches Weltbild", sagte Wagner. Aber es gebe natürlich auch Beamte, die diese demokratische Grundfestigkeit noch nicht so verinnerlicht hätten. "Bei solchen Menschen spielt die Erfahrung mit der Ausländerkriminalität, aber auch das dumpfe, stimmungsgeleitete Völkische im persönlichen Umfeld eine besondere Rolle", sagte Wagner. Ideologisierte Neonazis im Polizeidienst halte er für "eine absolute Rarität".Inzwischen bereitet sich die Polizei auf den nächsten Großeinsatz im Neonazi-Milieu vor: Unter dem Motto "Deutschland ist Abgemerkelt! Brandenburg auch! Danke Schönbohm" will die NPD am 27. Januar in Frankfurt (Oder) gegen den dort stattfindenden CDU-Parteitag, bei dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet wird, demonstrieren. Die NPD rechnet mit 200 Sympathisanten. Brisant an dem NPD-Aufmarsch ist: Der 27. Januar ist der Holocaust-Gedenktag, an dem sich die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee zum 62. Mal jährt.Frankfurt gegen Aufmarsch"Wir haben keine Tabutermine", sagte NPD-Landeschef Klaus Beier, bestritt jedoch einen Zusammenhang. Klar aber scheint, dass die rechtsextreme NPD immer konzertierter gegen die demokratischen Parteien vorgeht. Hinter dem Aufmarsch steckt offenbar die neue Strategie der NPD, demokratische Parteiveranstaltungen systematisch zu begleiten. "Alle Landesparteitage der ,Systemparteien' bekommen Besuch von uns", sagte Beier. Er verwies darauf, dass NPD-Leute bereits an den Orten der Landesparteitage der SPD in Fürstenwalde und von Bündnis90/Die Grünen in Halbe protestiert hatten.Selbst gegen eine Gegendemonstration, zu der die Pressestelle der Stadt Frankfurt (Oder) aufgerufen hatte, ging die NPD juristisch vor. Die städtischen Bediensteten sollten ihre politische Neutralitätspflicht nicht verletzen, forderten die Rechtsextremen.Die Stadt und die Initiative "Plattform gegen Rechts" riefen dagegen die Bürger gestern dazu auf, sich am Sonnabend auf einer "Meile der Demokratie" im Stadtzentrum zu versammeln. "Wir demonstrieren für die Grundwerte unserer Gesellschaft", sagte Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU).------------------------------Foto: Rechtsextremisten marschieren zur Kriegsgräberstätte in Seelow. Unter den Neonazis erkannten Polizisten auch einen Kollegen aus dem LKA.