Dr. Eugene Landy ist tot: Brian Wilsons Psychiater

Sein berühmtester Patient ist ein Beach Boy gewesen: Als Brian Wilson, der ebenso geniale wie wahnsinnige Komponist der kalifornischen Strandjungentruppe, Anfang der Siebzigerjahre den Kontakt zur Wirklichkeit völlig verlor, immer mehr Kokain schnupfte und immer fetter wurde und, wenn er überhaupt einmal auf eine Bühne kam, bloß geistesabwesend hinter dem Piano saß, schickte ihn seine Frau Marilyn in die "24-Stunden-Therapie" von Dr. Eugene Landy: Der kalifornische Psychotherapeut war auf Fälle wie diesen spezialisiert; er zwang Wilson zur Diät und zu körperlicher Bewegung und ließ ihn rund um die Uhr überwachen. 1976 wurde die Therapie abgebrochen, 1983 wieder aufgenommen. Diesmal brachte Landy seinen Schützling nach Hawaii und ließ ihn für eine halbe Million Dollar von einem fünfköpfigen Team betreuen.Wilson wurde zwar dünner, aber nicht zurechnungsfähiger: Vom Kokain losgekommen, stand er nun völlig unter der Fuchtel seines Psychiaters; bei dem ersten Soloalbum, das er 1988 einspielte, trat Landy sogar als Produzent auf. Es war eine grauenhafte Schallplatte voller billiger Synthesizersounds; ein Nachfolgewerk, in dem Wilson seine Krankengeschichte als Rap darlegen wollte, wurde von der Plattenfirma abgelehnt. Kurz darauf verlor Landy wegen dubioser Methoden die Lizenz, und wohlmeinende Freunde brachten Wilson aus seinem Einflussbereich - worauf es dem Sänger immer besser zu gehen schien. Am Mittwoch letzter Woche ist Eugene Landy im Alter von 71 Jahren in Honolulu gestorben. (bal.)