Bereits vor fünf Jahren hat eine "Boygroup" den Kurfürstendamm erobert, in dem Theaterstück über das Leben der Comedian Harmonists: "Veronika, der Lenz ist da". Martin Woelffer hat das Stück inszeniert, Franz Wittenbrink arrangiert. Im April letzten Jahres folgte der zweite Coup des Erfolgs-Duos: "Männer - das Beste im Mann aus Klassik, Rock und Schmusepop".Nur mit Liedern entwirft Franz Wittenbrink eine ganze Welt. Die Welt von Machos, Muttersöhnchen, Latin-Lovers, Kuschelbären, Abenteurern, Romantikern:Acht Kerle von hart bis zart - Wagemutige, Wehmütige, Wilde, Weicheier - loten in diesem Liederabend aus, warum ein Mann ein Mann ist - und ohne Frau nicht (sein) kann. Sie haben zärtliche Gefühle, Flugzeuge im Bauch, brechen die Herzen der stolzesten Frau n, sind einfach nur sexy oder als Sex Machine unschlagbar.Die Mannenschaft feuert sich auf der zum Fußballplatz verwandelten Bühne mit einem Potpourri zwischen Alexandra und den Ärzten, Don Giovanni und James Brown unermüdlich gegenseitig an, tobt sich aus, turnt bei Mama ab - und macht sich aufs Neue auf die Jagd nach Girls, Girls, Girls, damit sie bloß nicht mehr so allein ist.Der Neuerer der Gattung Musikalische Revue, Franz Wittenbrink, hat nach den landauf landab gespielten "Sekretärinnen" (1995) mit "Männer" (1997) erneut einen bahnbrechenden Liederabend geschaffen, dessen Berliner Erstaufführung im April 2001 am Theater am Kurfürstendamm unmittelbar auf die Uraufführung der Nachwenderevue "Zigarren" am Berliner Ensemble folgte. Komisch ist Franz Wittenbrinks von der Kritik hoch gelobte "Männer"-Tafel in der Regie von Martin Woelffer und den Arrangements von Andrew Hannan schon, lächerlich nie. Man(n) und Frau lachen aus einer Seele mit den gestandenen Mannsbildern, schließt die Gestrandeten ins Herz, erinnert sich sowohl eigener Sehnsüchte als auch verpasster Gelegenheiten - und ganz zum Schluss kommt auch noch eine Frau in dieses Spiel, das längst nicht mehr nur von König Fußball bestimmt wird...Das große Plus des Gag-gewürzten Boygroup-Abends, wo einer nicht pinkeln kann, weil die anderen zusehen, sich ein Trio als "Die drei Tenöre" gegenseitig an die Wand singt und am Schluss die Tribüne zu Bruch geht, sind die kontrastierend zum Song besetzten Typen: Joe Völker ist der lustige Dicke. Anton Rattinger gibt den Macho. Erwin Windegger entpuppt sich als Yuppie mit Herzensbildung. Santiago Ziesmer bricht als Rühmann-Typ stolze Frauenherzen. Klaus Brantzen hat den unliebsamen Part des verlassenen Ehemannes übernommen. Christoph Jungmann ist das Mammasöhnchen. Gerd-Lukas Storzer brilliert als Neurosen-Kavalier und Tamas Ferkay trinkt aufs Wohl der Weiber.Wir haben die acht Kerle, die sich wieder ab dem 27. März die Männer-Seele aus dem Leib singen, gefragt: Wann ist Mann ein Mann? Hier ihre Antworten: Tamas Ferkay, ungarischer Schauspieler und Sänger, gibt als "Männer"-Mann den grundehrlichen Taxifahrer-Typ: "Ein Mann ist unentbehrlich: wie Salz in der Suppe, wie Paprika im Gulasch, wie Knoblauch im Tzatziki."Joe Völker, Jazzpianist und Sänger aus Mannheim, bei "Männer" der lustige Dicke: "Ein richtiger Mann ist stark, geheimnisvoll, erotisch, polygam, triebhaft, egoistisch und nicht festzuhalten. Finanzbeamte und Soziologiestudenten sind prinzipiell keine richtigen Männer. Sitzpinkeln ist nicht unmännlich, zeugt aber von einer zittrigen Hand."Anton Rattinger, Berliner Musical-, Theater- und Film-Schauspieler. Hier der Weiberheld: "Ein wirklicher Mann ist eine erwachsene Persönlichkeit mit einem konstruktiven Verhältnis zu sich selbst. Er ist zu gleichwertiger Partnerschaft fähig, scheut Konfliktsituationen nie und geht innerlich reicher aus solchen hervor."Klaus Brantzen, Schauspieler und Sänger aus Mainz. Hier der Typ frisch verlassener Familienvater: "Wann ist Mann ein Mann? Fragen Sie meine Ex! Die Frage stellt sich für mich nicht. Ich bin, wie ich bin. Also wäre für mich die Antwort: Wenn er ist, wie er ist. Oder so."Gerd Lukas Storzer, Berliner Schauspieler. In "Männer" der Neurosen-Kavalier: "Ein Mann ist ein Mann, wenn er die innere Stärke besitzt zuzugeben, dass Nana Mouskouri nun mal doch schöner singen kann als Wolfgang Petry."Erwin Windegger, Jazz-, Rock- und Pop-Sänger aus Meran. Jetzt der starke Mann, der lernt, Gefühle zuzulassen: "Mann ist Mann, wenn er nicht als Einsamer in seiner männlichen Verpackung eingesperrt ist, sondern in der Lage ist, zweisam und gemeinsam das große, tiefe Glück zu finden: die Geborgenheit des Sichfallenlassens - und somit den wahren Mann, der sein Ich nicht in Äußerlichkeiten suchen muss, sondern innen gefunden hat."Christoph Jungmann, Schauspieler, Kabarettist und Sportjournalist aus Berlin. Hier das Muttersöhnchen: "Wann ist Mann ein Mann? Wenn er das erste Mal ohne Mutti Socken kaufen geht."Santiago Ziesmer, Berliner TV- und Theater-Mann. Hier der Gernegroß, der die Herzen der stolzesten Frauen bricht: "Wenn er nicht mehr bei seiner Mutter wohnt, wenn er sich von seiner Frau getrennt hat, wenn seine Kinder aus dem Haus sind und er endlich tun kann, was er will: Dann ist ein Mann ein Mann!"Martin Woelffer, Fußball-Fan und Regisseur: "Ein Mann ist ein Mann, wenn er erfolgreich im Beruf ist und gleichzeitig immer für seine Kinder da ist. Wenn er einfühlsam und egoistisch, zärtlich und brutal, jederzeit in der Wildnis überlebensfähig und immer frisch gewaschen ist. Ein Mann ist ein hervorragender Liebhaber, ist treu und ein nie müder Schürzenjäger."Männer - Liederabend von Franz Wittenbrink mit Anton Rattinger, Erwin Windegger, Santiago Ziesmer, Tamas Ferkay, Klaus Brantzen, Christoph Jungmann, Gerd Lukas Storzer, Joe Völker u. a.Regie: Martin Woelffer, Choreografie: Sylvia Schmid, Musikalische Leitung: Andrew Hannan. WIEDERAUFNAHME 27. März, 20 Uhr. Kartentelefon: (030) 88 59 11 88, www. komoedie-berlin. de THEATER AM KURFÜRSTENDAMM Noch drei Tenöre: Tamàs Ferkay, Klaus Brantzen und Christoph Jungmann.