Die Gazelle, So., 20.15, ARD. Drei Polizeiruf-Kommissare aus verschiedenen Bundesländern auf einen Schlag - das gab's noch nie. Eine Polizeischulung im Rostocker "Neptun"-Hotel macht es möglich: Das Schweriner Duo Hinrichs/Groth (Uwe Steimle und Kurt Böwe) trifft auf die Potsdamer Kollegin Tanja Voigt (Katrin Saß). Während sich der notorische Streber Hinrichs in die drögen Vorträge über die Besonderheiten Verdächtiger mit Rot-Grün-Blindheit vertieft, spielen Groth und Voigt Schiffeversenken."Unter den 500 Gästen in diesem Hotel müßte doch wenigstens ein Mörder sein", hofft der bedächtige Groth auf Abwechslung. Die ihnen prompt geboten wird, als eines Morgens ein Hotelgast tot an den Ostseestrand getrieben wird. Während die Rostocker Kollegen an einen Unfall unter Alkohol glauben und den Fall schnell abhaken, kommt unser Trio erst richtig auf Touren. Sie finden heraus, daß der Tote ein Betrüger war, der zusammen mit einer Komplizin (Aglaia Szyszkowitz) arbeitete. Die Schönheit, von Groth "Gazelle" getauft, becirct reiche Gäste und kopiert heimlich deren Kreditkarte. Der Reiz des Films liegt weniger in der recht durchsichtigen Kriminalgeschichte, sondern vielmehr in der liebevoll überhöhten, witzig gezeichneten Hotelatmosphäre: Alle Beteiligten, vom Mörder bis zu den Kommissaren, schlafen schließlich unter einem Dach, begegnen sich ständig auf den Fluren, im Restaurant oder in der Bar, wo ein schmalziger Schubidu-Sänger (Giso Weißbach) einsame Herzen zueinander führt. Für Kurzweil und komische Situationen sorgen vor allem die Polizisten selbst: Auch die Kommissare Groth und Voigt vergnügen sich auf der Tanzfläche beim Kriminal-Tango. Streber Hinrichs läßt sich von der schönen Gazelle um den Finger wickeln. Den drei Kommissar-Darstellern hat das ungewohnte Miteinander am Ostseestrand gefallen. Katrin Saß konnte endlich einmal mit Kurt Böwe arbeiten, ein Wunsch von ihr seit vielen Jahren. Böwe war vom Buch der Autoren Illner/Pomorin anfangs kaum angetan, fand nicht das wieder, was die NDR-Polizeirufe auszeichnete, in denen die Kommissare Teil der norddeutschen Landschaft und ihrer Bewohner sind. Auch sein Partner Uwe Steimle meinte: "Die Autoren haben wohl noch nie einen Fall von uns gesehen", hatte aber beim Spielen unter der Regie von Bodo Fürneisen dann doch unerwartet viel Spaß. +++