Bis die Spiegelwand am 7. Juni 1995 auf dem Hermann-Ehlers-Platz aufgestellt werden konnte, war sie bereits zu überregionaler Berühmtheit gelangt. Drei Jahre lang hatten sich die Parteien der Steglitzer Bezirksverordnetenversammlung über das Denkmal gestritten und die Anbringung schließlich mit den Stimmen von CDU, FDP und Republikanern abgelehnt. Schließlich zog der damalige Bausenator Wolfgang Nagel (SPD) das Verfahren an sich und ließ das Mahnmal selbst aufstellen.Der damalige Kultursenator Ulrich Roloff-Momin (parteilos) erklärte, die Verordneten lehnten mit ihrem Beschluss das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ab und bezeichnete dies als Verletzung des moralischen Anstandes und als Zerstörung des gesellschaftlichen Grundkonsenses der vergangenen 40 Jahre. Landespolitiker nannten den Vorgang beschämend und fürchteten Schaden für das Ansehen Berlins.Zu Beginn der Debatte um das Steglitzer Mahnmal waren sich die Bezirksfraktionen noch einig gewesen. Einstimmig hatte die BVV 1992 beschlossen, einen Kunst-am-Bau-Wettbewerb für ein Mahnmal auszuloben, das an die jüdische Synagoge an der Düppelstraße und den Holocaust in Berlin erinnert. Organisator war das Steglitzer Kunstamt. Ende des Jahres entschied sich eine Jury unter dem Vorsitz des Worpsweder Künstlers Waldemar Otto für den Beitrag eines Berliner Künstlerteams: die Spiegelwand, in die Namen, Adressen und Geburtstage von etwa 2 000 jüdischen Deportierten aus Berlin eingraviert werden sollten.Bereits zum Jahreswechsel zeichnete sich jedoch ab, dass weder CDU noch FDP das Wettbewerbsergebnis realisieren wollten. Die CDU nannte die Wand überdimensioniert, bezweifelte, dass am Wettbewerbsverfahren ausreichend Bürger beteiligt worden waren und führte in einem parteinahen Blatt eine öffentliche Debatte über den Sinn eines solchen Denkmals. Mitte 1994 lehnten CDU, FDP und Republikaner die Spiegelwand mit ihrer Stimmenmehrheit in der BVV ab. Der Denkmalstreit und die Stimmenallianz unter Beteiligung der Republikaner fand Beachtung in der internationalen Presse. Bausenator Nagel stellte dem Bezirk ein Ultimatum und forderte das Amt auf, die Spiegelwand zu errichten. Als die Frist ohne Reaktion des Bezirksamtes verstrich, zog er das Verfahren an sich. Die BVV verweigerte der Aufstellung des Denkmals weiterhin ihre Zustimmung. Zum erneuten negativen Medienecho führte 1995 die Weigerung der BVV-Mehrheit, zur Einweihung Gäste aus Israel einzuladen. Am 7. Juni 1995 wurde die Wand aufgestellt. Eingraviert sind die Namen von 1 723 jüdischen Bürgern. (juli.)