Es war aber auch zu dumm: Erst hatte das Hotel die Buchung verschlampt, dann lotsten zwei Einheimische die Gruppe in eine Künstlerkolonie, und schließlich war auch noch der Reisebus weg. Für die Hamburger Manager aus Werbung und Tabakindustrie gab es kein Zurück. Anstatt im Luxus-Hotel mußten sie ihr Jahrestreffen auf dem abgewrackten Schloß Bröllin abhalten - mit Plumpsklo, Schlafsack und Erbsensuppe. Die Marketingexperten verfluchten ihr Schicksal.Was sie nicht ahnten: Die Berliner Künstlergruppe "Story Dealer" hatte die Pannenserie sorgsam inszeniert - im Auftrag der Tabakbosse. Der Film "Feuer im Kopf" von Johannes Surek und Rolf Kleine dokumentiert den ungewöhnlichen Betriebsausflug. Heute abend ist Premiere im SO 36."Feuer im Kopf" ist keiner der üblichen Versteckte-Kamera-Scherze. Die "Story Dealer" - fünf Künstler, die zuletzt mit einem Angel-Wettbewerb in der Berliner Kanalisation Aufsehen erregten - wollten hier den schmalen Grat zwischen Wirklichkeit und Fiktion ausloten. Bei der Landpartie der Manager wurden die Unschärfen dieser Begriffe sichtbar. Was als Täuschungsmanöver begann, entwickelte ein Eigenleben: Anfangs beäugten sich die gestylten Manager und die hippiesken Künstler argwöhnisch. Bei einer nächtlichen Feuerperformance kamen sie sich schließlich näher. Ergebnis: "Das Fake ist für die Teilnehmer zur Wirklichkeit geworden", erklärt Hans von den "Story Dealern". Kollektive Täuschung als Therapie: Das Experiment sollte helfen, verkrustete Strukturen aufzubrechen, erläutert Johannes Surek. Mit dem Resultat ist Auftraggeber Klaus-Stephan von der Consumer Promotion zufrieden. "Meine Mitarbeiter haben in diesem Jahr mehr mitgenommen als von den Meetings zuvor."Barbara Nolte Heute, 20 Uhr, im SO 36.